Review: Ys: Memories of Celceta

Ursprünglich 2012 für die PlayStation Vita veröffentlicht, erschien Ys: Memories of Celceta 2015 auch noch für den PC und 2019 für die PlayStation 4. Europäische Spieler durften wie für die Reihe gewohnt auf den Release warten, der hierzulande Mitte 2020 endlich anstand

In nicht wenigen Rollenspielen der letzten Jahrzehnte leidet der Held zu Beginn seines Abenteuers an Amnesie, so auch in Ys: Memories of Celceta. Protagonist Adol Christin kann sich an nichts mehr erinnern, freut sich aber zumindest darüber, im idyllischen Städtchen Casnan auf Duren zu treffen, der sich als ein alter Bekannter entpuppt. Um seinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen, beschließen die beiden, der amtierenden Regierung von Casnan auszuhelfen. Diese verlangt von uns, die Gebiete im Nordwesten zu kartographieren. Was nach einer notdürftig zusammengeschusterten Geschichte klingt, entwickelt sich immer mehr zu einer packenden Handlung. Nicht ganz unschuldig daran sind die Erinnerungsfetzen, die sich peu à peu wie ein Mosaik zusammensetzen. Obwohl viele dieser Erinnerungen in Ys: Memories of Celceta nicht zum Verständnis der Story wichtig sind, ergeben sie dennoch ein stimmungsvolles Gesamtbild. Hinzu kommen verschiedene Charaktere wie die Jägerin Karna, der Speerkämpfer Ozma oder die Magierin Calilica. Jede Figur hat ihre ganz eigenen Beweggründe, um uns zu unterstützen, zumal sie allesamt Adol Christin irgendwie zu kennen scheinen. Die Geschichte um das untergegangene und titelgebende Königreich Celceta wird von Anfang bis Ende über tiefgründige Dialoge erzählt, bricht nach dem letzten Bosskampf jedoch abrupt ab.

Bekannte Action-Rollenspielmechaniken

Ys: Memories of Celceta spielt sich im Grunde genau wie die meisten anderen Ableger der 1987 gestarteten Action-Rollenspielreihe. Das heißt, dass wir uns in zahlreichen und flotten Echtzeitkämpfen mit tausenden Monstern messen und nebenher auch noch die Umgebung kartographieren. Unterwegs stoßen wir immer mal wieder auf Schatztruhen, in denen nützliche Ausrüstungsgegenstände versteckt sind. Erzadern und Pflanzen werden im Vorbeiflug mit kräftigen Schwerthieben bearbeitet, um genau wie bei den Monstern an Materialien zu gelangen. Mit diesen können wir in der Stadt handeln oder sie in die Verbesserung von Waffen und Rüstungen stecken. Wer darauf keine Lust hat, muss aber nicht verzagen. Die Gegner lassen in der Regel genügend Goldmünzen fallen, mit denen neue Waffen und Rüstungen im Laden zu einem guten Teil auch so eingekauft werden können. Auch das Kartographieren der Karte ist lukrativ. Genauso sieht es mit den Nebenquests in Ys: Memories of Celceta aus, die glücklicherweise nicht im Übermaß, sondern in einer gut dosierten Menge vorhanden sind. Ärgerlich ist hierbei nur, dass es auch dringende Quests gibt, die automatisch abgebrochen werden, sobald wir in der Story zu weit voranschreiten. Das war bereits 2012 ein antiquiertes Konzept und hätte spätestens mit einem Patch oder der PC-Fassung von 2015 behoben werden sollen.

Tolles Spiel mit verschenktem Portierungspotenzial

Dennoch ergeben sämtliche Gameplay-Elemente zusammen einen positiven Synergieeffekt, der sich beim Spielen deutlich bemerkbar macht. Vor allem die schnellen Kämpfe, die nicht durch pures Button Mashing, sondern vor allem durch geschicktes Ausweichen und Kontern gewonnen werden, sorgen für einen kaum bremsbaren Spielfluss. Lediglich die Aufteilung des Kartenmaterials auf eine komplette Übersichts- und eine äußerst rudimentäre Gebietskarte, fällt beim Navigieren auch gegen Ende des Spiels hier und da leicht negativ auf. Unter technischen Gesichtspunkten betrachtet, kann Ys: Memories of Celceta auf der PlayStation 4 nicht mehr gänzlich punkten. Dem einstigen PlayStation-Vita-Spiel ist das Alter vor allem aufgrund der trägen Animationen anzusehen, auch wenn die Grafik wesentlich schärfer wirkt. Ebenso stört es uns, dass das Spiel für die Neuauflage kaum bis gar nicht nachvertont wurde. Hier wurde viel Potenzial verschenkt. So schön und passend die Musik des Weiteren an manchen Stellen auch ist, kann sie an manchen Stellen aufgrund repetitiver Melodien durchaus ermüden. Ys VIII: Lacrimosa of Dana aus dem Jahr 2016 hat beispielsweise deutlich besser gezeigt, was akustisch in der Rollenspielreihe machbar ist. Trotz seiner wenigen Defizite ist Ys: Memories of Celceta immer noch eine sehr gute Gelegenheit, um in das Franchise einzusteigen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Nachdem mich Ys VIII: Lacrimosa of Dana vor ein paar Jahren regelrecht überrascht und mich sehr neugierig auf die Reihe gemacht hat, muss ich leider gestehen, dass mein Erlebnis mit dem Remake vom Super-Nintendo-Spiel Ys IV: Mask of the Sun nach circa 25 Stunden Spielzeit eher etwas ernüchternd ausfällt. Das darf jetzt aber bitte nicht falsch verstanden werden, denn die Kämpfe in Ys: Memories of Celceta laufen flott ab, sind meistens nicht mit purem Button Mashing zu gewinnen und auch das Erkunden der Spielwelt macht sehr viel Spaß. Es fehlt mir jedoch beispielsweise an Optionen für die Artefakte, die eigentlich nur im jeweiligen Dungeon, wo ich sie gefunden habe, gebraucht werden. Außerdem finde ich es schade, dass die technischen Möglichkeiten der PlayStation 4 teilweise nicht genutzt wurden. So sind die Grafiken zwar wesentlich schärfer, manche Texturen und vor allem die Animationen fallen dennoch altbacken aus. Auch mit dem Soundtrack habe ich so meine Probleme, da er für mich an zu vielen Stellen zu repetitiv aus den Lautsprechern trällert. Das mag zwar recht negativ klingen, stört den unglaublich guten Spielfluss meines Erachtens nach aber kaum. Wer noch keine Episode der Ys-Reihe gespielt hat, darf gerne einen Blick riskieren, oder lieber gleich zum wesentlich besseren achten Teil greifen, der auch mehr als dreimal so umfangreich ist.

Vielen Dank an Marvelous Europe für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ys: Memories of Celceta!

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