Review: Life is strange 2

Anfang 2016 veröffentlichte Square Enix mit dem von Dontnod Entertainment entwickelten Life is strange ein Adventure, in dem Entscheidungen große Auswirkungen haben. Mit Life is strange 2 führt das französische Entwicklerstudio das Konzept mit neuen Charakteren fort.

Wer das zunächst im Episodenformat veröffentlichte Life is strange gespielt hat und auf eine Fortsetzung der Geschichte um Maxine Caulfield und Chloe Price gehofft hat, dürfte nach den ersten Minuten im Spiel vermutlich leicht enttäuscht sein. Life is strange 2 erzählt eine ganz andere Story mit frischen Gesichtern und neuen Fähigkeiten. Bevor wir diese jedoch kennenlernen dürfen, erleben wir die Eröffnungssequenz aus der Sicht einer Kamera eines Streifenwagens. Am Straßenrand geschieht ein Unglück, der Polizist fordert Verstärkung an, die Kamera setzt die Aufnahme kurzzeitig aus und auf einmal dreht sich das Auto in der Luft. Einen Aussetzer später trifft die Verstärkung ein. Was hier genau passiert, lässt das Spiel zunächst im Dunkeln. Wir wollen an dieser Stelle ebenfalls nicht spoilern und euch stattdessen die neuen Charaktere vorstellen. Waren die beiden Hauptfiguren in Life is strange noch weiblich, übernehmen wir im Nachfolger die Rolle von zwei männlichen Charakteren. Das wären zum einen der sechzehn Jahre alte Sean Diaz und zum anderen sein neunjähriger Bruder Daniel. Zu Beginn von dem in fünf Episoden eingeteilten Adventure Life is strange 2 verlieren die beiden Brüder aufgrund tragischer Umstände ihr Zuhause. Wir begleiten sie anschließend auf ihrem Lebens- und Leidensweg, der mit vielen emotionalen Höhen und Tiefen gepflastert ist.

Bedachte Erzählstruktur 

Sean und Daniel sind allerdings nicht die einzigen Charaktere, die wir innerhalb der circa 17 bis 20 Spielstunden umfassenden Story treffen. Unter anderem erfahren wir mehr über Seans beste Freundin Lyla Park, den Online-Journalisten Brody Holloway, der Fanatikerin Lisbeth Fisher oder dem kleinen Superheldenfan Chris Eriksen, den Fans des Franchises bereits aus dem kostenlosen Spiel The awesome Adventures of Captain Spirit kennen. Hier zeigt sich auch eine große Stärke des Entwicklerstudios, denn zusammen mit Life is strange: Before the Storm gelingt es Dontnod Entertainment in Life is strange 2, alle vier Spiele des Universums mehr oder weniger miteinander zu verbinden. Wer das Seriendebüt gespielt hat, freut sich im zweiten Teil über die eine oder andere Anspielung – fast ohne Maxines und Chloes Zutun. Daran lässt sich auch erkennen, dass sich das Adventure wie die anderen Spiele des Franchises mehr auf seine Charaktere und seine tiefgründige Story konzentriert, denn ein ausgefeiltes Gameplay zu präsentieren. Hauptsächlich untersuchen wir die Umgebungen nach neuen Hinweise, interagieren mit den interessanten Nicht-Spieler-Charakteren oder unserem kleinen Brüderchen und treffen regelmäßig Entscheidungen, die nicht nur kleine, sondern auch viel größere Auswirkungen haben, die im schlimmsten Fall zum Tod von Personen führen kann.

Bedeutungsvolle Entscheidungen

Unsere Entscheidungen in Life is strange 2 sind vor allem moralischer Natur. Dauernd liegt es an uns zu entscheiden, ob wir einen Nicht-Spieler-Charakter angreifen, wenn er uns bedroht oder gar handgreiflich wird. Ebenso haben wir die Wahl, an einer Tankstelle für unseren Einkauf zu bezahlen oder zum Dieb zu werden. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Rassismus und Diskriminierung maßgeblich in die Handlung einfließen und mit einigen Anspielungen auf die Politik von US-Präsident Donald John Trump, seinem Wahlkampfslogan und auch dem Mauerbau an der Grenze zu Mexiko bestückt sind, wiegen solche Entscheidungen nach der einen oder anderen Aussage von verschiedenen Nicht-Spieler-Charakteren deutlich mehr. Während wir in Life in strange zu weiten Teilen noch die geniale Möglichkeit hatten, die Zeit zurückzudrehen, ist dies im zweiten Teil nicht mehr möglich. Maxines Fähigkeit zur Zeitreise weicht hier Daniels Möglichkeit, Dinge schweben zu lassen. Die Telekinese kommt zudem nur an bestimmten Punkten in der Handlung zutragen, was einerseits inhaltlich natürlich Sinn ergibt, anderseits aber nicht mehr annähernd so stark zum Experimentieren einlädt wie noch beim Seriendebüt. Schlimm ist das aber nicht, da Life is strange 2 trotzdem eine interessante, intelligente und je nachdem wendungsreiche Geschichte über das Erwachsenwerden erzählt.

Audiovisuelle Begleitung

In puncto Bedienung geht das Spiel kinderleicht von der Hand. Wir bewegen uns flott durch Räume und Natur, selektieren einzelne Gegenstände und erfahren mehr und mehr über die Hintergründe der jeweiligen Umgebung und den Personen, die mit dieser in einer Verbindung stehen. Einzelne Items miteinander zu kombinieren ist aber nicht beziehungsweise nur in sehr seltenen Fällen und dann auch nur ganz rudimentär möglich. Hier bleibt Life is strange 2 wie der erste Teil hinter seinen Möglichkeiten zurück, sodass das Gameplay der Story willen in den Hintergrund rückt. Deutlich zu erkennen ist aber der für die Reihe bekannte Comic-Look, der den einzelnen Figuren versucht, einen möglichst realistischen Anstrich zu geben, aber immer noch frühzeitig eine Grenze zieht. Auch wenn manche Farben eher blass sind, passen sie umso besser zur melancholischen Grundstimmung des Spiels. Obwohl einzelne Texturen, insbesondere in den Naturabschnitten, etwas zu matschig sind, läuft das Spiel dafür auch auf älteren Mittelklasse-Rechnern immer noch flüssig. Hinzu kommen lockere Musikstücke, die genau wie die Grafik die Stimmung der Charaktere ausdrückt und mal Traurigkeit und mal Familienzusammenhalt untermauert. Life is strange 2 bleibt somit ein spannendes Abenteuer, das spieltechnisch mehr hätte bieten können, aber vor allem Fans des ersten Teils begeistert.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Life is strange war ein gelungenes Adventure, das mir mit seinen realitätsnahen Charakteren und der wendungsreichen Geschichte sehr gefallen hat. Damals habe ich mir für die beiden Heldinnen eine zweite Staffel gewünscht, die ich in Life is strange 2 allerdings nicht bekomme. Entwicklerstudio Dontnod Entertainment hat mit Maxines und Chloes Geschichte abgeschlossen und setzt mir anstatt dessen Sean und Daniel vor, die aber ebenfalls ein wendungsreiches Abenteuer erleben. Hier und da fehlt mir zwar die Zeitreise-Möglichkeit, doch so haben meine Entscheidungen gleich doppelt so viel Gewicht, da ich sie nicht rückgängig machen kann. Hier spielt Life is strange 2 auch das wohl beste Merkmal der Reihe aus. Jede getroffene Entscheidung hat einen kleinen bis großen Einfluss auf die Story, die dann in ihrer Umsetzung anders abläuft. Leider haben sich die Entwickler aber nicht die Kritik am Vorgänger zu Herzen genommen. Das Gameplay bleibt im zweiten Teil nach wie vor rudimentär und hat sich nicht weiterentwickelt. Items können in der Regel nicht kombiniert werden und Rätsel sind Mangelware. Unterm Strich ist der zweite Teil etwas schwächer als das Seriendebüt, aber immer noch ein großartiges Adventure, das jedem Fan von spannenden, wendungsreichen und intelligent gestrickten Geschichten zusagen wird.

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Life is strange 2!

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