Review: Sonic Colours: Ultimate

Im Jahr 2010 erschien Sonic Colours bereits für die Nintendo Wii und den Nintendo DS. Elf Jahre später soll das grafisch überarbeitete Spiel als Sonic Colours: Ultimate dem blauen Igel auch auf der PlayStation 4, der Xbox One, der Nintendo Switch und dem PC eine Bühne bieten.

Was in Sonic Colours passiert, ist gar nicht so genau zu erklären. Die Geschichte wird vor allem über kurze Zwischensequenzen geschildert. So hat Dr. Eggmann einen interstellaren Vergnügungspark mitten im Weltraum eröffnet, den der titelgebende blaue Igel Sonic und sein treuer Freund, der zweischwänzige Fuchs Tails, erkunden wollen. Während des Abenteuers stoßen die beiden auf die Wisps, eine außerirdische Lebensform von einem anderen Stern. Von den Wisps erfahren sie, dass Dr. Eggman ihre Artgenossen als Energiequelle nutzen. Das können wir dem durchgeknallten Wissenschaftler natürlich nicht durchgehen lassen und machen uns auf, die verschiedenen Themenwelten des Vergnügungsparks zu durchsuchen und die Wisps zu retten. Die Handlung ist in Sonic Colours in erster Linie Mittel zum Zweck. Dennoch ist es schade, dass diese nicht besser umgesetzt ist. So sind die Dialoge meistens recht lahm, was jedoch am kindgerechten Humor liegt. Der Titel spricht mit seiner Prämisse auch eher ein jüngeres Publikum an, während das Gameplay auch ältere Semester durchaus zum Schwitzen bringen dürfte. Allerdings kann das vom Sonic Team entwickelte Jump ’n’ Run aus dem Hause Sega auch in dieser Disziplin nicht überzeugen. Hier verpassen Entwickler und Publisher, die Defizite der Wii-Fassung an die Standards des Jahres 2021 anzupassen.

Abwechslungsreiches Jump ’n’ Run mit Makeln

Mit Sonic Colours folgt das Spiel den Spuren der 3D-Sonic-The-Hedgehog-Spiele, die vor dem Jahr 2010 erschienen sind. Diese wurden von den eingefleischten Fans nicht immer positiv aufgenommen. Sonic Colours hat auch in der Ultimate-Version seine Momente, doch das hohe Spieltempo geht leider nicht immer Hand in Hand mit der Level-Architektur. Sehr oft werden wir an bestimmten Stellen gestoppt, um ein Schalterrätsel zu lösen oder um schlicht einen kleinen Umweg zum Ziel zu suchen. Das ist zwar in den 2D-Ursprüngen auf dem Sega Mega Drive nicht anders, fällt dort aber nicht ganz so schlimm auf, da zwischen Tempo und langsamen Bewegungen eine geringere Differenz liegt. Dafür bietet Sonic Colours deutlich mehr Abwechslung. Mit der Hilfe der Wisps können wir Sonic in verschiedene Kreaturen verwandeln. Als Luftikus können wir höhere Plattformen erreichen, als Laserstrahl kreuz und quer durch die Levels schießen, als Bohrer durch den Untergrund im Boden graben und als Torpedo überflutete Bereiche erkunden. Das macht durchaus Spaß, da das Spiel so bis zum Abspann durchweg abwechslungsreich bleibt. Hinzu kommt, dass wir gewisse Bereiche der Levels erst bei einem späteren Besuch freischalten. Das erhöht auf positive Weise den Wiederspielwert, da die Einmalspielzeit mit ungefähr fünf bis sechs Stunden sehr kurz ausfällt.

Problematische Kameraperspektiven

Trotz allem weiß der Funke nicht so ganz auf uns überzuspringen, was neben der teilweise ungünstigen Level-Architektur auch an der Technik des Spiels liegt. Es ist vor allem die oft unpassende Kameraperspektive, die den Spielfluss torpediert. Wenn Sonic zum Beispiel durch Loopings rast, dann wird uns die Kontrolle genommen. Leider fällt es uns nach Verlassen des Loopings schwer, wieder ins Geschehen einzusteigen. Noch schlimmer ist es, wenn wir aus der Verfolgerperspektive in die Seitenperspektive wechseln und wichtige Informationen aus dem Bildbereich verschwinden. Vor allem wenn Gegner auf uns feuern und wir das nicht rechtzeitig kommen sehen, ist das ärgerlich. Auch die Steuerung von Sonic Colours könnte weniger schwammig sein. Nur mit viel Einarbeitungszeit gelingt es uns, die Sprünge des blauen Igels richtig zu timen. Ebenfalls ärgerlich ist, dass Gegner oder Bumper für höhere Sprünge in der Nähe direkt anvisiert werden, wenn wir uns in der Luft befinden. So verwehrt uns das Spiel die eingebaute Möglichkeit des Doppelsprungs. Dem Spiel ist anzumerken, dass es an einer durchgehenden Qualitätssicherung fehlt. Obwohl die recht bunten Levels gefallen, wäre hier ein wenig mehr Abwechslung schön gewesen. Auch der Soundtrack könnte ein wenig mehr Wumms vertragen. Sonic Colours ist somit unterm Strich leider nur durchschnittlich.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Sonic Colours: Ultimate ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite finde ich es super, wie abwechslungsreich die Verwandlungsfähigkeiten des Helden sind und diese die einzelnen Levels auflockern können. Auf der anderen Seite könnten die Levels nicht nur etwas abwechslungsreicher, sondern auch besser designt sein. Zu oft kommt es vor, dass ich an einer Stelle gestoppt werde und die in der Regel herrschende Raserei zum Schneckentempo verkommt. Hierbei fallen dann auch die unpassenden Wechsel der Kameraperspektive und die schwammige Steuerung negativ auf. Obwohl Sonic Colours seine Momente hat, nehmen diese grässlichen Stellen irgendwann Überhand. Vor allem da Spiel schon einmal erschienen ist und diese Defizite auch in der Wii-Version aus dem Jahr 2010 existieren, ist es sehr schade, dass Sega nicht liebevoller mit der erneuten Veröffentlichung umgegangen ist. Wer das Spiel schon besitzt, muss nicht noch einmal zugreifen. Beinharte Sonic-The-Hedgehog-Fans können aber getrost zuschlagen. Alle anderen sehen sich besser nach einer Genre-Alternative um, denn Sonic Colours: Ultimate wird sie wohl eher kaum zufriedenstellen.

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Sonic Colours: Ultimate!

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