Review: Tōkyō Ghoul:re (Vol. 6)

Es dauerte nur einen Monat, bis Publisher Kazé Anime nach der Veröffentlichung der fünften Volume von Tōkyō Ghoul:re das sechste Episodenpaket nachreichte. Dieses führt die rätselhafte Handlung fort, bleibt aber auch für langjährige Fans teilweise schwer zu verstehen.

Am Handlungsort von Tōkyō Ghoul:re hat sich in der sechzehnten und damit ersten Episode der sechsten Volume nichts geändert. Nach wie vor finden auf der Insel Ru hitzige Kämpfe zwischen den einzelnen Akteuren statt, die aber peu à peu melancholische Züge annehmen. Leider springt das Geschehen weiterhin zwischen zu vielen Ansichten hin und her und bleibt hierbei auch nicht in derselben Zeitebene. So fällt es vor allem im Tōkyō-Ghoul-Franchise weniger bewanderten Zuschauern schwer, der spannenden Handlung zu folgen. Es sei aber gesagt, dass Kaneki Ken immer noch im Mittelpunkt der Erzählung steht. In der siebzehnten Folge erklärt er, für welchen Grund er kämpft und zeigt dem Zuschauer damit, warum er oder sie die Anime-Serie immer noch verfolgt. Verlustängste sind dabei ein zentrales Thema und bereichern damit die Charakterisierung des Protagonisten. Des Weiteren sei erwähnt, dass Ken die Nachfolge einer bestimmten Figur antritt und damit ein hinterlassenes Machtvakuum füllt. In der achtzehnten Folge steht wiederum die Vergangenheitsbewältigung von Ken an der Tagesordnung, denn in der ersten Season von Tōkyō Ghoul:re war er noch als ein Ermittler unterwegs, um die Ghule in Japans Hauptstadt zu jagen. So bleibt es in der sechsten Volume zu jeder Zeit spannend, auch wenn es zu viele Charaktere gibt, die zu berücksichtigen sind.

Gewohntes Gesamtbild

Unter technischen Gesichtspunkten zeichnet Tōkyō Ghoul:re von Animationsstudio Pierrot grundsätzlich das gleiche Bild ab, das Kenner schon in den vorherigen Episodenpaketen, insbesondere in der fünften Ausgabe, kennengelernt haben. So sind die meisten Szenen entweder sehr dunkel oder sehr hell angelegt. Oft alternieren diese Einstellungen auch, um ein konträres Bild darzustellen. Bei den Charaktermodellen ist dies nicht immer der Fall, denn oft sind die farblichen Grenzen fließend. Dies liegt aber nicht zuletzt an der Beleuchtung der jeweiligen Handlungsorte. Während die dazugehörigen Hintergründe im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p durchaus punkten können, fallen die Charaktere aber nicht immer so positiv auf. Das liegt aber nicht nur an den Zeichnungen selbst, denn es wurde nicht nur an Details gespart, sondern auch an den Animationen und Effekten, die wie schon in den vorherigen Volumes von Tōkyō Ghoul:re unter den Erwartungen für eine actionreiche Serie bleiben. Dafür entschädigt die gute Akustik mit angenehmen Stimmen und einem tollen Soundtrack, der stets zum wendungsreichen Geschehen passt. Die beiden auf der Blu-ray Disc enthaltenen Tonspuren liegen im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 vor. Allerdings wirkt die deutsche Tonspur manchmal ein wenig dumpf. Hier punktet das japanische Original.

Dünnes Booklet

Im Gegensatz zur fünften Volume der Anime-Serie, die als digitale Boni noch Clear Opening und Clear Ending enthält, fällt dieses bei der sechsten Ausgabe noch sparsamer aus. Es gibt schlicht keine digitalen Inhalte. Anders sieht das bei den physischen Dreingaben aus, die mit einem Wendecover und einem achtseitigen Booklet allerdings auch sehr dünn ausfallen. Fans der japanischen Leseweise freuen sich beim Heftlein darüber, dass es nach europäischem Verständnis von hinten nach vorne gelesen wird. Auch wenn das Booklet derart strukturiert ist, muss diese Reihenfolge bei Texten, die sich über beide Seiten ziehen, jedoch ignoriert werden. Hier wurde womöglich nicht zu Ende gedacht, fällt aber nicht so stark ins Gewicht, wie es klingt. So werden zunächst die verschiedenen Charaktere vorgestellt, die wichtig für das Verständnis der Handlung in den vorliegenden Folgen von Tōkyō Ghoul:re sind. Wer also nicht mehr alle Hintergründe über die Charaktere weiß, wird hier vielleicht fündig, auch wenn die Informationen nicht gerade zahlreich sind. Gehaltvoller ist da schon das Interview mit Watanabe Toshinori, dem Regisseur der Serie. Wer sich also noch einmal Klarheit über die Zeitebenen verschaffen will und weitere Hintergrundinformationen sammeln möchte, wird hier fündig. Der enthaltene Episodenguide hilft als letztes dabei, Tōkyō Ghoul:re zu entschlüsseln.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): In der mittlerweile sechsten Volume von Tōkyō Ghoul:re wird die Geschichte der zweiten Staffel mit gewohnten Mitteln fortgesetzt. Das heißt, dass zwischen Handlungsorten und Zeitebenen wild gesprungen – und die Story noch dazu mit vielen Charakteren erzählt wird. Selbst beinharte Fans der Anime-Serie dürften das bemängeln, denn leicht zu verstehen oder gar zu durchschauen ist das Werk von Animationsstudio Pierrot nicht. Hier bleibt zu hoffen, dass sich das Blatt in den nächsten und letzten beiden Volumes noch wendet, denn die Gefühle und Emotionen der einzelnen Figuren werden grundsätzlich gut eingefangen. Es mangelt lediglich an der Inszenierung, abseits der meist unterdurchschnittlich technischen Umsetzung. Schade ist ebenfalls, dass bei der sechsten Ausgabe noch weniger wert auf das Bonusmaterial gelegt wurde. Hier wäre deutlich mehr möglich gewesen, vor allem um die komplexe Handlung zumindest ein wenig zu entwirren.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Ghoul:re (Vol. 6)!

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