Review: Pokémon: Strahlender Diamant & Leuchtende Perle

2006 wurden mit Pokémon: Diamant- & Perl-Edition die ersten Spiele der vierten Generation der titelgebenden Taschenmonster veröffentlicht. Mehr als fünfzehn Jahre später erhielten die Titel mit Pokémon: Strahlender Diamant & Leuchtende Perle zwei angenehme Remakes.

Wie schon die Originaltitel aus dem Jahr 2006 spielen auch die fast gleichnamigen Remakes in der Shin’ō-Region, die an Japans nördliche Hauptinsel Hokkaidō angelehnt sind. Durch eine Fernsehsendung angestachelt, wollen unser bester Freund und wir am See, der unserem Heimatdorf am nächsten liegt, ein rotes Garados entdecken. Vor Ort stolpern wir über den Koffer von Professor Eibe, der diesen dort vergessen hat. Plötzlich attackieren uns wilde Pokémon. Um uns zu schützen, schnappen wir aus Eibes Koffer eines von drei Pokémon und bestreiten unseren ersten Kampf. Zur Auswahl stehen das Pflanzen-Pokémon Chelast, der feurige Affe Panflam und das pinguinartige Plinfa, das dem Element Wasser zugeordnet werden kann. Kurz darauf treffen wir den Wissenschaftler, der uns die Pokémon freundlicherweise überlässt, sodass wir unser eigenes Abenteuer bestreiten können. Das dritte Pokémon, das wir nicht gewählt haben, erhält im Übrigen Eibes Assistentin Lucia. Entscheiden wir uns für eine weibliche Protagonistin, wird aus der Assistentin Lucia ein Gehilfe namens Lucius. Storytechnisch ziehen wir fortan in die Spielwelt, sammeln dutzende Pokémon, treten in Arenen gegen deren Leiter an und messen uns am Ende mit den Top Vier. Zudem bekämpfen wir das ominöse Team Galaktik, wobei es sich abermals um eine Verbrecherorganisation handelt.

Umfangreiche Rollenspiele

Pokémon: Strahlender Diamant & Leuchtende Perle erzählen keine tiefgreifende Handlung, doch hält uns diese bei Laune. Schade ist, dass lediglich die Inhalte von Pokémon: Diamant- & Perl-Edition enthalten sind. Der Content aus der Platin-Edition, die als dritte Version 2008 nachgereicht wurde, blieb von den Entwicklern unangetastet. Wer darauf gehofft hat, einmal mehr in die Zerrwelt einzutauchen, wird etwas enttäuscht sein. Trotzdem bieten die beiden Editionen einen großen Umfang und das Gameplay wurde ebenso an den richtigen Stellen angefasst. Nach wie vor handelt es sich bei den beiden Editionen, die sich nur im Detail unterscheiden, um typische japanische Rollenspiele. Wir reisen von einem Ort zum anderen und erleben quasi in jeder neuen Stadt eine andere kleine Geschichte. Verlaufen können wir uns dank einer übersichtlichen Karte und einer Angabe im Menü, wo sich das nächste Ziel befindet, aber nie. Um eine Chance gegen die immer stärker werdenden Trainer und Arenaleiter zu haben, suchen wir im hohen Gras, in Höhlen, auf Bergen und in Wäldern nach neuen Pokémon, gegen die wir unsere Monster antreten lassen. Wollen wir unser maximal sechs Kreaturen umfassendes Team vergrößern, dürfen wir wildlebende Wesen auch mit Pokébällen genannten Items einfangen. Gelegentlich dürfen wir mit Nicht-Spieler-Charakteren in den Städten Pokémon auch tauschen. Motiviert sammeln wir so mehrere hundert Taschenmonster.

Typisch japanische Genre-Merkmale

Gegnerische Trainer können verschiedenen Kategorien zugeordnet werden. So trainieren Gören, Angler, Camper, Wanderer und Co bestimmte Typen von Pokémon, weshalb wir in vielen Fällen unser Team auf die neue Situation vorab wunderbar einstellen können. Wichtig in den zahlreichen Kämpfen ist, dass nicht nur jedes Pokémon einen bestimmten Typ wie Käfer, Drache, Psycho oder Eis aufweist. Auch jede einzelne Attacke ist einem Typ zugewiesen. Soll heißen, dass die Stärke, Genauigkeit und Effektivität der jeweiligen Angriffe variiert, wodurch die Kämpfe spannend und zudem taktisch sind. Flug-Pokémon sind zum Beispiel im Vorteil gegenüber Kampf-Pokémon. Diese zertrümmern wiederum Monster des Typs Stein mit Leichtigkeit – und dass Vögel nicht gut auf Steine reagieren, dürfte jedem klar sein. In anderen Belangen unterscheiden sich Pokémon: Strahlender Diamant & Leuchtende Perle ebenfalls nicht von anderen japanischen Rollenspielen. So sammeln unsere Monster in den Kämpfen Erfahrungspunkte, werden mit der Zeit stärker und lernen auf bestimmten Stufen neue Attacken. Die meisten Monster können sich ebenfalls weiterentwickeln, wenn sie ein bestimmtes Level erreichen oder eine besondere Bedingung, wie ein hoher Freundschaftswert, erfüllt sind. In den Remakes macht das in unseren Augen noch mehr Spaß als im Original.

Quality-of-Life-Neuerungen

Letzteres liegt vor allem an den recht gelungenen Neuerungen, die Pokémon: Strahlender Diamant & Leuchtende Perle erfahren haben. Solange ein Pokémon noch nicht bewusstlos ist, erhält es fortan Erfahrungspunkte. Egal ob es aktiv am Kampf teilgenommen hat oder nicht. In früheren Serienteilen war dazu ein Item namens EP-Teiler nötig. Dies entfällt in den beiden Remakes glücklicherweise. Wir begrüßen diesen Schritt, da so unnötige Grind-Sessions auf ein erträgliches Minimum reduziert werden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt entfällt auch der Gang ins Pokémon Center, wenn wir Pokémon wechseln wollen. So können wir die Monster auch unterwegs austauschen, wenn auch nicht heilen. Hinzu kommt, dass wir nicht mehr dazu genötigt werden, bestimmte Plätze in unserem Team zwangsweise mit diversen Pokémon zu belegen, die über bestimmte Fähigkeiten verfügen. Um Grasbüschel zu zerschneiden, Felsen zu zertrümmern, in Flüssen zu schwimmen oder Berghänge hochzukraxeln, ist es in den Remakes lediglich nötig, die Fähigkeit über das designtechnisch eher veraltet wirkende Pokétch genannte Gadget auszuwählen. Dabei ist es egal, ob sich das Pokémon mit der Fähigkeit in unserem Team oder in einer PC-Box befindet, in der alle Pokémon gelagert werden, die nicht Teil unseres Teams sein können. Selbst das Erlernen der Fähigkeit ist vollkommen optional.

Vor- und Nachteile der Spielbarkeit

Ein Manko des Originals ist der Mangel an Feuer-Pokémon. Durch den Untergrund, in dem sich auch Höhlen befinden, in denen wir weitere Monster fangen können, wurde dieser einst negative Umstand entschlackt, wenn auch hier Feuer-Pokémon in unseren Augen noch ein wenig zu kurz kommen. Sicherlich sind diverse Designentscheidungen bei den Remakes nicht sonderlich logisch und es ist verständlich, dass diese nicht jedem Fan schmecken dürften. Zum Beispiel wurde das Kasino durch eine Boutique ersetzt und die Geheimbasis kann nur noch mit Statuen dekoriert werden. Wir sind der Meinung, dass die Spielbarkeit dadurch nicht sonderlich beeinträchtigt wird. Pokémon: Strahlender Diamant & Leuchtende Perle werden durch die meisten Ideen gar zugänglicher. Dennoch hätten Publisher Nintendo und Entwicklerstudio Ilca in den Optionen Regler für diese Überarbeitungen anbieten können, um Puristen, die ein Remake möglichst nahe am Original halten möchten, zufriedenzustellen. Wer sich auf die Neuerungen einmal eingelassen hat, wird sie so schnell nicht mehr missen wollen. Wie im Original lässt sich der Titel über das Steuerkreuz des Pro Controllers respektive über die Richtungstasten der Switch im Handheld-Modus spielen. Kurioserweise fühlt sich diese altgediente Art der Steuerung etwas zu schwammig an. Über den Analog-Stick lässt sich unsere Spielfigur deutlich besser durch Höhlen, Wälder, Berge und Städte manövrieren. Seltsam!

Schwächelnde Präsentation und Atmosphäre

Diskussionswürdig ist der Chibi-Look, zumal die Nutzung des Stils überrascht. Bisher haben sich alle Remakes der Pokémon-Editionen an der Technik der jeweils aktuellen Konsole und dem aktuellen Ableger der Reihe orientiert. Pokémon: Schwert & Schild wurde außer Acht gelassen. Dennoch können wir uns schnell auf den Chibi-Look einlassen, da sich der Aufbau der Welt nahe am Original bewegt. Der Stil weckt zudem nostalgische Erinnerungen. Im Großen und Ganzen geht der Chibi-Look auch in Ordnung. Problematisch ist jedoch das Heranzoomen ans Geschehen. In den Nahaufnahmen fällt auf, dass die Figuren viel zu detailarm gestaltet sind. Die knuffigen Charaktere von Pokémon: Strahlender Diamant & Leuchtende Perle erinnern stark an die MySims aus dem gleichnamigen Spiel von Electronic Arts aus dem Jahr 2007. Auch die Animationen sind zu statisch. Selbiges betrifft die Bewegungsanimationen von verschiedenen, wenn auch nicht von allen Pokémon, die uns hinterherlaufen können. Anders sieht es wiederum in den Kämpfen aus. Hier hat der Chibi-Look ausgedient und alles wirkt glaubhafter und flüssiger. Die Musik des Spiels wurde ebenfalls überarbeitet und unterlegt das Geschehen wunderbar. Für das Remake hätten wir uns jedoch eine optionale Wahl des originalen Soundtracks gewünscht. Eine Synchronisation suchen wir ebenfalls vergeblich. Trotz toller Neuerungen hätte den Editionen eine etwas längere Entwicklungszeit gut getan.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Switch- und DS-Fassung): Meiner Meinung nach sind die beiden Editionen, sprich Pokémon: Strahlender Diamant & Leuchtende Perle, zwei wirklich tolle Remakes geworden. Mit der Geschichte, die mich bis zum Abspann bei Laune hält, können beide Spiele zwar keinen Preis gewinnen, doch motiviert mich diese, immer mehr über die Spielwelt und ihre Mythologie herauszufinden. Für die Remakes hätten sich die Entwickler eine bessere Hintergrundgeschichte für die Protagonisten ausdenken können. Auch mehr Dialoge und weniger Monologe hätten der Story gut getan. Positiv fällt für mich vor allem das Gameplay auf. Grind-Sessions verschwinden durch den Umstand, dass von Beginn an all meine Pokémon Erfahrungspunkte erhalten, fast völlig. Dass nervige Laufwege zum Pokémon-Center teilweise entfallen und meine Taschenmonster bestimmte Attacken nicht mehr erlernen müssen, die außerhalb der Kämpfe zum Einsatz kommen, zeigt mir sehr gut, dass die beiden Editionen spieltechnisch über jeden Zweifel erhaben sind. Ansonsten fühlen sich die beiden Spiele wie klassische japanische Rollenspiele oder schlichtweg wie die Originale an. Lediglich in technischer Hinsicht wäre mehr möglich gewesen. Der Chibi-Look ist zwar knuffig, aber in der Nahansicht fehlt es den Figuren an Details. Manche Animationen wirken zudem angestaubt oder sogar unfertig. Auch dass es keine Synchronisation gibt, lässt mich den Kopf schütteln. Den beiden Editionen hätten ein paar Monate mehr Entwicklungszeit definitiv gut getan. Trotzdem kann ich nicht leugnen, dass ich Spaß mit den beiden Spielen habe. Auf den Quality-of-Life-Neuerungen darf die Reihe min meinen Augen künftig sehr gerne aufbauen!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Pokémon: Strahlender Diamant!

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