Review: Ame & Yuki – Die Wolfskinder

Ame & Yuki - Die Wolfskinder (1)Mamoru Hosoda entwickelt sich zum Kultregisseur für Animes. Im Dreijahrestakt erschienen drei bezaubernde Filme, die allesamt einzigartig sind, unterschiedliche Schwerpunkte legen und den Zuschauer bei jedem Ansehen aufs Neue verzaubern können.

Ame & Yuki - Die Wolfskinder (2)Der letzte dieser Filme ist Ame & Yuki – Die Wolfskinder. Er dreht sich, wie es der Titel des Films schon vermuten lässt, um zwei Wolfskinder und ihre Mutter. Die Geschichte des Films setzt jedoch noch vor der Geburt der beiden Kinder ein. Hana studiert an einer Universität in einer Großstadt. Während der Vorlesungen fällt ihr ein junger Mann auf. Sie verliebt sich in ihn. Es braucht etwas, doch dann entwickelt er auch Gefühle für sie. Das Zögern hat nämlich einen Grund. Er ist ein Wolfsmann – halb Mensch, halb Wolf. Seine Sippe stammt von dem japanischen Wolf ab, der sowohl in der Realität, als auch im Anime als ausgestorben gilt. Seit die Menschen Jagd auf die Wölfe gemacht haben, leben sie jedoch zurückgezogen und mit der Zeit haben sie sich mit den Menschen vermischt. Hana erschreckt nicht beim Anblick seines Äußeren, als er sich ihr als Wolfsmann offenbart. Stattdessen entwickelt sich zwischen den beiden Liebenden eine wunderbare Romanze, aus der im Abstand von einem Jahr zwei kleine Wolfskinder hervorgehen. Erst das Mädchen Yuki, welches an einem verschneiten Tag das Licht der Welt erblickt und dann noch der Junge Ame, der seinen Namen entsprechend einer Regenschauer erhält. Eines Tages kommt der Wolfsmann nicht wieder nach Hause. Hana sucht ihn und muss mit ansehen, wie die Leiche eines Wolfes aus dem Fluss gezogen wird.

Die Mutter zweier Wölfe

Ame & Yuki - Die Wolfskinder (3)Ab dieser Stelle ist klar, welchen Schwerpunkt der Film setzt. Mamoru Hosodas neuer Anime dreht sich in erster Linie um die junge Mutter Hana, die alleine zwei Kinder aufziehen muss. Während diese Thematik altbekannt ist und sicherlich schon in einigen Animes ansatzweise behandelt wurde, legt Hosoda eine Schippe drauf und zeigt, wie schwer es ist, zwei Kinder großzuziehen, die sich bei der erstbesten Gelegenheit in kleine Wölfe verwandeln. Als Wölfe sind die beiden Kinder kaum zu bändigen. Die Wohnung in der Stadt, die sich Hana auch nur wegen dem Ersparten des Wolfmannes noch leisten kann, verkommt durch herumfliegendes Essen und angebissenen Stuhlbeinen. Nachts fangen die Kinder auch mal an zu jaulen, was die Nachbarn natürlich darauf schließen lässt, dass Hana Tiere in ihrer Wohnung hält. Durch weitere Faktoren getrieben, beschließt sie, die Wohnung aufzugeben und mit Ame und Yuki aufs Land zu ziehen. Ein großes Haus, welches glatt aus Hayao Miyazakis Mein Nachbar Totoro stammen könnte, wird ihre neue Heimat. Hana beginnt mit dem Anbau von Gemüse, was jedoch erst gelingt, als sie von ihren Nachbarn in der Gemeinschaft aufgenommen wird. Während sich das Familienleben als relativ einfach erweist, beginnen die Probleme mit dem Heranwachsen der Kinder. Sie besuchen die Schule und durchstreifen die nahen Wälder.

Wichtige Nebenfiguren

Ame & Yuki - Die Wolfskinder (4)Während auf der einen Seite die Mutter der beiden Wolfskinder ausgiebig vorgestellt wird, wird natürlich ebenso Licht auf die beiden Wölfchen geworfen. Beide entwickeln sich sehr unterschiedlich und werden irgendwann vor die Wahl gestellt, ob sie lieber als Mensch oder als Wolf leben möchten. Der Weg dorthin ist jedoch mit vielen Herausforderungen gepflastert und kleine Entscheidungen möchten ebenfalls getroffen werden, die für ihre Entwicklung als Menschen in jungen Jahren für das soziale Zusammenleben unabdingbar sind. Wie es sich für einen Film von Mamoru Hosoda gehört, sind die Nebenfigur nicht unwichtig. Großvater Nirasaki, wie er liebevoll von den Menschen auf dem Land genannt wird, unterrichtet Hana im Anbau von Gemüse. Dabei ist er stets grimmig und spricht stellenweise abwertend. Auch wenn er Hanas Lächeln nicht sehen möchte, hat er einen guten Kern. Trotzdem ist er wichtig für die Handlung, denn nur auf seinen Wunsch hin unterstützen die Menschen auf dem Land Hana. Diese nehmen zuerst nicht an, dass sie das harte Leben auf dem Land durchhält und sie sich wohl bald einen Supermarkt oder eine Karaokebar zurückwünscht. Schlussendlich wäre da noch Sōhei, ein Mitschüler von Yuki. Nach einem Vorfall glaubt er, er würde in Yuki einen Wolf sehen. Was das für ihre Freundschaft bedeutet, verraten wir jetzt aber nicht.

Verzahnte Erzähltechnik

Ame & Yuki - Die Wolfskinder (5)Hosoda und sein Team haben sich bei diesem Anime bewusst dazu entschieden, die Handlung auf dem Land abspielen zu lassen. Hier können sich auch die Nebencharaktere frei entfalten und werden nicht wie in einer Großstadt fast schon zwangsweise entindividualisiert. Zudem ist der Film reich an Metaphern. Das Glühen einer Heizung, ein Wolkengebilde oder einfach nur der prasselnde Regen werden jederzeit passend zur emotionalen Gefühlsebene gezeigt oder eingespielt. Hinzukommend kann man sich über die optische Prämisse des Films nicht beklagen. Die Charaktere sind zwar für einen Hosoda-Film typisch überzeichnet, doch dafür wirken die Hintergründe oftmals so, als ob die Realität nicht schöner sein könnte. Japanische Landschaften können mit ihrer Schönheit eben auch im Anime überzeugen. Akustisch wird der Film ähnlich den Metaphern jederzeit passend unterlegt. Der Titelsong Okaa-san no Uta wirkt zwar sehr melancholisch, möchte aber genau das ausdrücken. Im Bonusmaterial der Blu-ray Disc geht Regisseur Hosoda darauf ein, welche Bewunderung er für jede Mutter in unserer Welt hegt. Mit circa 90 Minuten fällt das Bonusmaterial sehr üppig aus. Zudem ist auch ein Audiokommentar mit Regisseur und Synchronsprechern vorhanden. Ame & Yuki – Die Wolfskinder ist Hosoda nach dreijähriger Pause an allen Stellen absolut gelungen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Sowohl Das Mädchen, das durch die Zeit sprang und Summer Wars haben mir vor vielen Jahren bestens gefallen. Entsprechend ging ich mit sehr hohen Erwartungen an Ame & Yuki – Die Wolfskinder heran. Diese Erwartungen wurden sogar noch einmal übertroffen, denn mit Feingefühl für die Charaktere und deren liebevolle Darstellung im sozialen Zusammenleben machen den Film sehenswert. An der einen oder anderen Stelle denkt man dann auch schon mal an seine eigene Mutter und ob diese ähnliches mit einem durchmachen musste. Da diese Thematik in Animes wie Crayon Shin-chan schon oft genug behandelt wurde, hat sich das Team um Mamoru Hosoda dazu entschieden, die Situation ein wenig zu verschärfen beziehungsweise sehr ungewöhnlich gestaltet. Die Idee geht auf, denn so kommt sowohl die Charakterentwicklung von Mutter Hana zur Geltung, als auch die Identifikation der beiden Kinder mit sich selbst. Die Story gepaart mit hübschen Landschaftsbildern, vielen Metaphern und schöner, teils aber auch melancholischer Musik, ergeben ein bezauberndes Gesamtbild. Als Anime-Fan kommt man um Ame & Yuki – Die Wolfskinder definitiv nicht herum!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Ame & Yuki – Die Wolfskinder!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s