Review: Peace Maker Kurogane (Vol. 1)

In den Jahren 2003 bis 2004 flimmerte die Anime-Serie Peace Maker Kurogane über die japanischen Fernsehbildschirme. Fast zwanzig Jahre später erschien die Anime-Serie bei Kazé Anime auf DVD und Blu-ray, aufgeteilt auf zwei Volumes mit jeweils zwölf Episoden.

In Peace Maker Kurogane dreht sich alles um den fünfzehnjährigen Ichimura Tetsunosuke, der sich in der ausgehenden Edo-Zeit der so genannten Shinsengumi anschließen will. Bei der Shinsengumi handelt es sich um eine Gruppe von verschiedenen Samurai, die für das Tokugawa-Shōgunat kämpfen. Ihr Ziel ist die Machterhaltung des Shōgunats gegenüber den ausländischen Kräften. Nach kurzem Hin und Her gelingt es Tetsunosuke, der Shinsengumi beizutreten, in der sich auch sein Bruder Tatsunosuke befindet. Beide Charaktere haben eine tragische Hintergrundgeschichte, aber eigentlich andere Beweggründe, um zur Gruppe zu gehören. Während Tatsunosuke eine pazifistische Grundeinstellung hat und sein Leben in Ruhe und Frieden führen will, setzt sein jüngerer Bruder Tetsunosuke alles daran, den Tod der Eltern durch den ominösen Chōshū-Klan zu rächen. Kaum ist Tetsunosuke der Gruppe beigetreten, muss er aber erfahren, dass er als Mitglied einige Auflagen erfüllen muss. So darf er zum Beispiel kein eigenes Geld verdienen, keinen Prozess anstreben oder keinen eigenen Kampf führen. Besonders letzterer Umstand schiebt ihm einen Riegel vor seinen Plan. Dennoch willigt er ein, doch Schwert und Uniform lassen auf sich warten. Zunächst wird er als Bursche, dem Mädchen für alles, eingestellt und muss seinen Platz in der Shinsengumi erst noch finden.

Erwachsene Handlung mit viel Humor

Erzähltechnisch bleibt Peace Maker Kurogane in der Regel recht ernst, auch wenn bei der Handlung selbstverständlich auch Platz für Humor bleibt. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei der Anime-Serie um eine erwachsene Geschichte, die Werte wie Loyalität in den Fokus der Erzählung stellt. Die historische Darstellung der Shinsengumi wird romantisiert und hat mit den Fakten nur am Rande etwas zu tun, wie zum Beispiel an den bereits erläuterten Auflagen beziehungsweise Regeln zu erkennen ist. Interessant ist zudem, dass historische Persönlichkeiten wie Hijikata Toshizō, der beispielsweise auch in Golden Kamuy auftritt, als Akteure herhalten. Auf diese Art und Weise wird die Nähe zur Realität gesucht, auch wenn Regelverstöße nicht so hart geahndet werden, wie es tatsächlich der Fall gewesen ist. In erster Linie versteht sich Peace Maker Kurogane als Unterhaltungsprodukt. So kommt es in einer Episode beispielsweise zu einem sportlichen Wettkampf unter den Gruppenmitgliedern und in einer anderen Folge streitet sich Tetsunosuke mit der jungen Hana, welches Ziel er bei einem Spiel mit einem Ring auf dem Sommerfest treffen soll. Der Humor der Serie hält sich meistens jedoch arg in Grenzen und ist dann auch nur in der jeweiligen Situation von Bedeutung. So wird die Story von Peace Maker Kurogane nicht in den Hintergrund gedrängt.

Altersbedingte Schwächen

Unter optischen Gesichtspunkten erfüllt die Anime-Serie viele Charakteristika, die zu Beginn der 2000er-Jahre üblich waren. Altersbedingt liegen die zwölf Episoden der ersten Volume von Peace Maker Kurogane nur im 4:3-Format vor. Soll heißen, dass der Zuschauer auf einem Breitbildfernseher links und rechts schwarze Balken in Kauf nehmen muss. Zudem setzt die Anime-Serie auf viel diffuses Licht, wodurch das Geschehen einen verwaschenen Eindruck erhält. Wie in dem im gleichen Zeitraum entstandenen Werk Basilisk: Chronik der Kōga-Ninja werden so Details verschleiert. Der HD-Effekt stellt sich nur bei genauerem Hinsehen ein. Akustisch liegen die Episoden im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 vor. Die Musik passt zum jeweiligen Geschehen und bereichert die Atmosphäre des Settings. Bei der Synchronisation hat die japanische Fassung definitiv die Nase vorn, da bedauerlicherweise nicht alle deutschen Sprecher zu den Figuren passen. Zudem werden einige japanische Begriffe falsch ausgesprochen, was die Atmosphäre ein wenig schmälert. Beim Bonusmaterial erhält der Zuschauer im digitalen Bereich fünf Character Movies, die in jeweils neunzig Sekunden Einblicke in die Figuren geben. Hinzu kommen ein Clean Opening und ein Clean Ending. Als physischer Bonus legt der Publisher laut eigenen Angaben eine Postkarte obendrauf.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Peace Maker Kurogane ist, zumindest in der ersten Serienhälfte, ein angenehmer Zeitvertreib. Die Handlung ist relativ erwachsen geschildert, bietet aber genügend Raum für Humor. Manchmal ist dieser recht übertrieben, passt dann aber zur jeweiligen Situation. Zum Glück tangiert dieser die eigentliche Storyline nur knapp, sodass die Geschichte nicht in den Hintergrund rückt. Schade ist jedoch, dass die Rahmenhandlung zu wenig zur Geltung kommt. Diesen Aspekt muss die zweite Hälfte der Anime-Serie unbedingt ausbessern. Unter technischen Gesichtspunkten mag die Serie halbwegs auf der Höhe der Zeit sein, doch der viel zu starke Einsatz von diffusem Licht war schon Anfang der 2000er-Jahre nicht wirklich schön anzusehen. Wer mit diesen Defiziten leben kann, wird ein bis zwei Nachmittage von Peace Maker Kurogane unterhalten werden.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Peace Maker Kurogane (Vol. 1)!

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