Review: Tōkyō Ghoul S

Im Oktober 2018 veröffentlichte Kazé Anime die erste Realverfilmung von Tōkyō Ghoul. Fast genau zwei Jahre später reichte der Publisher im September 2020 den zweiten Teil, Tōkyō Ghoul S, nach. Wie schon der Vorgänger kann auch Tōkyō Ghoul mit seinen Facetten punkten.

Handlungstechnisch knüpft Tōkyō Ghoul S lose an die Geschehnisse des ersten Films an. Protagonist Kaneki Ken muss sich immer noch als Ghul in der Gesellschaft zurechtfinden und verstehen lernen, dass sich Ghule von Menschen ernähren, um zu überleben. Die meiste Zeit verbringt er im Café Anteiku. Dort trifft Ken eines Tages auf den ominösen Tsukiyama Shū, den Kens Freundin Kirishima Tōka sogar als den „gefährlichsten Ghul des 20. Bezirks“ in Tōkyō bezeichnet. Die Treffen zwischen den beiden häufen sich, sie freunden sich miteinander an. In Wahrheit schmeichelt sich Shū nur bei Ken ein, um ihn zu verführen und in eine Falle zu locken. Shū lädt ihn in ein Feinschmeckerlokal ein. Was zunächst nach einem gemütlichen Abend klingt, entwickelt sich für Ken von einer Sekunde auf die andere zum blanken Horror. Anstatt gemeinsam mit Shū zu speisen, wird er auf einmal von dessen Handlangern gepackt und kurz darauf auf einen Tisch gebunden. Da Ken wegen seines Hintergrunds ein Ghul ist, der nach Mensch riecht, ist er für die anwesenden Ghule eine regelrechte Delikatesse. Ob und wie Ken aus dieser Situation entkommen kann, soll an dieser Stelle erst einmal nicht weiter von Belang sein. Fest steht, dass sich die Handlung von Tōkyō Ghoul S weitgehend an Anime und Manga orientiert und dem Zuschauer damit ein schaurig-schönes Erlebnis liefert.

Umsetzung nah am Original

Regisseur Hagiwara Kentarō, der noch für den Dreh des ersten Films verantwortlich war, hat seinen Posten geräumt und ihn Kawasaki Takuya und Hiramaki Kazuhiko überlassen. Den beiden kreativen Köpfen ist die Umsetzung der Manga- und Anime-Vorlage aber ebenfalls geglückt, auch wenn natürlich nicht sämtliche Details im 101 Minuten umfassenden Werk Platz gefunden haben. Insbesondere der Spannungsbogen von Tōkyō Ghoul S, der sich nach und nach aufbaut, reißt den Zuschauer förmlich mit – und das sogar selbst dann, wenn er oder sie die Handlung bereits kennen und eigentlich keine großen Überraschungen erwarten dürften. Selbiges gilt auch für die Darsteller des Films, denn überwiegend wurde bei Tōkyō Ghoul S auf dieselben Schauspieler zurückgegriffen wie beim ersten Film aus dem Jahr 2017. In wichtigen Ausnahmefällen gibt es aber Unterscheide. Tōka wird im zweiten Teil beispielsweise von Yamamoto Maika und nicht mehr von Shimizu Fumika verkörpert, da sich letztere aus der Filmbranche inzwischen zurückgezogen hat. Kubota Masataka, der erneut die Rolle von Ken übernimmt, liefert im zweiten Teil der Reihe eine großartige Leistung ab. Wie im Anime stellt er ihn ruhig, zurückhaltend und naiv, dar. Leider gelingt Matsuda Shōta, der in Tōkyō Ghoul S den Antagonisten verkörpert, das nicht ganz so gut wie seinem Kollegen.

Sehenswerter Film für Fans der Vorlage

Bildtechnisch überzeugt der Film mit einem kristallklaren Bild, das weitgehend auf unnötige Spezialeffekte verzichtet. Diese zeigen leider auch nicht ganz, was bei Tōkyō Ghoul S möglich gewesen wäre. Stattdessen spielt der Film mit makaberen Kameratechniken. So reißt Shū einem seiner Opfer beispielsweise die Augen aus, die nächste Einstellung wird dann aus Sicht der Augen dargestellt. Splatter-Effekte gehören ebenfalls zur Inszenierung. So wirft Shū einen seiner Handlanger in einen Ventilator, der daraufhin in seine Einzelteile zerlegt wird. Bei der Kameraführung wäre jedoch wesentlich mehr möglich gewesen, denn diese ist meistens sehr unruhig. Akustisch punktet Tōkyō Ghoul S mit der passenden Musik, die die einzelnen Szenen mit einem bedrohlichen Unterton unterlegen. Die deutsche Synchronisation des Films geht in Ordnung, wesentlich atmosphärischer und vor allem authentischer ist allerdings der japanische Originalton. Als physischer Bonus liegt der Blu-ray-Fassung ein gefaltetes Poster bei, das das Filmcover zeigt. Ebenfalls bietet die normale Ausführung ein Wendecover, das ohne FSK-Logo auskommt. Digitale Boni fehlen bei Tōkyō Ghoul S vollständig. Wer gehofft hat, durch Interviews oder ähnliches Einblicke in die Produktion zu erhaschen, wird somit leider enttäuscht. Für Fans der Vorlage ist und bleibt der Film aber dennoch sehenswert!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Tōkyō Ghoul S ist genauso wie der erste Teil der Filmreihe anschaulich. Da der Film allerdings in allen Punkten auf seinem Vorgänger aufbaut, kann und darf er nicht als alleinstehendes Werk betrachtet werden. Sehr viel Details können schlicht nicht erschlossen werden, wenn kein Wissen über die vorherige Geschichte vorhanden ist. Handlungstechnisch gibt es dann aber nichts zu bemängeln, da sich der Film genug Zeit nimmt, den Konflikt zwischen Protagonist und Antagonist zu inszenieren. Hinzu kommen viele makabere Details, die in einem Realfilm besser umgesetzt werden können, als es bei Anime und Manga der Fall ist. Tōkyō Ghoul S mag vielleicht nicht die besten Effekte, die gelungensten Kamerafahrten und auch schauspielerisch, insbesondere im Zusammenhang mit der deutschen Synchronisation, nicht immer überzeugen, doch ist der Film von Kawasaki Takuya und Hiramaki Kazuhiko immer noch eine Empfehlung für jeden Fan des Franchises, der von den Ghulen einfach nicht genug bekommen kann.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Ghoul S!

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