Review: Ride your Wave

Am 10. Juni 2019 feierte der Film Ride your Wave beim Festival d’Animation Annecy seine Premiere. Ende November 2020 erschien die romantische wie traurige Liebesgeschichte des Fuji Animation Studios dank Publisher Kazé Anime auch im deutschsprachigen Raum.

Im Mittelpunkt des Films steht die 19-jährige Studentin Mukaimizu Hinako, die nach Chiba zieht, um Meeresbiologie zu studieren. Sie liebt das Meer und geht Tag ein, Tag aus surfen. Als bei einem sommerlichen Feuerwerk durch einen fehlgeleiteten Feuerwerkskörper ganz plötzlich ihr Apartmenthaus in Flammen steht, lernt sie durch das Unglück den 21-jährigen Feuerwehrmann Hinageshi Minato kennen. Die beiden verlieben sich und verbringen eine wunderbare Zeit miteinander. Allerdings währt das Liebesglück nicht allzu lang. Durch ein weiteres Unglück werden die beiden voneinander getrennt. Hinako muss lernen, ohne ihren Freund leben zu können. Mit der Zeit findet Hinako einen Weg, um mit Minato sprechen zu können. So können sie ihre Beziehung in gewisser Weise fortführen, was den Schmerz und die Trauer in Hinako aber zunächst verdrängt, anstatt dass sie diese verarbeitet. Ride your Wave setzt in diesem Zusammenhang häufig auf Gegensätze. Dadurch bleibt die Handlung stets spannend, zumal Hinako eigentlich nicht weiß, was sie mit ihrem Leben anstellen will, Minato jedoch einen Plan hat. Schlussendlich findet auch Hinako am Ende des 95-minütigen Films einen Weg, auf ihrer Welle zu reiten und all die ganzen Geschehnisse zu verarbeiten.

Optische Vielfalt in der Bildsprache

Unter optischen Gesichtspunkten kann Ride your Wave weitgehend überzeugen. So gefallen vor allem die schönen Umgebungen des sommerlichen Chiba. Auch all die Szenen, die zu den anderen Jahreszeiten spielen, wissen mit allerhand bunten Farben zu überzeugen. In gewissen Szenen schwenkt die heitere und farbenreiche Stimmung auch um. Dann ist das kontrastreiche Bild meistens düster und wirkt fast schon monochrom. Ride your Wave gelingt es so stets gut, die Atmosphäre verständlich an den Zuschauer zu übermitteln. Im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p können nicht nur die Szenerien, sondern auch die Charaktere punkten. Ihre Modelle wirken erwachsen und haben einen sehr markanten Stil. Sie sind darüber hinaus flüssig animiert, sodass das Geschehen auf dem Bildschirm ständig in Bewegung ist. Ride your Wave bietet daneben viele hübsche Effekte. Unter anderem sind der Lichteinfall durch Sonnenstrahlen, die Transparenz bei Gläsern, aufsteigender Dampf von Herdplatten und Spiegelungen auf Wasseroberflächen passend in den Stil eingearbeitet. Nur hin und wieder fehlen an bestimmten Stellen Spiegelungen oder Schattierungen, was in solchen Szenen jedoch eher negativ auffällt. Quasi so, als ob das Fuji Animation Studio diese Elemente hier vergessen hätte. Über die Bildsprache wird hierbei offenbar nichts vermittelt.

Musikalische Glanzleistung voller Emotionen

Damit sowohl die heiteren als auch traurigen Momente absolut gefühlvoll in den Ohren der Zuschauer erklingen, hat Komponistin Ōshima Michiru einen so wunderbaren Soundtrack kreiert, bei dem jedes Blasinstrument und jeder Klaviertastenanschlag sitzt. Im Tonformat DTS-HD Master Audio 5.1 hört sich das fantastisch an. Auch dass Musik durch den Song „Brand New Story“ für die Protagonisten eine wichtige Bedeutung hat, spielt eine besondere Rolle. Sogar die Zuschauer werden durch das Lied mit der Zeit unterschiedlich berührt. Im Bonusbereich kann Ride your Wave nicht glänzen. Auf dem Datenträger selbst befinden sich lediglich die drei Trailer zu den Anime Ame & Yuki: Die Wolfskinder, Lu over the Wall und Summer Wars. Zumindest die Trailer zu Ride your Wave hätten es auf die Blu-ray Disc als kleines Schmankerl schaffen können. Interviews und dergleichen wären ebenfalls tolle Boni gewesen. Dafür dürfen sich Käufer der physischen Veröffentlichung von Kazé Anime über neun kleine Sticker und ein Poster mit dem Filmcover freuen. Abgesehen vom recht mauen Bonusmaterial kann Ride your Wave aber überzeugen. Die Story ist wirklich bittersüß und bietet mit ihren interessanten Charakteren reichlich Gründe, selbst einen sonnigen Vorabend oder Nachmittag inklusive Sommerstimmung und Meeresidylle schnell vergehen zu lassen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ride your Wave vom Fuji Animation Studio ist ein bittersüßer Film. Er fängt fröhlich an, führt die beiden wichtigen Protagonisten ein und liefert damit die Ausgangslage für die folgenden und traurigen Ereignisse. Getrennt voneinander müssen die beiden Liebenden Hinako und Minato lernen, auf so vielen Ebenen loszulassen. Geschichte und Charaktere sind so gut miteinander verzahnt, dass dies nicht vor der audiovisuellen Gestaltung haltmacht. Bildsprachlich drücken die Szenen vor allem mit Farbgebung und Bewegungen so viele Emotionen aus, was meist nur über den Soundtrack möglich wäre – und auch die gefühlvolle Musik kann bei Ride your Wave überzeugen. Vor allem der für die Story wichtige und wiederkehrende Einsatz des Songs „Brand New Story“ dürfte die Zuschauer emotional in mehrfacher Weise überraschen. Fans von romantischen Anime, die sich definitiv nicht davor scheuen, bei den letzten Szenen vor dem Abspann die eine oder andere Träne wegzudrücken, kommen um Ride your Wave nicht herum.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ride your Wave!

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