Review: Genocidal Organ

Science-Fiction-Autor Itō Satoshi verstarb im Jahr 2009 im Alter von gerade einmal 34 Jahren – er hinterließ ein großes Vermächtnis, von dem drei Werke nach seinem Tod in Form der so genannten Project-Itō-Trilogie umgesetzt wurden. Das Schlusslicht bildet Genocidal Organ.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde die Freiheit der Menschen immer mehr beschnitten. Überwachungskameras und Kontrollen entwickelten sich zum Standard der Gesellschaft und wurden von dieser stillschweigend akzeptiert. Als im Jahr 2015 in Sarajevo eine Atombombe gezündet wurde, wurden diese Einschränkungen weiter ausgebaut. Damit erreicht die öffentliche Sicherheit seinen Höhepunkt. Der Terror, der sich gegen wirtschaftlich starke Nationen wie die Vereinigten Staaten von Amerika richtete, macht eine Kehrtwende und betraf nun ärmere Länder. In diesen Staaten stehen seither Bürgerkrieg und auch Völkermord und andere Gräueltaten an der Tagesordnung. So wird dem Zuschauer vermittelt, dass die Handlung von Genocidal Organ regelrecht politische Ausmaße annimmt. Wie das bei Politik so der Fall ist, werden aber nicht gleich alle Informationen an alle Beteiligten vermittelt, wodurch die Protagonisten rund um Captain Clavis Shepherd sich einige Hintergründe selbst erarbeiten müssen. Dadurch bleibt die Geschichte eher undurchschaubar und zugleich auch ein gutes Stück spannender. Erzählt wird die Story hauptsächlich aus der Sicht von Shepherd. Während sie zunächst noch zwischen drei Zeitebenen springt, entwickelt sich nach wenigen Minuten eine stringente Struktur, die chronologisch und gar logisch aufeinander aufbaut.

Agentenfilm und Politthriller

Shepherd soll im Jahr 2022 vor Gericht aussagen, wer der US-Amerikaner John Paul war. Hierbei handelt es sich im Grunde auch um den Dreh- und Angelpunkt von Genocidal Organ, denn der Zuschauer weiß zunächst nur wenig über Paul und will unbedingt mehr über den ehemaligen Gesandten der US-amerikanischen Regierung erfahren. So weiß dieser zunächst nur, dass er seine Frau und Tochter bei der Explosion der Atombombe verloren hat. Überall wo Paul nun auftaucht, entstehen Kriege. Die Erzählung setzt anschließend im Jahr 2020 ein. Hier wird Shepherd mit seiner Gruppe zu einer Moschee im von Krieg gezeichneten Georgien geschickt, wo sich Paul aufhalten soll. Dort angekommen trifft sein Einsatztrupp allerdings nur auf den Anführer einer terroristischen Gruppe, der mit Paul kollaboriert. Auf einmal eskaliert die Situation, sodass Shepherds Kollege den Terroristen erschießt und daraufhin auch noch seinen Vorgesetzten töten will. Aus Notwehr erschießt Shepherd ihn, woraufhin die Mission abgebrochen werden muss. Kurz darauf steht für Shepherd und sein geschrumpftes Team aber schon der nächste Einsatz an, denn angeblich befindet sich Paul mittlerweile in der Tschechischen Republik, genauer gesagt in deren Hauptstadt Prag. Unter dem Decknamen Bishop tritt Shepherd an Pauls Geliebte Lucia Škroupová heran, um ihn endlich zu stellen.

Philosophie des Science-Fiction-Genres

Genocidal Organ fühlt sich anhand dieser Tatsachen wie ein Agentenfilm oder gar wie ein Politthriller an, doch bleiben Science-Fiction-Elemente fester Bestandteil der Struktur des Werks von Regisseur Murase Shūkō. Sprache ist beispielsweise eines der wiederkehrenden Elemente in der facettenreichen Erzählung, die Menschen zu bestimmten Taten zwingt. An einer Stelle wird Sprache sogar anhand von Sklaverei erklärt, wodurch der durch die entstandenen Überwachungsstaaten ständig spürbare Freiheitsgedanke einen sehr wichtigen Stellenwert erreicht. Die erwachsene Erzählung, die vor allem im späteren Verlauf der Handlung eine philosophische Frage nach der anderen aufwirft, sorgt durch und durch für eine düstere Atmosphäre. Nicht ganz unschuldig daran sind auch die ernsten Themen, die sich unter anderem um Mord für einen höheren Zweck drehen. Dadurch, dass die Optik von Genocidal Organ sowohl mit hellen als auch dunklen Szenarien gestaltet ist, passt dies zum undurchsichtigen politischen Bildnis, das erst zum Ende hin mehr und mehr Form annimmt. Hinzu kommt eine fürs Genre passende Akustik. Auch beide Synchronisationen sind gut gelungen. So wird Shepherd in der deutschen Version von Rainer Fritzsche und im japanischen Originalton von Nakamura Yūichi gesprochen. Ärgerlich ist auch beim dritten Film der Project-Itō-Trilogie, dass die Blu-ray-Fassung im Steelbook nur zusammen mit der DVD erworben werden kann.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray- und DVD-Fassung): Genocidal Organ ist anfangs ein eher schwer nachvollziehbarer Film, da dem Zuschauer nicht direkt alle Informationen auf dem Silbertablett serviert werden. Dies ist aber auch zugleich der Reiz eines Politthrillers und Agentenfilms, zu dem sich das Science-Fiction-Werk mit jeder Minute weiterentwickelt. Hinzu kommen zum Ende hin immer mehr philosophische Fragen, die auch bei Mord für ein höheres Ziel nicht zurückschrecken. Hier hat Itō Satoshi mit seinem Roman zwar weitestgehend die Vorarbeit geleistet, das Ergebnis im Anime ist aber dennoch beeindruckend. Die Handlung ist spannend sowie wendungsreich und unterhält bis zum Finale, bei der auch die Action nicht zu kurz kommt. Wer sich für das äußerst wandlungsfähige Genre und die erwachsenen Themen interessiert und abseits typischer Agentenfilme und Politthriller nach äquivalenten Alternativen sucht, kommt bei Genocidal Organ voll und ganz auf seine Kosten!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Genocidal Organ!

Ein Kommentar zu “Review: Genocidal Organ

  1. Puh dass klingt zu kompliziert um sich ein Bild davon zu machen ohne ihn gesehen zu haben. Aber ich mag solche Filme, also steht die ganze Trilogie sowieso auf meiner To-Watch-Liste.

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