Review: Saga of Tanya the Evil (Vol. 2)

Nachdem Kazé Anime im September 2019 die erste Volume der Anime-Serie Saga of Tanya the Evil veröffentlicht hat, folgte einen Monat später das zweite Episodenpaket. Dieses knüpft an die Geschehnisse der ersten Folgen an und zeigt abermals das Grauen des Krieges.

So schnell kann es gehen: Gerade noch entlässt ein nicht näher definierter Geschäftsmann in Tōkyō einen seiner Angestellten, da wird er von eben diesen nach Feierabend am Bahnsteig vor den Zug geworfen. In der Gestalt des Mädchens Tanya Degretschow wird er ins Leben mit all seinen Erinnerungen zurückgeholt, findet sich jedoch in einem fiktiven Europa inmitten der 1920er-Jahre wieder. Zu allem Übel herrscht zu dieser Zeit noch Krieg zwischen dem an das Deutsche Kaiserreich angelehnte Imperium und den umliegenden Staaten. Hinzu kommt der nicht vorhandene Glauben von Tanya, denn obwohl sie Atheistin ist, erhält sie persönlich von Gott den Auftrag, möglichst lange zu überleben. Sollte sie es nicht tun, wird ihr jeder Ausblick auf eine weitere Reinkarnation verwehrt. In den ersten Episoden von Saga of Tanya the Evil wurde dieses Konzept dem Zuschauer in Ruhe vorgestellt, die zweite Volume mit den Folgen 5 bis 8 baut dieses Konstrukt lediglich weiter aus. Nach der fiktiven Vereinigungszeitrechnung befindet sich die Erzählung mittlerweile im Jahr 1924. Nachdem Tanya aufgrund Verletzungen vom Schlachtfeld abgezogen wurde, wird sie als Ausbilderin eingesetzt, um angehende Soldaten für das Imperium zu trainieren. Überaus tatkräftige Unterstützung erhält sie dabei von ihrem ehemaligen Korporal Victoria Iwanowna Serebriakow.

Auslöser für einen Weltkrieg

Bereits der Titel der Anime-Serie impliziert, dass es sich bei Tanya um eine durch und durch böse Figur handelt. Durch ihre Frontsiege wird sie sogar als der „Teufel vom Rhein“ bezeichnet. Bei der Ausbildung geht sie harsch und unmenschlich mit ihren Auszubildenden um: So setzt sie diese beispielsweise einen 36-stündigen Beschuss aus und verlangt danach von ihnen, sich bis zur völligen Erschöpfung einem 48-stündigen Fußmarsch durch die Kälte zu stellen. Dass ihre Untergebenen bei diesem Unterfangen auch von Lawinen oder Feinden überrascht werden, tangiert sie nur wenig. Da sich Tanya insgeheim allerdings aus dem Krieg zurückziehen will, versucht sie die Ausbildung so weit wie möglich hinauszuzögern. Da die Kriegslage an der Westfront am Rhein und im Norden jedoch bestenfalls einer Pattsituation entspricht, werden Tanyas Soldaten bei einer Inspektion frühzeitig als einsatzfähig eingestuft. Tanya wird kurzerhand in den Rang eines Majors erhoben und mit ihrer Einsatztruppe zuerst ins südöstlich gelegene Dakia verlegt. Später geht es hingegen an die verschneite Nordfront. Das Ziel des Imperiums ist, an möglichst wenigen Fronten zu kämpfen, damit kein Weltkrieg entfesselt wird. Allerdings verbünden sich in der Geschichte von Saga of Tanya the Evil die Feinde des Imperiums, wodurch sich ein internationaler Konflikt immer mehr abzeichnet.

Facetten des Krieges

Ein wichtiger Aspekt der Anime-Serie ist die Charakterisierung von Tanya, denn diese nutzt in einer Szene zum Beispiel ihr kindliches Auftreten und ihre unschuldig klingende Stimme, um ein Flächenbombardement anzukündigen, das vom Feind als Kinderstreich abgetan wird. Um die Thematik auf die Spitze zu treiben, führt sie die wichtigsten Angriffe im Namen Gottes aus – obwohl sie gerade jenes metaphysisches Wesen leugnet. Dieser konträre Aspekt in Tanyas Leben hat einen makaberen und gar zynischen Beigeschmack für den ungeschönten Krieg. In weiteren Belangen entspricht die Darstellung der der ersten Volume von Saga of Tanya the Evil, denn nach wie vor sollen triste Grau- und Brauntöne, langsame Animationen und ruhige Kamerafahrten einerseits das Ausmaß des Krieges und andererseits auch die Zeit einfangen, in der die Handlung angesetzt ist. Verdeutlicht wird das ernste Thema mit blindem Gehorsam gegenüber Vorgesetzten und unzähligen Todesopfern. Neben den vier jeweils 24-minütigen Episoden befindet sich auf der Blu-ray Disc lediglich ein alternatives Clean Opening, was für so eine intelligente Serie zu wenig ist. Dafür sollen in physischer Form ein Aufnäher und ein 36-seitiges Booklet entschädigen. Dieses Material stand für unser Review aber leider nicht zur Verfügung. Wer alternative Geschichte wie in Valkyria Chronicles 4 mag, kommt auch um die schockierende Anime-Serie Saga of Tanya the Evil definitiv nicht herum.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die zweite Volume von Saga of Tanya the Evil ist eine äußerst gelungene Fortsetzung. Nachdem der Serienauftakt die Grundlagen für das Kriegsszenario in einem fiktiven europäischen Setting legte, baut die zweite Ausgabe das Konzept weiter aus. Insbesondere die gelungene Charakterisierung der titelgebenden Tanya Degretschow wird vorangetrieben. In ihr manifestieren sich – obwohl sie wohl am liebsten selbst ihre Haut retten will – alle Eigenschaften des Krieges, die aufzeigen, warum sich solch ein Grauen nicht wiederholen darf. Mit der Light Novel Saga of Tanya the Evil hat Autor Carlo Zen ein spannendes Werk geschaffen, das auch in Anime-Form bestens funktioniert. Wer sich für alternative Geschichtsschreibung wie in The Man in the High Castle oder der ganzen Valkyria-Chronicles-Reihe interessiert, muss bei Saga of Tanya the Evil einen Blick riskieren!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Saga of Tanya the Evil (Vol. 2)!

 

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