Review: Tōkyō Ghoul:re (Vol. 8)

Im August 2020 veröffentlichte der hiesige Publisher Kazé Anime die achte und letzte Volume der Serie Tōkyō Ghoul:re. Die drei Episoden umfassende Volume erzählt die Story zu Ende: Zwar nicht perfekt, aber sehr viel besser als vor dem Ansehen erwartet werden könnte.

Mit der siebten Volume von Tōkyō Ghoul:re wurde die Geschichte auf die Spitze getrieben. In den meisten Fällen ist es grundsätzlich zwar eine schöne Sache, wenn die Handlung endlich Fahrt aufnimmt, doch in Tōkyō Ghoul:re sorgte eine Entscheidung für Kopfzerbrechen. Damit ist die Verwandlung von Kaneki Ken in einen Drachen gemeint, womit die Serie überraschend um einen Kaijū-Anteil bereichert wurde. Was bodenständig begann, ist in der achten Ausgabe fast nicht mehr greifbar. Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch, wie intelligent die 22. und damit erste Folge des achten Episodenpakets den Spagat zum Serienauftakt hinlegt. So unterhält sich Ken in seinen Gedanken mit Kamishiro Rize, die grundsätzlich der Auslöser für die ganze Misere war. Kurz darauf erfährt der Zuschauer, dass sich die Ermittler und die Ghule zusammengeschlossen haben, um Japans bereits in Mitleidenschaft gezogene Hauptstadt vor dem endgültigen Kollaps zu retten. Nicht weniger steht im Mittelpunkt der drei Episoden der achten Volume. Das ist durchaus spannend, was vor allem daran liegt, dass die Serie im Finale endlich auf ein Ende hinarbeitet und daher nicht mehr ganz so kompliziert ist, wie die vorherigen Folgen. Das ist überraschend, da nach den bisherigen Entwicklungen kaum damit zu rechnen war. Fans bekommen so zumindest den wohlverdienten Abschluss.

Gelungen eingefangene Grundstimmung

Inszenatorisch bietet das große Schlusskapitel von Tōkyō Ghoul:re nicht mehr und auch nicht weniger als die vorherigen drei Volumes der zweiten Staffel. Animationsstudio Pierrot legt viel Wert darauf, dass Charaktermodelle und Hintergründe farblich gut zueinander passen. In der 22. Episode ist das vor allem während eines Dialogs zwischen Ken und seinem Beschützer Nagachika Hideyoshi zu erkennen. Während ihre dunkle Kleidung mit den zerstörten Häusern im Hintergrund verschmilzt, passen ihre hellen Haarfarben hervorragend zum hintergründigen Abendrot. Die düstere Grundstimmung ergäbe mit den schicken Licht- und Schatteneffekten in den meisten Fällen ein stimmiges Gesamtbild, wären da nicht die halbgaren Animationen der Charaktere. Hier hat Pierrot am falschen Ende gespart, denn ein actionreicher Anime wie Tōkyō Ghoul:re sollte insbesondere im bildschirmfüllenden 16:9-Format bei einer Auflösung von 1080p deutlich bewegungsreicher sein. Das genaue Gegenteil stellt auch im Schlussakt die Akustik dar, denn diese überzeugt stets mit den genau richtigen Klängen. In prägnanten Szenen wird sogar auf Musik verzichtet, sodass Soundeffekte wie Windgeräusche bei der atmosphärische Begleitung im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 herausstechen. Auch wenn die deutschen Stimmen zu den Figuren passen, wirkt das Japanische authentischer.

Letztmalig dünnes Bonusmaterial

Nach den letzten beiden Veröffentlichungen der Anime-Serie ist es nicht verwunderlich, dass Kazé Anime auch bei der achten und damit letzten Ausgabe von Tōkyō Ghoul:re auf digitale Boni verzichtet hat. Das ist sehr schade, denn ein Einblick in die Gestaltung der Serie hätten dem Zuschauer vielleicht ein paar Fragen beantwortet, denn besonders die zweite Season von Tōkyō Ghoul:re fühlte sich nur suboptimal umgesetzt an. Stattdessen muss der Käufer mit einem erneut nur achtseitigen Booklet Vorlieb nehmen. Dieses bietet den exakt gleichen Aufbau wie die Heftchen der vorherigen Volumes. Geblättert wird also – nach fernöstlicher Leseweise – von hinten nach vorne. Zuerst erhält der Leser einen Einblick in die Gestaltung der Charaktere, was sie ausmacht und wie sie zu den unterschiedlichen Organisationen in Tōkyō Ghoul:re stehen. Darauf folgt traditionsgemäß ein Interview mit Regisseur Watanabe Toshinori, in dem weitere interessante Hinweise zur Darstellung diverser Sachverhalte fallengelassen werden. Zu guter Letzt gibt es noch einen Episodenguide, in dem die Inhalte der letzten drei Episoden kurz und bündig zusammengefasst sind. Auch wenn die Serie zum Ende hin ein wenig besser verständlich ist als die vorherigen neun Folgen der zweiten Season, fällt das Booklet dennoch etwas dürftig aus und hinterlässt so einen leicht bitteren Nachgeschmack.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Tōkyō Ghoul:re ist und bleibt eine Serie mit vielen Stärken und Schwächen. Das wird dem Zuschauer im Finale besonders deutlich. So überzeugen vor allem die Charaktere mit ihren Hintergründen, die für den Zuschauer nicht zuletzt durch Flashbacks greifbar sind. Hinzu kommt, dass die komplizierte Geschichte in den letzten Folgen wesentlich besser zu verdauen ist – wie es schon in der ursprünglichen Serie der Fall war. Leider ändert das nichts daran, dass sich der Zuschauer bis zu diesem Punkt erst einmal durchkämpfen muss. Noch dazu sind es die wenig animierten Bewegungen der Charaktere und die manchmal schwachen Effekte, die aus der düsteren Atmosphäre oft genug herausreißen. Auch das Bonusmaterial hätte deutlich mehr bieten sollen, denn so kann sich der Zuschauer außerhalb der Serie kaum mit dieser beschäftigen, um wiederum mehr Lust aufs Weitersehen zu bekommen. Nichtsdestotrotz bleibt Tōkyō Ghoul:re ein guter, wenn auch nicht der beste Abschluss des Franchises, den sich Fans womöglich gewünscht haben.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Ghoul:re (Vol. 8)!

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