Review: Dagashi Kashi (Vol. 2)

Wer im November 2020 im deutschsprachigen Raum bei der Erstveröffentlichung von der ersten Volume der Anime-Serie Dagashi Kashi zugegriffen hat, musste nicht sehr lange auf die Fortsetzung warten. Schon im Dezember 2020 schloss Kazé Anime die erste Staffel ab.

Dagashi Kashi knüpft in der zweiten Volume an die Geschehnisse der ersten Ausgabe der ersten Staffel an. Im Grunde würde es aber ausreichen, die erste Episode der Anime-Serie zu schauen und dann direkt mit der zweiten Volume fortzufahren oder es gleich sein zu lassen. Die Anime-Serie von Animationsstudio Feel ist nämlich alles andere als tiefgründig und verpulvert in puncto Storytelling in jeder einzelnen Episode jede Menge Potenzial. So dreht sich nach wie vor alles um den jugendlichen Shikada Kokonotsu, der mit seinem Vater Yō in der ländlichen Idylle Japans lebt. Yō ist der Besitzer des örtlichen Süßwarenladens und wünscht sich nichts sehnlicher, als dass sein Sohn nach dem Schulabschluss das Geschäft übernimmt. Die leicht hysterische Shidare Hotaru ist hingegen die Tochter eines Süßwarenfabrikanten und schlägt Yō vor, dass er unter der Flagge ihres Familienbetriebs agieren soll. Deshalb sitzt Kokonotsu nach wie vor zwischen den Stühlen, denn eigentlich möchte er viel lieber ein Manga-Zeichner werden. Leider geht Dagashi Kashi auch in der zweiten und letzten Volume der ersten Staffel aus dem Jahr 2016 nicht den nötigen Schritt, etwas an diesem Umstand zu ändern. Soll heißen, dass sich die Handlung der Anime-Serie viel lieber in Nichtigkeiten verliert, anstatt auf ein Ziel hinzuarbeiten. Stattdessen gibt es wieder einmal viele kleinere Geschichten.

Liebevolle, aber ablenkende Geschichten

In der siebten Episode, mit der die zweite Volume beginnt, muss Kokonotsu seinem Vater auf dem abendlichen Sommerfest aushelfen. Es bleibt dabei allerdings genügend Zeit, dass er auch mit seinen Freunden auf dem Fest verschiedene Leckereien kosten möchte. Die Anime-Serie Food Wars! lässt grüßen. Außerdem vertieft sich während des Sommerfests ein wenig die zwischenmenschliche Beziehung von Kokonotsu und seiner Freundin Endō Saya, bringt aber wenig überraschend keine Veränderung. Eine Folge später dreht sich alles um Gruselgeschichten, denn während eines Taifuns müssen sich die Freunde im Laden verbarrikadieren und die Zeit überbrücken. Solche kurzweiligen Handlungsbögen sind zwar durchaus interessant, doch bringen sie die eigentliche Story nicht voran. Es bleibt aber wie in den Episoden der ersten Volume wieder viel Zeit, um auf verschiedene japanische Süßigkeiten einzugehen. Hier versteht sich die Anime-Serie in gewisser Weise als kultureller Botschafter. Hinzu kommt der abgedrehte Humor, der sich peu à peu aus kleinen Sachverhalten aufbaut und dann in eine völlig andere Richtung abdreht. Vor allem wenn Sayas Bruder Tō nach dem Verzehr einer angeblichen Wahrsagersüßigkeit plötzlich am Strand aufschreckt und herausposaunt, dass er gerne den Schlüpfer eines Mädchens sehen will, bleibt einfach kein Auge trocken.

Angenehmes audiovisuelles Gesamtbild

Unter optischen Gesichtspunkten führt Dagashi Kashi in der zweiten Staffelhälfte das recht schöne Gesamtbild des Seriendebüts fort. So gefallen einmal mehr die äußerst detaillierten Charaktermodelle, die sowohl in puncto Gestik und Mimik überzeugen, als auch sehr gut in die verschiedenen Umgebungsgrafiken passen. Lediglich wenn im Hintergrund Panoramen oder ähnliches zu sehen sind, stoßen die Charaktere gelegentlich ein wenig unschön hervor. Das ist aber die absolute Ausnahme. Erneut kann der Soundtrack aus den Federn von Ōsumi Tomotaka und Nobusawa Nobuaki überzeugen, da sie die fast durchgehend heiteren und lustigen Szenen wunderbar unterlegen. In puncto Synchronisation kann die Anime-Serie sowohl bei der japanischen als auch bei der deutschen Tonfassung punkten. Alle Sprecher passen super zu den ihnen zugewiesenen Rollen. Allerdings hat die japanische Synchronisation leicht die Nase vorn. Im Gegensatz zur ersten Volume fällt aber nicht mehr unschön auf, dass die deutschen Stimmen im Gegensatz zur Musik etwas zu leise klingen. Beim Bonusmaterial hat sich leider nichts getan. So gibt es im digitalen Bonusbereich nur das Clean Ending zu sehen. Beim physischen Bonusmaterial liegt erneut nur ein achtseitiges Booklet vor. Da wäre wie schon bei der ersten Volume ein wenig mehr möglich gewesen. Eine verpasste Chance!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die Anime-Serie Dagashi Kashi bleibt sich in der zweiten und leider auch schon letzten Volume der ersten Staffel treu. Es gibt im Grunde keine greifbare Rahmenhandlung. Dem Zuschauer ist zwar bewusst, um welchen Sachverhalt sich die Serie dreht, doch diese tangiert den eigentlichen Punkt im besten Falle nur. Stattdessen driftet die Serie viel zu oft in Nichtigkeiten ab. Dies kommt zwar dem Humor und der Entwicklung der Charaktere sehr zugute, führt die Handlung aber zu keinem Ziel. In meinen Augen ist das sehr schade, da mir die Charaktere und der Humor wirklich Spaß machen. Eine Story, die sich wirklich über verschiedene Episoden hinweg mit diversen Höhen und auch Tiefen entwickelt, hätte die Anime-Serie aus dem Jahr 2016 deutlich aufgewertet. Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass die zweite Staffel aus dem Jahr 2018 dieses Defizit ausgleicht. Wer jedoch eine luftig-lockere Anime-Serie zum Abschalten sucht, kann mit der ersten Staffel von Dagashi Kashi, am besten mit ein paar Süßigkeiten, nichts falsch machen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dagashi Kashi (Vol. 2)!

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