Review: Miss Kobayashi’s Dragon Maid (Vol. 1)

Im Frühjahr 2017 lief im japanischen Fernsehen die auf einem noch nicht abgeschlossenen Manga basierende Anime-Serie Miss Kobayashi’s Dragon Maid. Drei Jahre später hat der hiesige Publisher Kazé Anime die Comedy im deutschsprachigen Raum veröffentlicht.

Gleich zu Beginn der dreizehnteiligen Anime-Serie Miss Kobayashi’s Dragon Maid stellt die titelgebende Protagonistin Kobayashi klar, dass Drachen die mächtigsten Wesen aller Zeiten seien, die sowohl fliegen als auch Zauber wirken können. Zumindest war sie bis zum heutigen Tag felsenfest davon überzeugt. Am Anfang der ersten Folge steht plötzlich eines dieser Wesen vor ihrer Haustür, entpuppt sich eine Sekunde und eine Verwandlungssequenz später jedoch als Maid. Damit dürfte auch schon die Frage nach dem Titel der Anime-Serie, Miss Kobayashi’s Dragon Maid, beantwortet sein. Beim Drachen beziehungsweise bei der Maid handelt es sich um die übermotivierte Tōru. Nachdem Kobayashi in den Bergen eine Statue gesehen hat und diese aus Jux gefragt hat, ob sie mit ihr nach Hause kommen möchte, hat sie damit unabsichtlich den Stein ins Rollen gebracht. Dadurch wurde Tōru gerettet, die nun als Maid ihre „Schuld“ bei Kobayashi begleichen will. Dieses Unterfangen geht allerdings gehörig schief, denn einerseits scheint Tōru nicht wirklich für die Hausarbeit geeignet und brät dafür sogar ein Stück ihres Schwanzes an. Andererseits fällt Tōru als Drache viel zu schnell auf, weshalb Kobayashi nicht wirklich ihre Flugfähigkeit einsetzen kann. Noch dazu will Kobayashi auch in sexueller Hinsicht nicht von Tōru bedient werden, was ihre Anwesenheit eigentlich überflüssig macht.

Absurditäten am laufenden Band

Miss Kobayashi’s Dragon Maid lässt sich am ehesten dem Comedy-Genre zuordnen. Somit wird so gut wie jede einzelne Szene überdreht dargestellt. Das liegt allen voran am kindlichen respektive unausgereiften Verhalten von Tōru, zumal sie eigentlich ein Drache und keine im Ansatz vermenschlichte Maid ist. In der Welt der Menschen macht sie immerhin ihre ersten Gehversuche und muss sich zunächst zurechtfinden. An einer Stelle erklärt Kobayashi ihrer Drachen-Maid beispielsweise, wie das Internet und Suchmaschinen funktionieren, und an einer anderen Stelle muss Tōru erst einmal lernen, dass sie für den Gasherd keine riesige Flamme entfachen sollte. Im Gegensatz dazu muss Kobayashi das turbulente Geschehen stets unter Kontrolle halten respektive Tōru rügen und ihr erklären, wie sie sich in Japan zu verhalten hat. Warum Tōru jedoch weiß, wie ein Telefon funktioniert, bleibt dem Zuschauer allerdings ein Rätsel. Wirklich schlimm ist das aber nicht, passt dieses Element doch sehr gut zur durchgeknallten Gestaltung der Anime-Serie. Kobayashi’s Dragon Maid verknüpft den humorvollen Anteil in dieser Hinsicht zudem mit Fantasy-Elementen, da am anderen Ende der Telefonleitung niemand geringeres als Fáfnir auf Tōrus Anruf wartet. So wird mehr als einmal auf die nordische Mythologie eingegangen, was den blanken Wahnsinn noch absurder macht.

Abwechslungsreiches Charakterportfolio

Mit der Zeit führt Miss Kobayashi’s Dragon Maid weitere Charaktere ein. Eine dieser Figuren ist die quirlige Kanna Kamui, die aus derselben Welt wie Tōru stammt und sich schon ab der zweiten Episode bei Kobayashi einnistet. Da es in ihrem Zuhause für die drei Mädels zu eng wird, kommt es in der dritten Folge ebenso schnell zu einem Umzug. Ein anderer wichtiger Charakter ist Takiya Makoto, ein Arbeitskollege von Kobayashi. Da er sich mit Kobayashi außerordentlich gut versteht, ist Tōru eifersüchtig und versucht ihn aus der Bahn zu werfen. Takiya bleibt aber selbst bei Tōrus Verwandlung in einen Drachen absolut gelassen. Optisch wirkt die Anime-Serie fast schon wie ein Bilderbuch, bei dem die Charaktere herausstechen. Dieser kunterbunte Stil passt unglaublich gut zum durchgeknallten Geschehen und versprüht von der ersten bis zur letzten Minute einer jeden Episode gute Laune. Auch wenn Tōru hin und wieder vom Ende der Welt spricht und womöglich auch die Macht hätte, dieses wirklich einzuläuten, bleibt der Grundton von Kobayashi’s Dragon Maid aber durchweg gelassen. Das liegt nicht zuletzt an der fröhlichen Musik, die die Atmosphäre zusätzlich aufheizt. Digitales Bonusmaterial liegt in Form von Clean Opening und Ending vor. Laut Kazé Anime liegen der Volume ein 32-seitiges Booklet und vier Artwork bei. Diese Inhalte standen nicht zur Rezension zur Verfügung, doch erfahrungsgemäß ist hier von der gewohnten Qualität des Publishers auszugehen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Miss Kobayashi’s Dragon Maid ist eine sehr humorvolle Anime-Serie, die selbst an verregneten Nachmittagen die Sonne scheinen lässt. Die Idee, ein Wesen aus einer anderen Welt bei sich zuhause aufzunehmen, mag zwar nicht besonders originell sein, funktioniert als Aufhänger aber außerordentlich gut. Zusammen mit den regelrecht absurden Situationen, in denen sich die Hauptfiguren Kobayashi und Tōru wiederfinden, unterhält die seichte Geschichte durchweg. Wer ein Faible für komödiantische Anime-Serien vorweist, nichts gegen ein paar Fantasy-Elemente einzuwenden hat und sich einen ganzen Nachmittag lang berieseln lassen will, kommt um die erste von drei Volumes von Miss Kobayashi’s Dragon Maid definitiv nicht herum.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Miss Kobayashi’s Dragon Maid (Vol. 1)!

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