Review: Saga of Tanya the Evil (Vol. 1)

Seit 2013 schreibt Autor Carlo Zen fleißig an der Light Novel Saga of Tanya the Evil, die unter der Regie von Uemura Yutaka im Jahr 2017 als Anime-Serie umgesetzt wurde. Um das Werk einem größeren Publikum bereitzustellen, wurde es 2019 auch hierzulande veröffentlicht.

Saga of Tanya the Evil erzählt die einzigartige Geschichte des sehr jungen Mädchens Tanya Degretschow, bei der schon im Kleinkindalter magische Fähigkeiten festgestellt werden. So wird sie wohl oder übel dazu auserkoren, im bevorstehenden Krieg zu dienen. Die Handlung der Anime-Serie findet in einer alternativen und fantasiereichen Welt im Jahr 1923 nach der fiktiven Vereinigungszeitrechnung statt. Im Herzen von Europa befindet sich das so genannte Imperium, das mit dem Deutschen Kaiserreich gleichgesetzt werden kann. Selbst die Flagge des Imperiums ähnelt stark seinem realen Vorbild. Hier und da werden auch real existierende Gebäude wie beispielsweise der Reichstag in einen ähnlichen Kontext gesetzt, weshalb sich vor allem der deutsche Zuschauer mit den Strukturen der fiktiven Nation zurecht findet. Das Imperium besitzt zudem die größte Streitmacht mitsamt den besten Magiern und Strategen auf dem Kontinent. Handlungstechnisch setzt die Erzählung zum Zeitpunkt der Umsetzung des Plans 315 ein. Um das gefürchtete Imperium herum haben sich verschiedene Nationen gegen ihren Feind verbündet, der weiter auf dem Vormarsch ist. Ringsherum sollen an allen Fronten mit kleineren Truppen der Gegner aufgehalten werden, damit eine mobile und sehr viel größere Armee nach und nach die einzelnen Streitkräfte der Feinde zurückschlagen kann.

Ein Mädchen im Krieg

Wie das aus der Realität bekannt ist, gehen solche Pläne auch in der Welt von Saga of Tanya the Evil nicht immer auf. Dem Imperium mangelt es an Ressourcen, was das Zurückdrängen der Kriegsgegner erheblich erschwert. Die Hälfte der Truppe ist bereits gefallen und die Front am Rhein wird sogar schon als „Hölle auf Erden“ bezeichnet. Tanya, Zugführerin der 205. imperialen Angriffsmagierkompanie agiert hier auf dem Schlachtfeld zusammen mit ihren drei Korporals Victoria Iwanowna Serebriakow, Harald von Bist und Kurst von Ballhorf. Während zwei ihrer Mitstreiter im Krieg fallen, wird Tanya bereits in der zweiten Episode schwer verletzt und von der Front abgezogen und zu Propagandazwecken umfunktioniert. So erlebt der Zuschauer zusammen mit Tanya selbst die Wirren des Krieges an mehreren Stellen aus unterschiedlichen Sichtweisen. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass Tanyas Hintergrundgeschichte tiefgründiger ist, als anhand der hier zugrundeliegenden Ausführung ersichtlich ist. Zu viel soll an dieser Stelle nicht verraten werden, doch Tanya liegt im Streit mit Gott, ist als Atheistin ungläubig und muss so lange es geht überleben, damit ihr früher oder später eine Reinkarnation gewährt wird. Christentum und Buddhismus geben sich in Saga of Tanya the Evil die Klinke in die Hand, ermöglichen so aber eine spannende Story.

Alternative Zeitreise

Stilistisch ist die Anime-Serie im bildschirmfüllenden 16:9-Format an das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert angelehnt. Die Kriegsatmosphäre wird durch triste Farben, allen voran Grau- und Brauntönen, ausgedrückt. Begünstigt wird dies durch ruhige Kamerafahrten und bewusst langsame Animationen, um das Kriegsausmaß für jeden Zuschauer verständlich einzufangen – auch wenn Tanya mit aufgerissenen Augen und ihrem bösen Blick alles andere als leicht zu verdauen ist. Blinder Gehorsam, Frontverschiebungen, die knappe Nahrungsversorgung und zerstörte Landschaften untermauern die düstere Atmosphäre zunehmend. Nichtsdestotrotz entsprechen die Hauptfiguren mit ihren wilden Frisuren und Kulleraugen wie die Charaktere in der Anime-Serie Black Clover japanischen Stilrichtungen, während Neben- und Randfiguren europäisiert sind. Während der stimmungsvolle Soundtrack im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 im Hintergrund bleibt, stechen vor allem die deutschen Synchronsprecher positiv hervor. Diese klingen im Gegensatz zu ihren japanischen Pendants etwas „härter“ und passen somit besser zum Szenario. Neben vier circa 23-minütigen Episoden liegen auf der Blu-ray Disc ein Clean Opening und ein Clean Ending vor. Weiteres Bonusmaterial gibt es in Form eines 36-seitigen Booklets, das für unser Review aber leider nicht zur Verfügung stand. Das ändert aber nichts an der sonst herausragenden Qualität von Saga of Tanya the Evil.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Alternative Geschichte wie in der Serie The Man in the High Castle oder vergleichbaren Werken ist immer interessant, da es dem Zuschauer ein Gefühl davon vermittelt, welche Konsequenzen einzelne Entscheidungen von wichtigen Funktionären gehabt haben könnten. Saga of Tanya the Evil geht in eine ähnliche Richtung, dezimiert jedoch selbst die reale Verknüpfung durch den Einsatz von bewussten Fantasy-Elementen wie Magie. Hinzu kommt eine fantasiereiche Hintergrundgeschichte um die titelgebende Tanya Degretschow, die die Erzählung aufpeppt. Trotzdem gelingt es der Anime-Serie, die ernste Thematik nicht zu vergessen und den Krieg mit all seinen negativen Aspekten darzustellen. Mit der ersten Volume ist Nut Animation Studio gelungen, einen guten Einstand in ein interessantes Szenario zu feiern. Bleibt zu hoffen, dass die beiden folgenden Episodenpakete von Saga of Tanya the Evil an diesen großen Erfolg anknüpfen können.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Saga of Tanya the Evil (Vol. 1)!

 

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