Review: Comic Girls (Vol. 1)

Wer professionell Comics oder Manga zeichnen will, muss sich sehr anstrengen, denn nur die besten der Besten werden Erfolg haben. Die Anime-Serie Comic Girls von Animationsstudio Nexus dreht sich um eine Manga-Zeichnerin, die in den umkämpften Markt vorpreschen will.

Im Mittelpunkt von Comic Girls steht die Oberschülerin Moeta Kaoruko. Diese geht nicht nur zur Schule, sondern möchte auch professionelle Manga-Zeichnerin werden. Obwohl sie jeden Tag ihr Bestes gibt, ist sie nicht sonderlich erfolgreich. Häufig bekommt sie von ihrer Mentorin Amisawa Mayu die negativen Rückmeldungen ihrer Leser präsentiert: Kaorukos Geschichten seien langweilig und die Charakterzeichnungen miserabel. Damit es mit der Karriere vielleicht doch noch klappt, empfiehlt ihr Frau Amisawa, in ein spezielles Wohnheim zu ziehen. Dort leben nur angehende und bereits etablierte Manga-Zeichnerinnen. Überzeugt davon, dass sie dort neue Erfahrungen sammeln kann, nimmt Kaoruko das Angebot dankend an. Vor Ort lernt Kaoruko ihre Zimmergenossin Koizuka Koyume kennen. Koyume zeichnet für ihr Leben gern Shōjo-Manga, doch fehlt ihr ein Verständnis für Romantik. Schnell merken die beiden, dass sie unterschiedliche Probleme haben, die ihrer Laufbahn als Manga-Zeichnerinnen im Weg stehen. Damit Koyume den Stolperstein endlich aus dem Weg räumt, beschließt sie, ihre Mitbewohnerin Irokawa Ruki aufgrund ihrer vermeintlich großen Oberweite als Vorbild zu nehmen. Hieran ist zu erkennen, dass Humor ein wichtiger Bestandteil von Comic Girls ist. Der Comedy-Anteil ist allgegenwärtig und noch dazu untrennbar mit der Story verbunden.

Alltägliche Herausforderungen von Manga-Künstlerinnen

Dies ist zum Beispiel auch an einer anderen Situation zu erkennen. Damit ihre Mitbewohnerin Katsuki Tsubasa noch rechtzeitig einen Auftrag fertigstellen kann, beschließen Kaoruko und Koyume, ihr unter die Arme zu greifen. Die tollpatschige Kaoruko macht jedoch einen Fehler nach dem anderen, versucht diese zu vertuschen und jammert Tsubasa die Ohren voll. Tsubasa, die geübt im Umgang mit nicht fehlerfreier Assistenz ist, geht zur Verwunderung des Zuschauers allerdings locker damit um. Unterm Strich lässt das Kaoruko aber nur noch mehr anstrengen, wodurch so auch ganz allgemein die Handlung vorangetrieben wird. Von Comic Girls darf allerdings keine allzu tiefgründige Geschichte erwartet werden, denn die Anime-Serie gehört zum recht gemächlichen Slice-of-Life-Genre. So wird neben der Arbeit der Manga-Zeichnerinnen im Wohnheim auch der Alltag der quirligen Oberschülerinnen eingefangen. Zwischen den vier Charakteren entwickelt sich regelrecht eine Freundschaft, die Arbeit, Vergnügen und alle anderen Aspekte des alltäglichen Lebens verbindet. Unter anderem gehen die Freundinnen auf Shoppingtour in einem Laden für Künstlerbedarf und besuchen die örtliche Oberschule. Überall fließen jedoch Elemente ein, die für die Rahmenhandlung von Bedeutung sind. Positiv fällt auf, dass sich die Anime-Serie glücklicherweise nicht in Nebensächlichkeiten verliert.

Gelungener Einstand einer Anime-Serie

Auf der technischen Seite liegen alle vier enthaltenen Folgen in der ersten Volume von Comic Girls in der Auflösung von 1080p vor. Durchgehend wird hier zwar auf das bildschirmfüllende 16:9-Format gesetzt, doch stilistisch nimmt sich die Anime-Serie die Freiheit, Emotionen der Charaktere auch in kleine Panels zu setzen. Dabei werden aber auch die Bewegungen der Figuren nicht vergessen. Manchmal verschwimmen bei emotionalen Ausbrüchen sogar die Bilder zu weißen Hintergründen, sodass die Konturen der Charaktere sich langsam auflösen. Hierbei ist besonders zu erkennen, wie detailreich die Protagonisten eigentlich gestaltet sind. Das einzige Manko bei der Bildqualität ist, dass manche Einstellungen ein wenig unscharf wirken, auch wenn hübsche Licht- und Schatteneffekte sowie Spiegelungen den Kritikpunkt wieder aufwiegen. In puncto Akustik überzeugen sowohl in der deutschen als auch in der japanischen Tonspur die Synchronsprecher. Diese verleihen ihren Charakteren unglaublich viel Leben. Schade ist nur, dass die deutsche Version teilweise schlecht abgemischt ist und die eigentlich schöne Hintergrundmusik in DTS-HD Master Audio 2.0 oft lauter ist als die Dialoglautstärke. Auch wenn die erste Volume von Comic Girls ein gelungener Einstand ist, mangelt es der Ausgabe an digitalen und physischen Boni. Da wäre mehr drin gewesen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Comic Girls ist eine wirklich zuckersüße Anime-Serie geworden. Die lauwarme Slice-of-Life-Geschichte mag zwar bei Weitem keine Bäume ausreißen, die Charaktere sind aber charmant genug und motivieren in jeder einzelnen Episode zum Weiterschauen. Zudem erhält der Zuschauer einen kleinen Einblick in die Entstehung von Manga, bei denen – untypisch für ein japanisches Werk – hier und da die ausufernden Arbeitszeiten kritisiert werden. Während andere Anime-Serien sich oft in Nichtigkeiten verlieren und die Rahmenhandlung aus den Augen verlieren, hat so gut wie jede Szene einen Einfluss auf die Story. Wer das Slice-of-Life-Genre mag, sollte der Anime-Serie Comic Girls unbedingt eine Chance geben, da sie definitiv zu den interessantesten Werken der Gattung gehört.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Comic Girls (Vol. 1)!

 

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