Review: Star Ocean: First Departure R

1996 legten Entwicklerstudio tri-Ace und der damalige Publisher Enix auf dem Super Nintendo mit Star Ocean den Grundstein für ein neues Franchise, das zweieinhalb Jahrzehnte später jedem Fan des Genres ein Begriff ist. Mit Star Ocean: First Departure R schafft es eine HD-Neuauflage des PlayStation-Portable-Remakes auf die Nintendo Switch und die PlayStation 4.

Einmal durch die Zeit und vielleicht noch zu den Sternen reisen: Dies dürfte wohl für viele Science-Fiction-Fans auf ewig ein unerfüllter Traum bleiben, der höchstens in Videospielen oder Filmen wahr wird. In Star Ocean: First Departure R schlüpfen wir im 25. Jahrhundert in die Rolle des Kriegers Roddick Farrence, der mit seiner Freundin Millie Chliette und seinem Kumpel Dorne Murtough sein Heimatdorf Kratus auf dem weniger fortschrittlichen Planeten Roak vor Räubern und Monstern beschützt. Als im Nachbarort eine gefährliche Seuche ausbricht, die alle Menschen in Stein verwandelt, stoßen die drei unzertrennlichen Gefährten auf der aussichtslosen Suche nach einem Heilmittel auf den von der Erde stammenden Captain Ronyx J. Kenny und dessen Wissenschaftsoffizierin Ilia Silvestri. Zusammen reisen sie dreihundert Jahre in die Vergangenheit, um das unaufhaltsame Unglück auf Roak zu stoppen. Ins Detail wollen wir an dieser Stelle zwar nicht gehen, doch Star-Trek-Kenner dürfen sich auf den einen oder anderen Einfluss von Eugene Wesley Roddenberrys erfundener Marke freuen. Obwohl dies nach reichlich Science-Fiction-Spaß klingt, entpuppt sich Star Ocean: First Departure R nach der gelungenen Exposition eher als Fantasy-Rollenspiel, da die Story einerseits fast vollständig auf Roak stattfindet und andererseits sich die von der Erde stammenden Figuren in die Entwicklung des Planeten – wie in Star Trek – keinesfalls einmischen dürfen.

Gruppendynamik mit weitreichenden Folgen

Neben den vier Helden Roddick, Millie, Ronyx und Ilia gesellen sich unserer Gruppe im Verlauf der Geschichte bis zu vier weitere Figuren hinzu. Da es jedoch mehr Charaktere in Star Ocean: First Departure R gibt, müssen wir an bestimmten Stellen wichtige Entscheidungen treffen. Benötigen wir beispielsweise Hilfe beim Überqueren des Berges Metorx, können wir den Schwertkämpfer Cyuss Warren anheuern. In diesem Falle müssen wir später jedoch auf den Krieger Ashlay Bernbeldt verzichten, der zusammen mit anderen Helden wiederum zum Rekrutieren eines weiteren Charakters wichtig ist. Positiv hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass uns das Spiel diesen Umstand nicht erklärt und die Story mit ihren zahlreichen Abweichungen je nach Charakterwahl circa zwanzig Spielstunden lang bis zum Abspann flüssig und stringent unterhält. Je nachdem welche Figuren sich in unserer Gruppe befinden, verändern sich entsprechend auch einige der rein auf Englisch geschriebenen und in wichtigen Momenten auf Englisch oder Japanisch vertonten Dialoge. Selbst die Endsequenz wird dadurch leicht beeinflusst. Schade ist jedoch, dass teilweise und begleiterabhängig zu wenig auf die Nebenhandlungsstränge hingewiesen wird. Beispielsweise gibt es eine nicht auf der Oberweltkarte zu erkennende Höhle, in der die Charakterentwicklung des engelartigen Ioshua Jerand vorangetrieben wird. Durchs zufällige Entdecken solcher Geheimnisse leidet die Story ein wenig.

Kommunikationsfreudige Erwartungen

Ein weiterer und nicht zu unterschätzender Aspekt von Star Ocean: First Departure R, der den Wiederspielwert weiter in die Höhe treibt, ist das freie Ausschwirren der Gruppenmitglieder in den Ortschaften der Spielwelt. So können wir vor dem Betreten einer Stadt oder eines Dorfes auf Knopfdruck festlegen, ob sich die Gruppe für den Aufenthalt kurzfristig aufteilen soll. In diesem Falle erkunden wir den jeweiligen Ort anschließend auf eigene Faust und treffen an den unterschiedlichsten Stellen auf unsere Freunde. Während Cyuss am liebsten in der Bar einen Humpen hebt, genießt Ilia hingegen die frische Meeresbrise am Hafen. Dies ist aber mehr als nur ein netter Bonus, denn je nach Zeitpunkt und Ort erhalten wir durch die Kommunikation mit unseren Verbündeten gelegentlich auch wertvolle Ausrüstungsgegenstände, die unsere Attribute nur so in die Höhe schnellen lassen. Im restlichen Gameplay orientiert sich Star Ocean: First Departure R an vielen 16-Bit-Rollenspielen der 1990er-Jahre, auch wenn die HD-Portierung aus dem Jahr 2019 für die Switch und die PlayStation 4 genauso wie das PlayStation-Portable-Remake von 2007 ein paar Veränderungen aufweist. Während die nie außerhalb Japans veröffentlichte Super-Nintendo-Version, wohlgemerkt in puncto Speicherplatz eines der beiden größten Spiele des Systems, auf einzelne Gebiete zwischen den Orten setzt, sind Städte und Dörfer in allen anderen Versionen per Oberweltkarte verbunden.

Actionreiches Kampfsystem mit motivierendem Aufleveln

Mit den in den zahlreichen Zufallskämpfen erbeuteten Fol, der Währung auf Roak, können wir uns in Star Ocean: First Departure R mit immer stärker werdenden Waffen, schützenden Rüstungen und hilfreichen Kräutern eindecken. Während die Auseinandersetzungen mit Monstern, Robotern und humanoiden Wesen auf dem Super Nintendo noch auf einem starren Bildschirm ausgetragen werden, fühlen sich die Kämpfe im Remake wesentlich dynamischer an, da das Kampfareal größer ist und alle Teilnehmer flexibler reagieren. Es ist jedoch egal, welche Version wir spielen – actionreich sind die Kämpfe immer. Verwunderlich ist das aber nicht, denn schließlich waren die meisten beteiligten Entwickler zuvor bei Wolf Team angestellt, die 1995 mit Tales of Phantasia, dem anderen größten Spiel auf dem Super Nintendo, reichlich Erfahrung mit actionorientierten Kämpfen gesammelt haben. Toll ist auch, dass jeder Charakter für einen Stufenaufstieg Spezialpunkte erhält, die wir in freigeschaltete Skills investieren dürfen. Je nachdem welche Fähigkeiten wir pushen, erlernen unsere Helden auch diverse Talente wie die Item-Identifikation, das Schmieden von Waffen oder das Regulieren der Menge an Zufallsbegegnungen. So fühlt sich jedes Level-up und jede Investition von Spezialpunkten sehr befriedigend an; genauso wie der Rest des Spiels, der auf eine bunte Grafikmischung aus 16- und 32-Bit setzt. Lediglich der Soundtrack kann nicht gänzlich überzeugen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch- und PlayStation-4-Version): Star Ocean erschien 1996 ein halbes Jahr nach Veröffentlichung des Nintendo 64 in Japan – und damit wohl zu spät, um noch eine englische oder gar deutsche Lokalisierung spendiert zu bekommen. Glücklicherweise gab es 2007 mit Star Ocean: First Departure ein solides Remake, das es auch nach Europa und Nordamerika geschafft hat. Auf keiner anderen Version basiert auch die HD-Portierung für die Switch und die PlayStation 4, die sich in meinen Augen sehr gut spielen lässt. Die Story ist bis auf gelegentliche Durststrecken an neuen Informationen spannend erzählt und bietet für mich durch die verschiedenen und niemals alle gleichzeitig zu rekrutierenden Nebenfiguren einen sehr hohen Wiederspielwert. Will ich alle Endsequenzvarianten und jeden Handlungsstrang sehen, muss ich das Spiel mindestens ein zweites Mal durchspielen. Dies ist aber keinesfalls ein negativer Kritikpunkt, denn mit etwa zwanzig Spielstunden bietet Star Ocean: First Departure R eine angenehme und gerne mehrfach in Kauf zu nehmende Spielzeit. Aufgrund der sehr guten Spielbarkeit, dem je nach Spielertyp einfachen Schwierigkeitsgrad und dem flüssigen und vor allem actionreichen Kampfsystem ist der Titel meiner Meinung nach auch beim zweiten oder dritten Spieldurchgang immer noch ein Genuss für Rollenspieler, die es nach klassischen Abenteuern der 16- und 32-Bit-Zeit dürstet!

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Star Ocean: First Departure R!

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