Review: Wise Man’s Grandchild (Vol. 1)

Im Frühling 2019 lief im japanischen Fernsehen die auf einer Web und Light Novel sowie Manga-Reihe basierende Anime-Serie Wise Man’s Grandchild. Kazé Anime veröffentlichte die erste Volume der dreiteiligen Reihe nur anderthalb Jahre später im November 2020.

Zu Beginn von Wise Man’s Grandchild erfährt der Zuschauer, wie ein nicht näher definierter Büroangestellter nach Feierabend durch eine japanische Großstadt schlendert. Während er so durch die Straßen bummelt, übersieht er eine Ampel und wird von einem Auto erfasst. Im nächsten Moment macht die Anime-Serie von Animationsstudio Silver Link einen Sprung in eine andere Welt. Das Geschehen konzentriert sich plötzlich auf den kleinen Jungen Shin, der nach einem Überfall auf eine Kutsche von Merlin Wolford aufgenommen und zu einem Helden mit magischen Fähigkeiten ausgebildet wird. Shin scheint nicht nur großes Talent im Umgang mit Magie zu haben, er hat auch Erinnerungen an ein früheres Leben auf der Erde und im Land Japan. Spätestens hier wird dem Zuschauer klar, dass es sich bei Wise Man’s Grandchild um ein Werk aus dem Isekai-Genre handelt. Dies führt zu recht interessanten Konflikten, da er seine Magie nicht bündelt und beispielsweise Wasserstoffexplosionen in nächster Nähe zündet. Auch Teleportationen, wie sie aus Rollenspielen bekannt sind, kann Shin problemlos einsetzen. Trotz des Isekai-Genres funktioniert Wise Man’s Grandchild in seiner Grundstruktur also ein wenig anders, was vor allem am überspitzten Humor liegt. Die Serie zertrümmert regelrecht das Verständnis des Zuschauers für Fantasy-Welten. Genial!

Erster Schultag

Neben Shin, der seine Kräfte nicht unter Kontrolle halten kann, überzeugen auch die anderen Charaktere von Wise Man’s Grandchild auf ganzer Linie. Beispielsweise werden Merlin und seine ehemalige Mitstreiterin Melida Bowen vom Adeptennachwuchs in der Hauptstadt wie Popstars gefeiert. Da Shin am besten nicht allzu sehr auffallen soll, heuert er aus diesem Grund an der Akademie in der Hauptstadt an. Dort lernt er seine Mitschüler kennen, mit denen er Freundschaften schließt. Sizilien von Klode ist beispielsweise sehr zurückhaltend und schüchtern, muss jedoch beschützt werden. Maria von Messina kann es wiederum nicht schnell genug gehen, Shins Familie aus der oberen Gesellschaftsschicht am ersten Tag kennenzulernen. Mit von der Partie ist auch August von Earlshide, der Sohn des Königs. Da Shin im Grunde nichts über die Welt weiß und den König bisher immer nur als seinen Onkel angesehen hat, macht das die beiden in gewisser Weise zu Cousins. Auf der Akademie treiben sich jedoch nicht nur nette Menschen herum. Direkt bei der Auswahl der künftigen Adepten legt sich Shin gleich mehrfach mit dem hochnäsigen Schnösel Kurt von Rietsburg an. Dieser ist sofort auf die Stärke und das Talent von Shin eifersüchtig und vergiftet somit von der ersten Minute an die sonst sehr heitere Atmosphäre von Wise Man’s Grandchild.

Funktionierendes Gesamtbild

Gelungen ist auch, dass der Zuschauer zusammen mit dem ungebildeten Shin gleich zu Beginn an die Hand genommen wird. Die Fantasy-Welt wird somit in der Serie als auch direkt für den Zuschauer erklärt. Ein Umstand, den so manches Werk vergisst, wertet Wise Man’s Grandchild sofort auf. Unter optischen Gesichtspunkten überzeugt die Fantasy-Welt mit hübschen Umgebungsgrafiken, Hintergründen und Innenausstattungen der weitgehend jedoch eher spartanisch gehaltenen Räume. Lediglich das Charakterdesign könnte etwas detaillierter sein, doch auch dieses passt zum Gesamtbild, zumal auch die Animationen in gewisser Weise überzeichnet sind. Dargestellt wird die Anime-Serie im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Full-HD-Auflösung. Beim Tonformat bleibt es trotz des Blu-ray-Mediums lediglich bei Dolby Digital 2.0. Dennoch sind sämtliche Effekte, Geräusche und Stimmen klar zu vernehmen. Der japanische Originalton wirkt im direkten Vergleich authentischer, da die Synchronsprecher etwas energischer bei der Sache sind. Allerdings ist auch die deutsche Tonspur zu empfehlen, denn auch hier hauchen die Sprecher ihren Rollen sehr viel Leben ein. Digitale Boni gibt es in Form eines Clean Opening und eines Clean Endings. Physisch erhält der Käufer laut Herstellerangaben ein Poster und ein 20-seitiges Booklet dazu.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Eigentlich bin ich kein großer Fan von Werken aus dem Isekai-Genre. Wise Man’s Grandchild macht von der ersten Minute an klar, dass sich die Anime-Serie von anderen Titeln abheben will. Das liegt vor allem am sorglosen Protagonisten, der nur ein geringes Maß an Allgemeinwissen hat, dafür aber umso mehr Interesse am Einsatz von Magie zeigt, für die er die Inspiration zum Teil aus seinen Erinnerungen an ein frühes Leben zieht. Auch dass die Serie trotz so mancher düsteren Szene dennoch voll von humorvollen Stellen ist, spricht für das Werk aus dem Animationsstudio Silver Link. Auch bild- und tontechnisch weiß die Serie zu überzeugen. Hier und da hätte ich mir aber gewünscht, dass die Charaktere etwas detaillierter wären. So oder so machen die ersten vier Episoden sehr viel Spaß. Wise Man’s Grandchild ist definitiv eine Empfehlung wert, selbst für Menschen, die mit dem Isekai-Genre wenig anfangen können.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Wise Man’s Grandchild (Vol. 1)!

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