Review: Ghost ‘n Goblins Resurrection

1985 eroberte Ghost ‘n Goblins aus dem Hause Capcom die japanischen Arcade-Hallen und sorgte mit dem hohen Schwierigkeitsgrad dafür, dass den Spielern das Geld aus der Tasche gezogen wurde. Das Remake Ghost ‘n Goblins Resurrection schlägt in eine ähnliche Kerbe.

Ghost ‘n Goblins Resurrection erzählt wie das Original keine großartige Handlung. Wirklich schlimm ist das nicht, denn die Geschichte um den Ritter Arthur, dessen Schäferstündchen mit einer Prinzessin von einem Dämonenüberfall torpediert wird, reicht uns aus, um auf die Monsterjagd zu gehen und die holde Maid zu retten. Direkt zu Beginn des Spiels haben wir die Wahl zwischen zwei verschiedenen Levels. So können wir uns zwischen dem Friedhof und der Richtstätte entscheiden. Später kommen noch weitere Gebiete wie Höhlen, verschneite und verwüstete Ortschaften hinzu. Sämtliche Areale sind in einem schaurig schönen Design gehalten, beschränken sich aber selten auf das, was sie sein wollen. So verwandelt sich der Friedhof in einen Sumpf und die Richtstätte öffnet sich zu einer weiten Ebene, auf der uns der Wind nur so um die Ohren pfeift. Das ist abwechslungsreich und spannend zugleich, da die Levels grandios gestaltet sind. Manche Teile der von Anfang bis Ende zweidimensionalen Level-Architektur des Action-Spiels mit Jump-’n’-Run-Elementen können zerstört werden, andere Elemente brechen gescriptet weg oder verändern sich wechselhaft. So verkleinern sich beispielsweise überlebenswichtige Plattformen, auf denen wir Halt finden, oder sie wachsen und schrumpfen wie die Äste im Sumpf, die uns nur temporär das Fortbewegen ermöglichen.

Hilfreiche Zauberfeen

Ein wichtiges Merkmal von Ghost ‘n Goblins Resurrection ist das hohe Gegneraufkommen, sodass uns keine Verschnaufpause bleibt. Entsprechend müssen wir uns auch mit Waffen zur Wehr setzen. Diese fallen ähnlich wie die Levels sehr unterschiedlich aus. Während Lanzen in einer geraden nach Linie beim Werfen nach Vorne flitzen, sieht es bei den mit Weihwasser gefüllten Phiolen anders aus. Diese werfen wir in einem Bogen auf die Gegner. Mit dem Hammer hauen wir hingegen im Nahkampf um uns. Schnell lehrt uns das Spiel, dass wir die Funktionsweise der Waffen kennen, denn wenn wir sie erst einmal aufgehoben haben, sind wir an diese gebunden, bis wir eine neue Waffe finden – und das passiert in Ghost ‘n Goblins Resurrection nicht so häufig, wie wir uns das wünschen. Ein Glück, dass wir später mit einer Fähigkeit auch mehr als nur eine Waffe tragen können. Dazu ist es jedoch nötig, die in den Levels versteckten Zauberfeen zu sammeln. Bringen wir diese zum ominösen Feenbaum, können wir dort im Austausch neue Fähigkeiten oder Zaubersprüche erlernen. Fantastisch ist, dass wir jeden erlernten Skill auch wieder verlernen dürfen und so auch noch die Zauberfeen zurückerstattet bekommen. Verskillen ist praktisch unmöglich, zumal wir so auch jeden einzelnen Zauber und jeden Vorteil auch ausgiebig in den einzelnen Levels ausprobieren können.

Zaubersprüche und ihre Möglichkeiten

Zur Auswahl stehen hier Flammenschilde, die vor und hinter uns Gegner versengen. Ebenso ist es möglich, alle kleineren Gegner auf dem Bildschirm in Frösche zu verwandeln oder mit dem Blick der Medusa Feinde zu versteinern. Diese können wir dann wiederum als Sprungbrett zu höheren Plattformen verwenden. Auch versteckte Schatztruhen lassen sich mit einem Zauberspruch teilweise sichtbar machen. Solche positiven Nebeneffekte verfeinern das Gameplay von Ghost ‘n Goblins Resurrection, das es überwiegend auf knifflige Passagen in den Levels und einem Großaufgebot an Gegnern anlegt, wirklich enorm. Allerdings sei hierzu erwähnt, dass die Zaubersprüche in ihrer Struktur aufeinander aufbauen. Es ist also nicht möglich, einfach nur die stärksten Zaubersprüche zu erlernen. Wer darauf gehofft hat, sich mit einem Zauberspruch einfach wiederzubeleben oder sich direkt die Goldrüstung zuzulegen, wird also womöglich enttäuscht. Dies ist aber nicht weiter tragisch, da der Schwierigkeitsgrad von Ghost ‘n Goblins Resurrection ähnlich wie das Arcade-Original, das danach noch auf viele andere Plattformen portiert wurde, sehr, sehr hoch ist und keine Kompromisse macht. Wer also keine Gegnerpositionen auswendig lernen möchte oder Sprünge über Abgründe genau bemessen will, wird keine große Freude an Capcoms neu aufbereiteten Klassiker haben.

Vier Schwierigkeitsgrade

Ghost ‘n Goblins Resurrection ist in mehrere Schwierigkeitsgrade gegliedert. Dieser geht vom Edelmann absteigend über den Ritter und den Junker bis hin zum Knappen. Während das Spiel den Edelmann als höchsten Schwierigkeitsgrad direkt als Standard vorschlägt, ist es aber überhaupt keine Schande, auch mit einem niedrigeren Schwierigkeitsgrad ins Abenteuer einzusteigen. Je geringer dieser ist, desto mehr hält Protagonist Arthur aus. Auf Edelmann stirbt der Held bereits nach zwei Treffern, als Knappe sind es hingegen vier Feindkontakte, die Arthur bis zu seinem Ableben aushält. Wie schon im Original, und im Remake vielleicht noch viel besser, wird uns das auch optisch übermittelt. Ist Arthur bei bester Gesundheit, trägt er noch seine komplette Rüstung. Ist diese weg, entkleidet er sich peu à peu bis er nur noch seine Unterhose anhat. Die Auswahl des Schwierigkeitsgrades ist in unseren Augen eine sehr willkommene Ergänzung zum Original, denn so können wir selbst entscheiden, wie schwer oder wie leicht das Spiel sein soll. From Software und Konsorten können also durchaus noch etwas von Capcom lernen. Dennoch ist Ghost ‘n Goblins Resurrection auch auf dem zweit- und dritthöchsten Schwierigkeitsgrad nicht sonderlich einsteigerfreundlich. Blutige Anfänger sollten unbedingt auf Knappe spielen, da Arthur hier nach dem Ableben wiederbelebt wird.

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Obwohl Ghost ‘n Goblins Resurrection Sitzfleisch und Durchhaltevermögen einfordert, gibt es noch weitere Neuerungen im Remake, die das Erlebnis für Anfänger und Einsteiger lockerer gestalten. So sind die Levels in mehrere Bereiche unterteilt. Sobald wir eine Stelle mit einem Banner erreichen, dient dieses fortan als Kontrollpunkt, an dem wir nach dem Tod der Spielfigur wieder einsteigen können. Das geht auch, wenn wir den Level fürs Erste verlassen und später gestärkt zurückkehren. Sterben wir zu oft, können wir bis zum Ende des Levels auch den Schwierigkeitsgrad senken. Nicht selten ist an den zahlreichen Toden auch in der altertümlichen Steuerung ein Opfer gefunden, denn Sprünge können nicht abgebrochen werden und bei Feindkontakt können wir uns ebenfalls nicht wehren und müssen zuerst den Rückstoß abwarten, bis wir uns wieder bewegen dürfen. Das führt regelmäßig dazu, dass wir in einen Graben zurückgeworfen werden und beim letzten Banner wieder einsteigen müssen. Ebenfalls mit an Bord ist ein Coop-Modus, bei dem ein zweiter Spieler – leider nur lokal – die Rolle eines Geistes übernimmt, der zwar sterben kann, aber stets wiederbelebt wird. Nur wenn Arthur endgültig das Zeitliche segnet, ist auch für den Geist Schluss. Unter grafischen und akustischen Aspekten bietet Ghost ‘n Goblins ein schickes Design. Alles wirkt düster, schaurig und erwachsen inklusive wunderbar neu aufgelegter Musik aus dem Original. Toll!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): In meiner Jugend habe ich erste Bekanntschaft mit dem Franchise gemacht, doch bis heute habe ich keinen Serienteil jemals durchgespielt, so toll ich die Spiele auch finde. Das dürfte sich jedoch mit Ghost ‘n Goblins Resurrection auf kurz oder lang ändern, denn das Spiel bietet genügend Ansatzpunkte, wo der Schwierigkeitsgrad zwar hoch, aber nicht mehr ganz so hoch wie im Original ist. Ich kann die architektonisch abwechslungsreichen Levels in Instanzen abarbeiten, Arthur neue Fähigkeiten beibringen und mit diesen nach Belieben experimentieren. Eine nette Dreingabe ist auch der Coop-Modus, durch den ich das Spiel mit einem Freund gemeinsam und lokal durchspielen kann. Schade, dass es keine Online-Modi gibt. Dafür gefällt mir der aufgemöbelte Artstyle und die sehr schön überarbeiteten Melodien, die das Action-Spiel zu einem wahren Erlebnis machen. Fans des Originals kommen nicht umehr und müssen sich das Remake einfach zulegen. Anfänger oder all jene, die noch keine Berührung mit dem Franchise hatten, sollten sich den Kauf aber zweimal überlegen. Der Schwierigkeitsgrad ist exorbitant hoch und das Gameplay nicht für jeden geeignet. Wer aber einmal zum Kern von Ghost ‘n Goblins Resurrection durchgedrungen ist, wird sehr viel Spaß mit dem Spiel haben – egal wie oft Ritter Arthur bei diesem Unterfangen das Zeitliche segnet!

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ghost ‘n Goblins Resurrection!

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