Review: Persona 5 Royal

Nach Persona 3 FES, Persona 3 Portable und Persona 4 Golden sind Neuauflagen von Persona-Spielen keine Überraschung mehr. Dementsprechend verwunderte es niemanden, als Persona 5 Royal angekündigt wurde und weitreichende Veränderungen am Hauptspiel versprach.

Persona 5 Royal vom renommierten Entwicklerstudio Atlus respektive dem P-Studio will das ursprünglich 2016 in Japan veröffentlichte und hochgelobte japanische Rollenspiel noch weiter verbessern. Die eigentümliche Kombination aus Rollenspiel und Anime-Lebenssimulation im Herzen von Tōkyō erscheint wie schon die Ursprungsversion für PlayStation 4, nicht aber mehr für PlayStation 3 und bietet damit leicht verbesserte technische Effekte. Die inhaltlichen Verbesserungen sind mannigfaltig und wurden über die gesamte Spielzeit eingearbeitet, bis zu den großen neuen Story-Events im letzten Spieldrittel. Das grundlegende Spiel bleibt aber dasselbe und so auch der Anfang: Als gewöhnlicher japanischer Schüler wird der Protagonist des Spiels schnell mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen, als er sich vielleicht vorstellt. Eine gute Tat zur falschen Zeit und eine unfaire Entscheidung später, sitzt er eine Bewährungsstrafe ab und muss dazu noch seinen Wohnort samt Schule wechseln. Die Hauptthemen von Persona 5 Royal, sprich Rebellion und Freiheitsentzug durch hierarchische Systeme, sind von Anfang an direkt ersichtlich. Auch wenn das Rollenspiel eine eher bedrückende Stimmung aufbaut, findet der Hauptcharakter doch schnell Gleichgesinnte in seiner Umgebung, mit denen er fortan zusammen gegen die ungerechten Systeme im Land vorgehen will.

Zeit ist Geld

Schon im spielerischen Intro werden Kennern von Persona 5 die ersten Neuerungen unmittelbar ins Auge stechen. Was sich nicht aber verändert hat, ist das langatmige Tutorial, denn noch immer nimmt sich das Spiel sehr viel Zeit, seine Welt und seine Mechaniken zu etablieren. In dieser Zeit macht sich der Protagonist mit den ersten Figuren bekannt, lernt die Schule kennen und entdeckt den Zugang zum Metaverse – einer ominösen Parallelwelt, in der durch Rollenspielkämpfe die Gesinnung böser Menschen abgeändert werden kann. Wie gesagt, gibt es unglaublich viele Elemente, die Persona 5 Royal für alle Neulinge auch erst einmal erklären muss und wir bereits in unserem Test zum ursprünglichen Spiel bereits erwähnten, doch ein abgekürztes Tutorial in der Neuauflage wäre aber definitiv möglich und wünschenswert gewesen. Ein anderer großer Kritikpunkt des Hauptspiels wurde im Übrigen direkt ausgebügelt: Wie für die neueren Persona-Episoden üblich, hangeln wir uns in Form eines Kalendersystems durch das Spiel. Das heißt, dass wir jeden Tag nur eine bestimmte Anzahl an Aktionen durchführen dürfen. Story-Sequenzen haben von diesen zeitbasierten Slots sehr viel weggenommen. In Persona 5 Royal gibt es nun aber wesentlich mehr Freizeit, die wir sehr gerne mit Nebenaufgaben, illustren Minispielen oder einfach nur mit Freunden verbringen können.

Alt, neu und anders

Das ist auch angebracht und wirklich gut so, denn wenn wir etwas mit Figuren unternehmen, dann lernen wir sie gleich besser kennen. Das levelt den Rang und Vertrauens, wodurch die Charaktere neue Boni erhalten. Diese reichen von Rabatten im Shop bis zu neuen Fähigkeiten im Kampf und sind der Grund, warum Zeit in Persona 5 Royal immer sehr kostbar ist. Das Angebot ist allerdings sehr groß, denn neben neuen Figuren und Freizeitaktivitäten gibt es zugleich  mit dem begehbaren Stadtviertel Kichijōji ein frisches Areal. Dieses lockt mit vielen neuen Aktivitäten, die die Spielwelt noch einmal etwas größer und außerdem lebendiger wirken lassen. Viele Verbesserungen sind allerdings auch im Kampfsystem zu finden, denn während die einen Schüler nach der Schule Hausaufgaben machen, organisieren sich die Freunde in Persona 5 Royal zu einer stilechten Diebesbande und verkloppen Dämonen im bereits erwähnten Metaverse. In Persona 5 ließ der bekannte Baton Pass die Figuren ihren Spielzug an ein anderes Gruppenmitglied bereits abgeben, doch gab es im Ursprungsspiel kaum einen triftigen Grund, dies auch zu tun. In der überarbeiteten und stark erweiterten Fassung gibt es wesentlich mehr Anreize, Nutzen von dieser Funktion zu machen. Genauso verhält es sich mit den technischen Angriffen, die jetzt noch mehr im Mittelpunkt des Kampfsystems stehen.

Vielzahl an Neuerungen

Hinzu kommt, dass die Dämonen über Fähigkeiten verfügen, bei denen sich ähnlich wie in der Pokémon-Reihe um zusätzliche Skills handelt, die zum Beispiel den Wert von physischen Angriffen zusätzlich erhöhen oder die Kosten von Heilzauber stark reduzieren. Ein schönes Element, das den Dämonen noch etwas mehr Persönlichkeit verleiht. Insgesamt sorgen diese neuen Funktionen allerdings für einen deutlich vereinfachten Schwierigkeitsgrad – zumindest auf der normalen Schwierigkeitsstufe. Den Greifhaken, den manche schon aus Super Smash Bros. Ultimate kennen dürften, nutzt der Protagonist jetzt auch in den Dungeons von Persona 5 Royal, um neue Hindernisse zu überwinden. Aus diesem Grund wurden alle verspielten Dungeons leicht abgeändert. Von der Qualität her sind diese aber auf demselben Niveau. Kenner des Spiels werden die neuen Abschnitte als schöne Erfrischung wahrnehmen und vor allem die wesentlich komfortablere Steuerung der Schleichmechanik wertschätzen können. Darüber hinaus gibt es unzählige kleinere Verbesserungen: Beispielsweise ist jetzt Autoplay bei den Texten möglich und zudem gibt es eine Vielzahl neuer Charakterportraits. Wesentlich wichtiger ist da schon die neue spielbare Figur und die zusätzlichen Wochen am Ende des Kalenders des eigentlichen Persona 5, in der sich eine passende Nebenhandlung entfaltet.

Persona 5: German Edition

Auf der technischen Ebene fallen uns vor allem die kürzeren Ladezeiten und die detailreicheren Umgebungen inklusive verbesserte Lichteffekte und Lichtstimmungen auf. Das ist besonders deshalb wichtig zu erwähnen, damit die unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten stets gut zur Geltung kommen. Der hinzugekommene Diebesunterschlupf ist eine begehbare Trophäensammlung, in der optionale Herausforderungen angezeigt werden und Boni wie Musikplayer oder gar ein ganzes Kartenminispiel zur Verfügung stehen. Eine große Neuerung der Persona-Hauptspiele spricht vor allem alle europäischen Spieler an: Die Texte liegen nun auch auf Deutsch, Italienisch, Spanisch und Französisch vor, die englische und japanische Sprachversion ist natürlich aber ebenfalls mit von der Partie. Es ist sicherlich keine Leichtigkeit, ein so umfangreiches und mit Eigennamen angereichertes Spiel wie Persona 5 Royal zu übersetzen, allerdings hapert es bei den deutschen Texten schon an den Grundlagen. Zum Beispiel wurde der englische Begriff „Items“ in sämtlichen Menüpunkten ins Deutsche mit „Ggst.“ übersetzt, was eine halsbrecherische Abkürzung für „Gegenstände“. The Elder Scrolls IV: Oblivion lässt grüßen! Der Grund liegt im Kampfmenü, denn dort ist nur wenig Platz und „Gegenstände“ hätte ohne weitere, aber wohl machbare Anpassungen kein Platz gefunden.

Ohrensausen

Dennoch ist die Abkürzung „Ggst.“ auch an allen anderen Orten zu finden; das erinnert an alte Game-Boy-Tage, in denen weder Bildschirm noch Speicher groß genug waren, um alle Wörter vollständig anzuzeigen. Das englische „Items“ wäre in unseren Augen auch im Deutschen die beste Lösung gewesen. Der deutsche Lokalisierungshammer hat auch ansonsten so ziemlich jede internationale Erhebung rücksichtslos niedergeschlagen. Sicherlich beeinflussen solche Elemente die Spielerfahrung nur in seltenen Fällen, aber das Beispiel ist stellvertretend für den Umgang vieler deutscher Textversionen. So ist auch die Übersetzung von Persona 5 Royal inhaltlich einigermaßen richtig, verkörpert aber kaum Charme und erinnert an das Abarbeiten einer Excel-Tabelle mit zwei Spalten: Links das englische Wort, rechts die deutsche Übersetzung. Dennoch ändert das wenig an der eigentlichen Qualität von Persona 5 Royal, denn auch die englischen Texte wurden in dieser Neuveröffentlichung angepasst und stehen jedem Spieler zur Verfügung, insofern er die Systemsprache seiner Konsole verstellt. Jenseits von Gut und Böse ist einmal mehr die Musik von Komponist Meguro Shōji, der ebenfalls mit neuen stimmigen Tracks angereichert wurde. Damit steht der Soundtrack im Zeichen von allen anderen Elementen aus Persona 5 Royal: Eine grundlegende Gesamtverbesserung!

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Das beste Kompliment an Persona 5 Royal ist auch gleichzeitig der größte Kritikpunkt. Leute, die Persona 5 vielleicht noch nicht oder nur wenige Stunden gespielt haben, werden auf den ersten Blick nicht erkennen, welche Inhalte tatsächlich neu sind. Das liegt daran, dass die neuen Elemente tadellos ins Hauptspiel integriert wurden und nicht als Fremdkörper wirken. Allerdings kommen die ganzen neuen Story-Elemente auch erst zum Ende des Spiels zum Tragen. Dennoch ist Persona 5 Royal ein grandioses japanisches Rollenspiel und versteht es wie kaum ein anderes Spiel des Genres, Gameplay mit Story miteinander zu verknüpfen. Die Stilsicherheit des Titels ist teilweise immer noch unerreicht und stellt auch große Spiele mit wesentlich mehr Budget mühelos in den Schatten. Zwar sind die deutschen Texte nicht auf dem Niveau der englischen Version und einige ausufernde Textpassagen hätten mühelos abgekürzt werden können, aber dennoch wird jeder Sympathisant von Japan und Rollenspielen an Persona 5 Royal hängen bleiben.

Vielen Dank an Atlus für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Persona 5 Royal!

Ein Kommentar zu “Review: Persona 5 Royal

  1. Schade, dass ich die Urfassung bereits durchgespielt habe. Die neuen Inhalte und technischen Verbesserungen klingen zwar gut, aber angesichts der enormen Spiellänge würde ich Persona 5 wohl in keiner Fassung ein zweites Mal angehen. Soweit ich weiß, gibt es leider auch keine Möglichkeit, die alten Spielstände in die Royal-Fassung zu importieren. #NintendoSwitchLite

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