Review: Attack on Titan: Final Season (Vol. 2)

Nachdem Kazé Anime im Februar 2022 die erste Volume des ersten Teils der letzten Staffel von Attack on Titan veröffentlicht hat, folgte drei Monate später im Mai die zweite Ausgabe. Diese konzentriert sich anders wie das vorherige Episodenpaket auf die Hauptcharaktere.

Im Auftakt der vierten Staffel von Attack on Titan setzte die Handlung einige Jahre nach den Geschehnissen der dritten Season ein. Protagonist Eren Jäger gelingt es mit der gesamten Truppe die Hauptstadt des Staates Marley zu überfallen. Nachdem Rebellio wenige Minuten später in Trümmern liegt, ziehen sie sich wieder zurück. Beim Rückzug gelingt es der Eldia Gabi Braun Erens Mitstreiterin Sasha Braus mit einem gezielten Schuss zu töten. Auf dieser Grundlage baut die zweite Volume auf. Es wird überlegt, was mit Gabi und ihrem Komplizen Falco Grice geschieht. Die beiden werden befragt und inhaftiert. Sie wollen ihr Schicksal so nicht hinnehmen und beschließen die Flucht. Über kurz oder lang kommen sie in Kontakt mit Sashas Eltern respektive der Familie Braus. Dadurch wird der Konflikt zwischen den Marley und den Eldia neu entfacht. Sowohl der ewige Sinn nach Rache der verbitterten Marley als auch die angebliche Schuld der verängstigten Eldia werden unter die Lupe genommen. Dies ist aber nur einer von mehreren Handlungssträngen in der zweiten Volume. Attack on Titan macht aus der Gegenwart diverse Sprünge in die Vergangenheit, konzentriert sich hierbei jedoch auf die Akteure der vorherigen drei Staffeln. Die Titanen auf der Insel Paradis sind quasi ausgerottet und es wird überlegt, wie der Kontakt zum Staat Marley künftig aussehen könnte.

Politische Motivationen

Durch diese Rückblicke erhält der Zuschauer einen Einblick darauf, wie es zu den heftigen Ereignissen in der ersten Staffel überhaupt kommen konnte. Marley-Soldaten und selbst in der Armee eingesetzte Eldia werden von den beiden hochrangigen Kommandanten Hanji Zoe und Levi Ackermann in Gewahrsam genommen. Es werden Bündnisse gesponnen, die verheerende Auswirkungen haben werden, über die an dieser Stelle jedoch nichts verraten werden sollen. Storytechnisch wird die Anime-Serie in dieser Volume äußerst politisch. Das ist auch am Schmieden von weiteren Bündnissen mit der Außenwelt zu erkennen. Dies ist durch Intervention des Staates Marley aber kaum möglich. Nur das östliche und an Japan angelehnte Land Hiizuru ist gewillt, sich mit der Insel Paradies zu verbünden. Wirtschaftliche Interessen überwiegen aber auch hier das Interesse, sodass die Diplomatie zwischen den beiden Ländern von Anfang an unter einem schlechten Stern steht. Da hilft es auch nicht viel, dass Erens Freundin Mikasa Ackermann offenbar eine besondere Beziehung zu einer wichtigen Familie des Staates Hiizuru hat. Schlussendlich sind aber sämtliche politischen Ansichten der Akteure von Attack on Titan derart verschieden, sodass es für den Zuschauer schwierig ist, ein klares Bild zu erhaschen. Das kann die Serie bekannterweise sehr gut.

Zwischenmenschliche Grenzen

Am wichtigsten dürfte in diesen Zusammenhängen jedoch die Bedeutung von Eren Jäger sein, denn dies ist wohl der Charakter, der sich am meisten verändert (hat). Damit erreicht das Werk von Animationsstudio Mappa auch auf der zwischenmenschlichen Ebene eine neue Stufe. Vor allem die langjährige Beziehung zu seinen Freunden wie Armin Arlert wird durch seine Veränderung erschwert. Auch welche Rolle Erens Halbbruder Zeke in diesem Konstrukt spielt, wird mehrfach thematisiert. Bis zur 75. und damit letzten Episode dieses Teils der finalen Season bleibt es spannend. Allerdings endet die „Staffel“ unbefriedigend, da das Ende für Fans und Kenner der Manga-Vorlage wenig überraschend sehr offen bleibt. Wie der Krieg zwischen dem Staat Marley und den Eldia auf der Insel Paradis ausgehen oder zumindest weitergehen wird, dürfte der nächste Teil der letzten Staffel zeigen. Neben den acht Folgen der Volume liegt auf dem zweiten Datenträger ein circa 29-minütiger Staff Making Talk bei, in dem die Beteiligten von Animationsstudio Mappa einzelne Szenen der vierten Staffel analysieren. Miniclips komplettieren das digitale Bonusmaterial. Physisch erhält der Käufer vier handliche Sammelkarten und ein 52-seitiges Booklet mit zahlreichen Informationen zu den Charakteren, einem ausführlichen Episodenguide und viele hübsche Artworks dazu.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mit der dritten Staffel hat Attack on Titan so vieles umgestoßen, an das sich Fans des Franchises wohl erst gewöhnen müssen. Der Fakt, dass die Mauern oder das Meer nicht die Grenzen der Welt sind und hinter den Weiten des Ozeans die wahren Feinde lauern, wird in der finalen Staffel ausgiebig thematisiert. Eine Einteilung in Gut und Böse ist in der Anime-Serie aber nicht möglich, weshalb es unglaublich schwierig für den Zuschauer ist, sich ein Bild von richtigen und falschen Entscheidungen zu machen. Daran ändern die Episoden der zweiten Volume des ersten Teils der finalen Staffel nichts. Der Kampf gegen die Titanen war heftig, der Konflikt mit menschlichen Widersachern ist ein ganz anderer und dazu vielschichtiger. Deshalb konzentriert sich dieser Teil der letzten Season auf die unterschiedlichen Charaktere und ihre tiefgreifenden Beweggründe. Auch wenn es hin und wieder Action gibt, fährt diese vor allem in der zweiten Volume deutlich zurück. Unterm Strich fehlt mir beim ersten Part jedoch der erinnerungswürdige Moment. Ich bin mir sicher, dass der nächste Teil des Finales noch einmal eine Schippe drauflegen wird – und den kann ich schon jetzt kaum mehr erwarten!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan: Final Season (Vol. 2)!

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