Review: Shantae

In den 2010er-Jahren avancierte die Shantae-Reihe unter Action-Adventure-Fans zu einer beliebten Alternative zu Metroid und Co. Dabei begann Shantae im Jahr 2002 als Geheimtipp auf dem Game Boy Color. Genau dieser Geheimtipp erschien im April 2021 für die Switch.

Die Geschichte von Shantae ist schnell erzählt. Eines Morgens bemerken die Bewohner der Hafenstadt Scuttle Town eine gehisste Totenkopfflagge am Horizont. Kurz darauf beginnt das Bombardement auf die Stadt und das Umland. Schnell tauchen auch die ersten Piraten an der Küste auf, überfallen die Stadt und stehlen schlussendlich die Dampfmaschine von Onkel Mimic, einem Wissenschaftler. Was die Piraten mit der Dampfmaschine vorhaben, wissen wir an dieser Stelle noch nicht. Trotzdem übernehmen wir nur zu gerne die Rolle der Halbdschinn Shantae, die nun für Recht und Ordnung sorgen muss. Wir machen uns auf, die Risky Boots genannte Anführerin der Piraten und ihre Schergen aufzuhalten. Bis wir den Halunken das Handwerk legen können, erkunden wir zahlreiche Levels, die zuallererst abwechslungsreich wirken. Lebhafte Städte, dunkle Wälder, finstere Höhlen und malerische Berglandschaften wollen von uns unsicher gemacht werden. Überall in der Spielwelt können wir Gegenstände finden, die unsere Fähigkeiten erweitern. Das erinnert stark an die Metroid-Reihe und einige Castlevania-Episoden, da wir nur so neue Gebiete erreichen, die zuvor für uns einfach nicht zugänglich waren. Die wertvollen Objekte werden wiederum von gefährlichen Gegnern im Auge behalten, die uns das Leben mit allen Mitteln der Kunst wahrhaftig schwer machen.

Unfair statt anspruchsvoll

Wir müssen dazu sagen, dass wir das Verhalten der Gegner beziehungsweise der künstlichen Intelligenz nicht wie in Mega Man als fordernd, sondern als unfair bezeichnen müssen. Wir wünschen uns von jedem Spiel eine Herausforderung, aber bei solchen Situationen, die bereits vor den Toren der Hafenstadt ablaufen, überkommt uns das Grauen. Hier springen aus dem Hintergrund ohne Vorwarnung Vogelscheuchen auf den Weg – jedoch selten vor oder hinter uns, sondern oft genug auf uns drauf! Dazu gesellen sich dann auch noch Maulwürfe, die plötzlich und unerwartet aus dem Boden springen. Da wir Gegner nur mit dem Schleudern unserer Haarpracht besiegen können, braucht es zudem einen gewissen Abstand, um die Feinde überhaupt erst zu treffen. Dabei stört gelegentlich auch noch das Leveldesign, denn trotz der schönen Spielabschnitte wissen wir oftmals nicht, wo unsere Reise als nächstes hingehen soll. Shantae geizt an allen Ecken und Enden mit Informationen, doch wem das egal ist, bekommt dafür immerhin eine malerische Kulisse vorgesetzt, die mit passender Musik unterlegt ist. Ohrwürmer eines Super Mario Bros. dürft ihr bei diesem Jump ’n’ Run aber nicht erwarten. Wer die späteren Serienteile jedoch kennt, wird einige Melodien in der ursprünglichen Chiptune-Variante sofort wiedererkennen. Dennoch bleibt dies nur ein schwacher Trost.

Geheimtipp bleibt Geheimtipp

Aufgrund des verhältnismäßig hohen und teils sogar unfairen Schwierigkeitsgrades freuen wir uns darüber, dass wir auf der Switch jederzeit über ein separates Menü drei Spielstände anlegen können. Kommen wir also an einer kniffligen Stelle gar nicht weiter, laden wir flott ein Savegame und probieren es erneut. Spielen wir Shantae auf der Switch, stehen uns im Gegensatz zum Game-Boy-Color-Original oder der Virtual-Console-Variante vom Nintendo 3DS drei verschiedene Filter mit unterschiedlichen Auflösungen zur Verfügung. So können wir das Geschehen originalgetreu, aber eingeschärft erleben – oder wir aktivieren einen LCD-Filter oder verringern das Bild auf das ursprüngliche Seitenverhältnis. Auf der Switch kommt ein zusätzlicher Game-Boy-Advance-Modus hinzu, der jedoch unverständlicherweise farbloser als das kunterbunte Game-Boy-Color-Spiel ausfällt. Immerhin existiert in diesem Modus eine weitere Verwandlung für Shantae. Als Bonus auf der Switch gibt es eine kleine, aber dennoch feine Galerie mit insgesamt sechzehn Artworks. Darunter auch ganze Level-Karten, die aber losgelöst vom eigentlichen Spiel nicht wirklich als Orientierungshilfe geeignet sind. Somit erweist sich Shantaes Debüt weiterhin als Geheimtipp, aber nicht als herausragendes Spiel. Da gab es bei der Erstveröffentlichung wesentlich besser spielbare Titel des Genres.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch- und Virtual-Console-Fassung): Shantae ist und bleibt für mich auch bei der erneuten Veröffentlichung auf der Nintendo Switch ein Geheimtipp, doch ist der Titel kein herausragendes Spiel, wie er in der Retrospektive gerne dargestellt wird. Ich hätte nie gedacht, dass mich das Spiel vom ersten Moment an fast schon im Minutentakt enttäuscht. Unausgereifte Spielsituationen stören den Spielfluss schon genug – da möchte ich wenigstens stringente Anweisungen haben, wo die Reise als nächstes hingeht. Hier drängt mir der Titel die freie Wahl auf, doch wenn nicht einmal eine vage Richtung formuliert wird, wo ich mich als nächstes einzufinden habe, dann bringt mir eine möglichst offene Welt überhaupt nichts. Das nicht immer gelungene Leveldesign und zu umständliche Laufwege, die sich daraus im Endeffekt ergeben, vermindern den Spielspaß stark. Die Krone wird dem durch die unfaire Platzierung der Gegner aufgesetzt. Bereits bei der Erstveröffentlichung im Jahr 2002 gab es wesentlich besser Alternativen. Wer Shantae nicht kennt, sollte zu einer der jüngeren und deutlich besseren Episoden der Reihe greifen. Sollte dennoch Interesse am Seriendebüt bestehen, reicht bei Möglichkeit auch die etwas günstigere Virtual-Console-Fassung auf dem Nintendo 3DS vollkommen aus.

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