Review: Kokoro Connect (Vol. 1)

Populärkulturelle Werke befassen sich gerne mit den Vorstellungen des Körpertausches. So dreht sich auch die Anime-Serie Kokoro Connect um das vermutlich rein fiktive Phänomen. Das ist nicht nur komisch, sondern aufgrund des Mystery-Aspekts auch noch sehr spannend.

Zwischen Januar 2010 und September 2013 erschienen in Japan elf Light Novels zu Kokoro Connect, die ab Oktober 2010 bis zum Schluss und fast schon parallel auch in Manga-Form veröffentlicht wurde. Im Jahr 2012 wurde auf Basis des Mangas auch eine Anime-Umsetzung im japanischen Fernsehen ausgestrahlt. Alle drei Werke erzählen die turbulente Geschichte von fünf Oberschülern der fiktiven Yamaboshi-Oberschule. Bei diesen fünf Persönlichkeiten handelt es sich allesamt um Einzelgänger, die vor Handlungsbeginn eigentlich durch puren Zufall Freunde geworden sind. Yaegashi Taichi ist beispielsweise ein riesiger Wrestling-Fan und Kiriyama Yui mag alles, was schön und niedlich ist. Entsprechend wollten die beiden einem Wrestling- beziehungsweise Modeklub beitreten. An der Yamaboshi-Oberschule, an der jeder Oberschüler einem Klub beitreten muss, gibt es diese Vereinigungen aber nicht. So wurden sie in den Kulturforschungsklub gesteckt. Selbiges betrifft auch Aoki Yoshifumi, der dem Player-Klub beitreten und nachts durch die Straßen ziehen wollte. Nagase Iori war die Auswahl schlicht zu groß, weshalb ihr Klassenlehrer für sie Schicksal spielen musste. Inaba Himeko hat sich wiederum mit dem Vorstand angelegt, weshalb sie im Computerklub keine Aufnahme erhielt. Gemeinsam werden die fünf Freunde mit einem Phänomen konfrontiert.

Multipler und zufälliger Körpertausch

Eines Nachts tauschen Yui und Yoshifumi für kurze Zeit den Körper. Ohne sich zu berühren, mitten in der Nacht, jeder in seinem eigenen Bett und möglicherweise auch in einem Traum. Als sie ihren drei Freunden im Kulturforschungsklub davon erzählen, werden sie zunächst belächelt. Ein paar Augenblicke später wechseln auch noch Taichi und Iori ihre Körper. Sie wissen nicht, wie ihnen geschieht und finden ihren neuen Körper natürlich alles andere als uninteressant. Es dauert nicht lange, da taucht plötzlich ihr Lehrer Gotō Ryūzen in ihrem Klubraum auf. Allerdings hat ein Wesen namens Herzsame die Kontrolle über den Körper von Herrn Gotō übernommen. Von Herzsame erfährt die fünfköpfige Truppe, dass sie in Zukunft zufällig den Körper tauschen werden. Er oder sie findet die Freunde derart interessant und sogar faszinierend, dass er sehen möchte, was passiert, wenn sie den Körper wechseln. Immer dann, wenn er etwas Besonderes über sie erfahren hat oder etwas Spannendes geschehen ist, macht Herzsame den Prozess fürs Erste rückgängig. Sowohl die fünf Freunde Himeko, Iori, Taichi, Yoshifumi und Yui als auch der Zuschauer tappen erst einmal im Dunkeln. Es gilt also herauszufinden, was Herzsame mit dem Körpertausch beabsichtigt. Ob dies in den ersten sechs Episoden von Kokoro Connect beantwortet wird, soll hier nicht verraten werden.

Zwischen Heiterkeit und Melancholie

Grundsätzlich ist das Konzept des Körpertausches ausgelutscht. Auch Anime-Serien wie Yamada-kun & the 7 Witches haben das Phänomen für das Konstrukt der Handlung schon genutzt. Dadurch, dass die Charaktere von Kokoro Connect den Körpertausch allerdings nicht beeinflussen können, gewinnt die Anime-Serie ein wenig Eigenständigkeit zurück. Es macht wirklich Spaß, am Leben der fünf Freunde teilzuhaben und die Höhen und Tiefen zu erleben, die meist auf den Körpertausch zurückzuführen sind. Auch wenn die ersten vier Episoden den Anschein haben, dass es eine sehr seichte Geschichte ist, wendet sich das Blatt in der fünften Folge hin zum perfiden Spiel von Herzsame. Gerade dann, wenn sich der Zuschauer auf den heiteren Humor eingelassen hat, der sich vor allem auf erotische und gar sexuelle Anspielungen verlässt, wird dieser auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und mit traurigen Emotionen und Gefühlen regelrecht überwältigt. In audiovisueller Hinsicht ist es Animationsstudio Silver Link gelungen, sämtliche Szenen auszuschmücken. Farbgebung und Musik gehen Hand in Hand und paralysieren den Zuschauer vor allem in den eher melancholischen Momenten. Als Boni gibt es im digitalen Bereich das Clean Opening und das Clean Ending und in physischer Hinsicht zwei Artcards und ein Booklet obendrauf. Nett, aber auch nicht mehr.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Kokoro Connect ist auf den ersten Blick eine recht unscheinbare Anime-Serie. Schließlich ist das Konzept des Körpertauschs schon durch viel zu viele populärkulturelle Werke ausgelutscht. Dadurch, dass der Körpertausch in Kokoro Connect jedoch zufällig und in verschiedenen Konstellationen geschieht, macht das den zunächst ermüdenden Anschein wieder wett. Auch die illustren Charaktere wirken sehr glaubhaft. Zumindest die fünf Freunde wissen dem Zuschauer mit ihren Sprüchen und ihren Taten ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Anders sieht es bei Herzsame aus, der oder die als Gegenspieler(in) alles andere als sympathisch ist. Trotzdem macht es Spaß, der Story sowohl mit ihren Höhen und ihren Tiefen als auch ihrem Humor und ihrer Melancholie zu folgen. Die ersten sechs Episoden geben einen sehr guten Einblick in das, auf was sich der Zuschauer in den nächsten dreizehn Folgen gefasst machen muss. Definitiv ist der erste Eindruck von Kokoro Connect mehr als gut genug, um sich auf die Fortführung zu freuen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kokoro Connect (Vol. 1)!

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