Review: MediEvil

Obwohl MediEvil ursprünglich für verschiedene Plattformen wie den Sega Saturn oder den PC gedacht war, wurde es nach Sonys Eingriff schließlich zu einem der bekanntesten und besten PlayStation-Exklusivtitel, dem zwei Dekaden später ein Remake spendiert wurde.

Im fiktiven Lande Gallowmere tobte einst ein erbitterter Kampf zwischen den Rittern von König Peregrin und den Horden des bösen Zauberers Zarok. Der Anführer der siegreichen Truppen des Königs hieß Sir Daniel Fortesque. Um ihn herum ranken sich Legenden, doch die traurige Wahrheit ist, dass er vom ersten Pfeil des Feindes tödlich getroffen wurde. Dieses Ereignis jährt sich zu Beginn des Action-Adventures MediEvil zum hundertsten Mal und obwohl das Gute siegreich war, ist das Land inzwischen in Finsternis gehüllt. Zarok ist zurückgekehrt und erweckt seine einstigen Anhänger wieder zum Leben. Leider macht er dabei einen folgenschweren Fehler, denn sein Zauber haucht auch Fortesque beziehungsweise dessen Überresten neues Leben ein – und genau hier kommen wir ins Spiel. Wir schlüpfen in die Rolle des wenig ruhmreichen Ritters, der Gallowmere vor Zaroks düsteren Plänen retten muss und nebenher zum Helden aufsteigen will. Bis die Erlösung von Fortesque eintritt, vergehen in MediEvil je nach Spielertyp gerne fünfzehn bis zwanzig Spielstunden, die mit zahlreichen Ideen gefüllt sind. Dazu gehören knifflige Geschicklichkeitspassagen, hitzige Gefechte, humorvolle Monologe der Nicht-Spieler-Charaktere und motivierende Erkundungstouren. Hierbei fällt auf, dass die Entwickler den Begriff Remake wirklich sehr genau genommen haben.

Schnell erlernbare Spielmechanik

Wer MediEvil bereits zur Erstveröffentlichung im Jahr 1998 gespielt hat, wird sich in Gallowmere sofort zurechtfinden. Es scheint so, dass das Grundgerüst des Ursprungswerks vom Entwicklerstudio des Remakes, genauer gesagt Other Ocean Emeryville, weitestgehend übernommen und für das Jahr 2019 grafisch angepasst wurde. So beginnt auch das Remake in der Krypta von Fortesque, wo wir die ersten Kniffe meistern. Schnell erlernen wir, wie wir Wertsachen einsammeln, Truhen öffnen, das Schwert schwingen und Türen öffnen. Allesamt Befehle, die wir im Verlauf des Abenteuers immer wieder freudig einsetzen. Sobald wir den ersten Schritt aus der Krypta setzen, landen wir auf der Oberweltkarte, auf der die circa zwanzig Schauplätze von MediEvil nach und nach freigeschaltet werden. Der Titel erinnert mit der Struktur der verschiedenen Levels wie einem Friedhof, einem Mausoleum, einer Nervenheilanstalt oder einem fliegenden Schiff zwar stark an Nintendos The-Legend-of-Zelda-Reihe, da häufig Schiebe- und Schalterrätsel gelöst und Schlüssel gefunden werden müssen, doch ist das ursprünglich von den Sony Computer Entertainment Cambridge Studios entwickelte Action-Adventure viel mehr ein früher Vorreiter von Castlevania: Lords of Shadow. So finden wir in verschiedenen Levels Gegenstände, die wir in anderen Spielabschnitten einsetzen müssen.

Stellenweise veraltetes Gameplay

Umherirren ist in MediEvil übrigens nicht möglich, denn die meisten Levels sind geradlinig. Abseits des roten Fadens sind die Umgebungen so designt, dass sie genau den richtigen Raum für die eine oder andere Erkundungstour lassen. Oft sind die Belohnungen wie Schatztruhen, Goldsäcke oder Lebensfläschchen schon von Weitem zu erkennen. Letztere sollten wir unbedingt einsammeln, da wir damit Fortesques maximale Lebensenergie verlängern. Entscheidend sind die zusätzlichen Kapazitäten bei den teilweise recht knackigen Sprungpassagen, bei denen es auf genaues Timing ankommt. Fallen wir beispielsweise in eine bodenlose Schlucht, ins Wasser oder in den Sumpf, verlieren wir direkt unsere gesamte Lebensenergie. Daraufhin wird sofort ein Lebensfläschchen aufgemacht. An manchen Stellen kann das in MediEvil durchaus zu viel Frust führen. Ärgerlich ist auch, dass nach einem Level nicht alle Flaschen wieder aufgefüllt werden. So kehren wir recht langsam über die Oberweltkarte immer wieder zur Gruft zurück, um wiederholend die zwei dortigen Energiefläschchen zum schnellen Auffrischen einzusammeln. Hier hätten die Entwickler ruhig ein wenig mitdenken können, denn sowohl der immense Fallschaden als auch das Auffüllen der Lebensenergie, zumindest gegen Gold bei den sprechenden Gargoyle-Händlern, würden das Erlebnis viel angenehmer machen.

Einprägsames Videospielerlebnis

Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist für den einen oder anderen sicherlich auch die Steuerung in den Kämpfen. Hier hämmern wir wie verrückt auf den Angriffsknopf, um Fortesque seine zahlreichen Schwerter, Äxte, Hämmer und Keulen zu schwingen. Auch dies ist dem Original geschuldet, in dem Attacken genauso funktionieren. Wer in MediEvil aber länger als fünf Minuten durchhält, ist gewillt, das kleine Manko auf sich zu nehmen, zumal mit Fernkampfwaffen wie Bögen oder zu werfenden Hähnchenschenkeln und Blitzmagie genügend Abwechslung vorhanden ist. Das Repertoire erweitert sich dabei vor allem über den regelmäßigen Besuch im Heldensaal, nachdem wir einen goldenen Kelch gefunden haben. Im späteren Spielverlauf kommen noch verlorene Seelen hinzu, für die wir kleinere Aufträge erfüllen und die Spielwelt daher noch einmal abgrasen dürfen. Hierfür winkt eine wirklich tolle Belohung. Zu viel verraten wollen wir nicht, doch Nostalgiker und alle, die die PlayStation-Fassung von MediEvil nicht besitzen, werden sich über den Bonus absolut freuen. Es ist jedoch gleichgültig, ob wir das Spiel auf der PlayStation oder das Remake auf der PlayStation 4 spielen. Sowohl das Originalwerk als auch die überarbeitete Version funktioniert ausgezeichnet. Optisch erinnert das Spiel damals wie heute an Filme, deren Stil auf den US-amerikanischen Regisseur Timothy Walter Burton zurückzuführen ist, und wird mit einem fantastischen Soundtrack unterlegt. Wer sich die Zeit um Halloween versüßen will, kommt um MediEvil nicht herum!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation- und PlayStation-4-Fassung): Lange Zeit kannte ich nur Bruchteile von MediEvil. Es hat über zwanzig Jahre gedauert, bis ich das kultverdächtige Spiel in seiner Gänze erleben konnte. Auf der PlayStation 4 hat das Spiel kaum etwas von seiner Faszination eingebüßt. Das liegt daran, dass sich das Abenteuer weitestgehend gleich anfühlt und mit seinen Anleihen an The Legend of Zelda oder Metroid einen Nerv bei mir trifft. So ist die Story des Spiels charmant, mit sehr viel Humor und tollen deutschen Synchronsprechern erzählt. Ständig werde ich dazu ermuntert, auch die letzten Ecken der Spielwelt zu erkunden, knifflige Sprungpassagen zu meistern und hitzige Kämpfe zu überstehen. Vor allem die letzten beiden Aspekte gehen meiner Meinung nach mit Designentscheidungen einher, die heute nicht mehr tragbar sind. Es ist für mich unglaublich nervig, wenn ich vier oder fünf Mal hintereinander an derselben Sprungpassage scheitere und deswegen genauso viele Lebensfläschchen opfern muss, was meist dazu beiträgt, dass ich den Spielabschnitt komplett von vorne angehen darf. Auch bei den Kämpfen wäre in meinen Augen ein deutlicheres Treffer-Feedback möglich gewesen. Dies sind jedoch Kritikpunkte, über die ich gerne hinwegsehe, da mir MediEvil vor allem mit dem leicht gruseligen Halloween-Look und der tollen Musik von Paul Arnold und Andrew Barnabas unglaublich viel Spaß bereitet.

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von MediEvil!

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