Review: Monster – Perfect Edition (Band 1)

Wenn es um die Besprechung der besten Thriller in Manga- oder in Anime-Form geht, ist Monster kein selten genannter Titel. Obwohl der Manga damals zwischen 2002 und 2006 im deutschsprachigen Raum vollständig veröffentlicht wurde, blieb der einschlägige Erfolg wie in Japan aus. Auch die Umsetzung fürs Fernsehen erhielt hierzulande keine offizielle Veröffentlichung. In der neuen Perfect Edition wird das Werk von Urasawa Naoki in voraussichtlich neun dicken Bänden zusammengefasst und damit einem neuen Publikum zugänglich gemacht. Der Mystery-Thriller richtet sich eindeutig an ein erwachsenes Publikum, vor allem wegen der erschreckend realistischen Darstellung von Figuren und Charakterbeziehungen und nicht zuletzt aufgrund der komplexen Handlung, die auf vergangene Ereignisse der deutschen Geschichte Bezug nimmt. Angesiedelt in den 1980er-Jahren im rheinischen Düsseldorf, muss Dr. Tenma Kenzō miterleben, dass seine Ideale einer gerechten Gesellschaft nicht von allen Mitmenschen geteilt werden. Als talentierter Neurochirurg in einer angesehenen Klinik steht ihm eine großartige Kariere bevor, jedoch begeht er den Fehler, seinen ärztlichen Kodex vor die Anweisungen des Krankenhausdirektors zu stellen.

Eine schicksalhafte Operation

Die Notoperation eines kleinen Jungen vor die des Bürgermeisters zu stellen, war für ihn die ethische richtige Entscheidung. Im Krankenhaus aber ein politischer Fehler, der seine Karriere und sein Gedankenbild von den Menschen nachhaltig verändern wird. Noch kann er das tatsächliche Dilemma der Rettung des Kindes nicht absehen, denn natürlich handelt es sich bei dem kleinen Jungen um Johann, einem der wohl eindrucksvollsten und furchteinflößendsten Gestalten der Manga-Szene. Im ersten Band der Perfect Edition von Monster, der zwei ursprüngliche Veröffentlichungen in über vierhundert Seiten zusammenfasst, werden noch recht wenige Figuren aus dem Monster-Epos vorgestellt. Das liegt auch an der sehr fokussierten Erzählweise, die sich zu jedem Moment genug Zeit nimmt, ihre Szenen und Ereignisse auf den Leser wirken zu lassen. Viel wichtiger als die Vermittlung von Story durch bloße Textboxen ist der Gesamteindruck der von Kapitel zu Kapitel immer schwerer wiegenden Stimmung, die sich auf die Figuren und den Leser auswirkt. Selbst wer die Geschichte schon kennt; hängt nach Beenden des ersten Bandes wieder am Haken von Urasawas Erzählweise und der Geschichte von Monster.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der zweiten Auflage): Der Beginn von Dr. Tenma Kenzōs Werdegang hat auch nach knapp zwanzig Jahren nichts von seiner Dramatik verloren. Die Perfect Edition von Monster schafft es schon nach den ersten Seiten dieselbe beklemmende aber sogartig konstruierte Stimmung hervorzurufen, wie zu seiner Erstveröffentlichung. Die Kaptitel dieses klassischen Stoffs vergehen wie im Flug, sehr angenehm ist auch die Aufmachung des Bandes, die im Großformat, mit einigen ausgewählten farbigen Seiten aufgewertet wurde. Was jetzt noch gefehlt hätte, wäre ein Hardcover-Umschlag.

Vielen Dank an Carlsen Manga für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Monster – Perfect Edition (Band 1)!

 

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