Review: Okinawa Rush

Martial Arts und Ninja sind zwei Elemente, die vor allem aus der ostasiatischen und durch Nachahmer auch aus der US-amerikanischen Filmlandschaft der 1970er- bis 1990er-Jahre nicht wegzudenken waren. Auf diesem Gefühl baut Okinawa Rush in Videospielform auf.

Okinawa Rush spielt in einer von Fantasy geprägten Version der titelgebenden japanischen Inselgruppe. Wir schlüpfen wahlweise in die Rolle von Hiro, Meilin oder Shin. Bei jedem der drei Protagonisten handelt es sich um einen Kampfkünstler, mit dem wir uns durch einige Levels vollgestopft mit gefährlichen Ninja kloppen können. Diese gehören dem ominösen Black-Mantis-Klan an, der den Kampfsportlern ans Leder will. Diese schrecken auch nicht vor Mord zurück, sodass das Trio schon früh in der Story motiviert wird, in den Kampf zu ziehen. Herausragend ist die Story sicherlich nicht und erinnert mehr an typische Filme der 1970er- bis 1990er-Jahre. Der Actiontitel will in dieser Disziplin auch gar nicht um unsere Aufmerksamkeit buhlen, sondern uns stattdessen direkt ins Geschehen werfen. Zur Wahl stehen uns hierzu der Arcade- und der Story-Modus. Grundsätzlich erzählen beide Modi dieselbe Geschichte, doch gibt es im Story-Modus ein paar zusätzliche und zum Teil auch ruhigere Aufgaben zwischen den einzelnen Levels zu erleben. Wir können uns dadurch ein wenig mehr mit den Charakteren identifizieren. Notwendig ist dies aber nicht, da auch im Arcade-Modus alle essentiellen Inhalte auf den Punkt gebracht werden. Viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang schon eher die Frage, wie gut sich Okinawa Rush überhaupt spielt.

Ninja-Klopperei im Wǔxiá-Stil

In puncto Gameplay erinnert das Actionspiel vor allem an Wǔxiá-Filme des Hongkong-Kinos, denn die Kämpfer können auf Knopfdruck wie Jet Li, Jackie Chan oder Donnie Yen meterweit durch die Luft springen. Das sieht besonders dann stilecht aus, wenn wir Schwerter, Nunchaku oder Stäbe in den Händen halten, mit denen wir die Ninja verdreschen können. Okinawa Rush spielt sich durchweg aus der zweidimensionalen Seitenperspektive ab, sodass wir das Geschehen meistens gut überblicken können. Ähnlich wie in besagtem Wǔxiá-Filmgenre bekommen wir es stets mit einer Übermacht an Feinden zu tun, die sich uns in den Weg stellt. Wir schlagen zu, blocken Angriffe ab, klauben herumliegende Waffen auf und setzen im besten Falle gewaltige Spezialmanöver ein. Sind wir im Flow, funktioniert das zumindest teilweise echt gut. Leider ist es schwer, überhaupt erst in diesen Flow zu kommen. Unsere Charaktere halten zu wenige Treffer aus und werden entsprechend schnell ausgeknockt. Dies führt dazu, dass wir häufig zum letzten Kontrollpunkt zurückgesetzt werden, unser gesammeltes Gold verlieren und den letzten Abschnitt noch einmal angehen müssen. Im Arcade-Modus kommt erschwerend ein Timer hinzu, der kontinuierlich abläuft. Fällt der Timer auf Null, verlieren wir einen von wenigen Versuchen. Zum Glück gibt es auch Continues.

16-Bit-Style mit 1980er-Jahre-Vibes

Nicht alleine aufgrund der nicht zu unterschätzenden Gegnerhorden ist Okinawa Rush eine knackige Angelegenheit. Auch die Steuerung entpuppt sich je nach Konfiguration als weiterer Feind. Zwar können wir die Aktionsknöpfe fürs Springen, Angreifen und den Spezialangriff frei belegen, doch spielen sich Hiro, Meilin und Shin viel zu schwammig. So mancher Fan des Genres wird über diesen Fauxpas wohl hinwegsehen können, doch gerade ungeübte Spieler stehen vor einer unschönen und hohen Einstiegshürde. Hier verschenkt Entwicklerstudio Sokaikan zu viel Potenzial. Wer sich also nicht erst einmal an die schwammige Steuerung gewöhnen will, sollte lieber zu Titeln wie Mega Man 11 und Konsorten greifen. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass Okinawa Rush optisch ein Genuss für 16-Bit-Fans ist. Soll heißen, dass die japanische Landschaft schön eingefangen wird und regelrecht verträumt erscheint. Vor allem sind es aber die Animationen, die uns verzaubern. Sie sind richtig flüssig und passen wie die Faust aufs Auge zum Gameplay. Auch der Soundtrack kann auf ganzer Linie überzeugen und lässt vor allem Nostalgiker denken, sie würden ein Super-Nintendo- oder Sega-Mega-Drive-Spiel spielen, das noch dazu mit leichten 1980er-Vibes angereichert wurde. Dem durch die Steuerung arg geschmälerten Spielspaß kommt das definitiv zu gute!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Storytechnisch bietet das Actionspiel Okinawa Rush nicht mehr und auch nicht weniger als Martial-Arts-Filme, die zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren gedreht worden sind. Tiefgründiger will der Titel aber auch nicht sein und konzentriert sich stattdessen deutlich mehr aufs Gameplay. In diesem geht es in erster Linie nur um blutige Schlägereien mit gefährlichen Ninja. Das sieht je nach Flow auch richtig gut aus, da die Animationen flüssig sind und diese das Gameplay überaus stark bereichern. Es ist, zumindest für mich, leider sehr schwierig, in den Flow zu kommen. Das liegt vor allem an der Steuerung. Ich finde es super, dass ich die Aktionen den diversen Buttons meines Pro Controllers zuweisen kann. Allerdings ist die Kontrolle über die drei Charaktere sehr schwammig und teilweise sogar hakelig, sodass es meiner Meinung nach viel zu lange dauert, bis ich mich im Spiel zurechtfinden kann. Wer mit diesem Manko aber zurechtkommt, darf hübsche 16-Bit-Grafiken und einen coolen Soundtrack genießen. Ein größerer Fokus auf eine funktionierende Steuerung wäre mir aber ebenso wichtig gewesen.

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