Review: Shantae and the Seven Sirens

Zum mittlerweile fünften Mal stürzt sich die Halbdschinn Shantae in ein Abenteuer. Shantae and the Seven Sirens überflügelt bei diesem Unterfangen mit Leichtigkeit den Vorgänger, weist jedoch immer noch die bekannten Schwachstellen der bis dato 18-jährigen Reihe auf.

Im fernen Arena Town, einer kleinen Stadt auf einer kleinen und leicht mediterran angehauchten Insel, findet das große Zusammentreffen der Halbdschinn statt. Die titelgebende Shantae ist schon ganz gespannt darauf, zum ersten Mal in ihrem Leben ihre Artgenossen zu treffen. Warum aus der Zusammenkunft gleich ein so großes Event mit Tamtam für die hiesige Bevölkerung gemacht wird, erfahren weder Shantae noch wir selbst. Das farbenfrohe Action-Adventure von Entwicklerstudio WayForward legt keinen besonderen Wert auf die eigene Erzählung, was Serienfans aber sehr wohl wissen. Auch wenn sich das Spiel stattdessen mehr auf den kindgerechten und selten erwachsenen Humor konzentrieren möchte, fallen die zu kurzen, teils abgehakten und teils dürftig ins Deutsche übersetzten Dialoge erneut negativ auf. Wir wissen zwar stets, was unser nächstes Ziel ist, doch gerade die Gespräche zwischen Shantae, ihren Freunden und ihren Gegenspielern sind im Jahr 2020 einfach zu schwach, zumal die Reihe 18 Jahre Zeit hatte, sich zu entwickeln. Hinzu kommt, dass die Dialoge lediglich rudimentär mit kurzen Kommentaren synchronisiert worden sind. Das schadet der Atmosphäre des Spiels stellenweise enorm, zumal die Entführung der Halbdschinn durch einen zunächst unbekannten Antagonisten und die Rettung durch Shantae durchaus Potenzial hat.

Spaßiger Inselausflug

Wer jetzt denkt, dass Shantae and the Seven Sirens deshalb ein schlechtes Spiel ist, irrt sich aber gewaltig. Auch wenn der Titel mit der mauen Geschichte und dem trockenen Humor uns nicht voll und ganz begeistern kann, macht das Abenteuer in puncto Gameplay einiges richtig. So erkunden wir die Spielwelt mit Shantae aus der zweidimensionalen Seitenperspektive. Wir springen über Abgründe und weichen geschickt angreifenden Feinden aus. Um Gegner zu attackieren, stehen uns mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Unter anderem dürfen wir Shantaes Haar durch die Luft wirbeln, Feuerbälle auf Gegner schleudern oder Zielsuchraketen einsetzen. Shantaes Selbstverteidigungsrepertoire ist durchaus abwechslungsreich, selbiges gilt aber auch für ihre Verwandlungen, die sie im Handlungsverlauf nach und nach erlernt. Unter anderem dürfen wir als Molch an Wänden hochklettern, im sandigen Untergrund als Bohrer Tunnel graben oder als riesige Schildkröte Felsen einschlagen, um neue Wege zu öffnen. Die Verwandlungen sind also wieder einmal nötig, um neue Areale erschließen zu können. Erneut orientiert sich der Spielweltaufbau an Genre-Klassikern wie Super Metroid. Das heißt, dass in Shantae and the Seven Sirens zudem kreuz und quer kleine Verstecke vorhanden sind, in denen wir beispielsweise Objekte zum Erweitern unserer Lebensenergie finden.

Willkommene Ergänzung

Mit der in Sektoren aufgeteilten Welt kann das Spiel auch optisch unterschiedliche Gebiete vorweisen. Sonnige Strände, tropische Dschungel, dunkle Höhlen, eine verschollene Stadt unter der Erde oder ein verstecktes Laboratorium lassen grüßen. Trotzdem ist die eigentliche Level-Architektur eher gleichbleibend. Lediglich Verwandlungen und Bauchtänze bringen hier Abwechslung herein. Letztere lernen wir im Wechsel zu den Verwandlungen und können mit ihnen versteckte Plattformen sichtbar machen oder Steinfiguren zum Leben erwecken. Eine willkommene Ergänzung ist die Einführung von speziellen Monsterkarten, die wir durch das Besiegen von Gegnern oder durch den Tausch mit Goldnuggets erhalten. Haben wir genug von ihnen gesammelt, können wir bis zu drei Spezialfähigkeiten jederzeit aktivieren und deaktivieren. So ist es uns beispielsweise möglich, Items wie ein Magnet einzusammeln oder beim Sturz in einen Abgrund keine Lebensenergie zu verlieren. Das funktioniert genauso wie die restliche Steuerung sehr gut. In visueller Hinsicht erfreuen wir uns am kunterbunten Grafikstil, der mit einem thematisch passenden Soundtrack unterlegt ist. Action-Adventure-Fans dürfen durchaus einen Blick riskieren, auch wenn der von uns für die Serie gewünschte Sprung nach vorne beim immer noch guten Shantae and the Seven Sirens leider ausbleibt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Shantae and the Seven Sirens ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite bietet mir das Action-Adventure genau die Elemente, die ich brauche, um Spaß zu haben. Hitzige Geschicklichkeitseinlagen, leicht verdauliche Rätsel und eine spannende Erkundung der Spielwelt sind auch beim fünften Serienteil vorhanden. Auf der anderen Seite sind die frischen Monsterkarten zum Erlernen von Spezialfähigkeiten die einzige neue Mechanik, die das Gameplay aufbohrt. Das ist mir einfach zu wenig, zumal das Spiel noch genug Baustellen hat. Die Story ist lediglich Mittel zum Zweck und der kindgerechte Humor meist flach. Hinzu kommt, dass die dadurch ohnehin schon genug gestörte Atmosphäre mit einer dürftigen Übersetzung ins Deutsche zu kämpfen hat. Auch wenn das grundlegende Spiel meiner Meinung nach immer noch ein guter Genre-Vertreter ist, schöpfen die Entwickler das Potenzial von Shantae and the Seven Sirens einfach nicht aus. Das sorgt während des Spielens für einen spürbar bitteren Beigeschmack.

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