Review: Capcom Arcade Stadium

Seit einigen Jahren sind nicht nur Videospielsammlungen von alten Konsolenklassikern groß im Kommen, auch Kollektionen von Arcade-Titeln sind aus dem Videospielsektor nicht mehr wegzudenken. Das Capcom Arcade Stadium vermittelt zusätzlich richtiges Spielhallenflair.

Im Grundpaket bietet das zunächst kostenfreie Capcom Arcade Stadium nur das Shoot ’em up 1943: The Battle of Midway aus dem Jahr 1987. Alle anderen Spielen müssen in drei Paketen für je 15 Euro oder einer Gesamtausgabe für 40 Euro nachgekauft werden. Schlimm ist das aber nicht, denn so hat jeder Interessent zunächst die Möglichkeit, die verschiedenen Optionen zur persönlichen Individualisierung des Spielvergnügens auszuprobieren oder sich gezielt für die Arcade-Klassiker zu entscheiden, für die er sich wirklich interessiert. In dieser Hinsicht bietet das Capcom Arcade Stadium deutlich mehr Szenarien als unterschiedliche Genres, was aber für die Entstehungszeit der einzelnen Spiele überhaupt nichts Ungewöhnliches ist. Das eingangs erwähnte 1943: The Battle of Midway ist ein vertikal scrollendes Shoot ‘em up, während Carrier Air Wing aus dem Jahr 1990 das Gameplay in die Horizontale verlagert. In beiden Spielen schießen wir mit einem Flugzeug die Feinde vom Himmel. Ghouls’n Ghosts von 1988 ist hingegen ein Action-Titel, in dem wir mit dem Ritter Arthur Jagd auf Dämonen in äußerst kniffligen Levels machen. Mit dem 1989 erschienenen Dynasty Wars metzeln wir uns zur Zeit der Hàn-Dynastie in bester Beat-’em-up-Manier durch China. Das Fighting Game schlechthin, sprich Street Fighter II: The World Warrior von 1991, ist ebenfalls mit an Bord.

Atmosphärischer Spielhallenflair

Wer sich mit der aufkommenden Zeit der Arcade-Spiele gut auskennt, freut sich im Capcom Arcade Stadium auch darauf, Exoten wie Pirate Ship Higemaru von 1984 wiederzusehen. Genres wie Rennspiele sind in der Kollektion aber gar nicht enthalten, aber neben F-1 Dream von 1988 würden uns da auch keine Beispiele einfallen, mit denen Capcom hätte auftrumpfen können. Trotz allem bietet das Capcom Arcade Stadium eine große Auswahl, die über viele Wochen und Monate hinweg regelrecht dazu auffordert, immer mal wieder hervorgekramt zu werden. Das liegt auch am sehr charmanten Aufbau der Software, denn sobald wir die Applikation starten, landen wir wahrhaftig in einer dreidimensional modellierten Spielhalle, in der alle Automaten der Reihe nach aufgereiht sind. Sie sind in Betrieb, sie fiepen und sie flimmern. Da kommt beim deutschsprachigen Publikum, das so etwas in der Bundesrepublik nie erlebt haben dürfte, jahrelanger Neid hoch, der zumindest in digitaler Hinsicht endlich gestillt werden darf. Um ein Spiel zu starten, wählen wir es einfach aus, werfen eine digitale Münze aus einer nimmerleeren Geldbörse in den jeweiligen Automaten und los geht es auch schon mit der wilden Fahrt. In dieser Hinsicht hat Capcom eine tolle Oberfläche geschaffen, von der sich alle anderen Publisher mit einem ähnlichen Vorhaben unbedingt inspirieren lassen dürfen.

Liebevolle Aufbereitung

Hinzu kommt, dass wir im Capcom Arcade Stadium bei einem Großteil der Spiele auch die Möglichkeit haben, zwischen der nordamerikanischen oder japanischen Version der Spiele zu wechseln. Steht diese Wahl wie bei Pirate Ship Higemaru nicht zur Auswahl, gibt es auch nur die eine Länderversion. Außerdem geben Hinweise auf Ranglisten und Mehrspielermodi an, mit welchen Features die Spiele ausgestattet sind. Starten wir ein Spiel, können wir uns auch in einer vollständig ins Deutsche übersetzten Spielanleitung bei jedem einzelnen Titel zudem alle wichtigen Gameplay-Elemente und die Knopfbelegung bei der Steuerung anschauen. In diesem Punkt ist das Capcom Arcade Stadium wirklich liebevoll aufbereitet. Capcom hat die einzelnen Spiele zudem in einzelne Genres kategorisiert, womit das Suchen eines Spiels bei einer vollständigen Datenbank schneller vonstatten geht. Notfalls können wir einen Titel auch ganz einfach als Favoriten markieren, sodass es fortan in unserer eigenen Liste auftaucht. In diese Videospielsammlung ist wirklich sehr viel Liebe geflossen. Schade finden wir jedoch, dass die einzelnen Spiele ohne Jahresangabe gelistet werden. Auch einzelne Bonusinhalte für die einzelnen Titel wären eine feine Sache gewesen, zumal einige historisch wertvolle Spiele im Capcom Arcade Stadium geradezu danach schreien, mehr über sie erfahren zu wollen.

Vielfältige Spieleinstellungen

Neben der liebevoll aufbereiteten Arcade-Halle gibt es wie für Kollektionen dieser Art gewohnt, auch wieder jede Menge Einstellungsmöglichkeiten, mit denen wir unser ganz eigenes Spielgefühl kreieren dürfen. Beispielsweise können wir auswählen, mit wie vielen Versuchen wir ein Spiel starten wollen, ab wie viel Punkten wir ein Extraleben kassieren oder wie schnell oder wie langsam das Spiel ablaufen darf. Ebenfalls vielfältig sind die Optionen, die die Darstellung des Spiels tangieren. Dazu gehört unter anderem das Aktivieren von Scanlines oder RGB-Pixeln, gemilderte Pixeln und einem simuliert gekrümmten Bildschirm. Ebenfalls ist es möglich, das 4:3-Bild mit verschiedenen Hintergründen auszustatten, über den ganzen Bildbereich des Breitbildfernseher respektive des Nintendo-Switch-Bildschirms zu strecken oder das Geschehen stilecht im dreidimensionalen Automaten ablaufen zu lassen, wobei dadurch der Bildschirmausschnitt logischerweise verkleinert ist. Ebenfalls eine tolle Idee ist die Möglichkeit, die Bildschirmausrichtung um einhundertachtzig oder neunzig Grad nach links oder rechts zu drehen. Besonders durch die letzteren beiden Möglichkeiten dürften gerade die vertikal scrollenden Shoot ’em ups profitieren. So sind wir noch etwas näher am Geschehen, wenn wir unser Fernsehgerät oder die Switch im Handheld-Modus entsprechend ausrichten.

Features über Features

Das Capcom Arcade Stadium bietet aber noch einige Features mehr. Unter anderem ist es möglich, das Geschehen auf Knopfdruck zurückzuspulen oder jederzeit zu speichern und Spielstände zu laden. Das ist besonders dann eine sehr willkommene Geste, wenn die Bahnfahrt mal wieder viel zu schnell vorbei gegangen ist oder sich der Akku der Switch dem Ende zuneigt. So lässt sich das Spiel einfach unterbrechen. Die meisten Spiele enthalten auch einen Mehrspielermodus, bei denen wir kooperativ oder gegeneinander antreten. Manche Titel verfügen auch über einen Tag-Team-Modus, bei dem wir einzeln hintereinander spielen. Hier hat Capcom mitgedacht, denn dieser Modus lässt sich auch nur mit einem einzigen Controller abwechselnd spielen. Leider haben es neben den Ranglisten keine Online-Modi in die Collection geschafft. Diese wären dann tatsächlich das Sahnehäubchen auf dem Kuchen gewesen. Wer sich viel mit dem Capcom Arcade Stadium auseinandersetzt, wird nach und nach bis zu dreißig Triumphe freischalten können. Diese Triumphe fungieren schlicht als ein Achievement-Ersatz und bieten einfache Aufgaben wie das Abschließen eines Spiels, aber teilweise auch unsinnige Herausforderungen wie ein Spiel eintausend (!) Mal spielen. Zu guter Letzt sammeln wir im Capcom Arcade Stadium durchweg Punkte, mit denen wir peu à peu in unserer Klasse aufsteigen und nette Extras wie neue Hintergründe freischalten. Motivierend!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Meiner Meinung nach gehört das außergewöhnliche Capcom Arcade Stadium zu den besten Videospielsammlungen dieser Art. Zum einen bietet es mit über dreißig Spielen in der Gesamtausgabe nicht nur jede Menge Abwechslung, sondern verfügt auch noch über so viele Einstellungsmöglichkeiten, sodass ich mein Spielerlebnis auf der einen Seite optisch und auf der anderen Seite auch inhaltlich individualisieren kann. Hinzu kommt, dass die Oberfläche des Spiels, der es gelingt, eine Arcade-Halle abzulichten, unglaublich charmant inszeniert ist. Da fiept und flimmert es an allen Ecken und Enden! Am Ende muss aber jeder für sich selbst entscheiden, ob einem die enthaltenen Arcade-Spiele wirklich zusagen, zumal diese zum Teil zum Veröffentlichzeitpunkt der Kollektion fast vier Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Klassiker wie Street Fighter II: The World Warrior oder Ghouls’n Ghosts sind absolut spielenswert, Pirate Ship Higemaru ist aber wiederum ein Titel, der wohl nur eine Handvoll Spieler ansprechen dürfte. Wer sich im Bonusbereich aber nur einmal das Nostalgie-Video anschaut, das mit Fotos und Videomaterial aus den 1980er- und 1990er-Jahren ausstaffiert ist, bekommt im wahrsten Sinne des Wortes feuchte Augen. Da wird mir eigentlich so richtig klar, wie viel Arbeit und Liebe in dieser Kollektion wirklich steckt, die meiner Meinung nach kein Fan von Retro-Spielen verpassen darf!

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