Review: Bayonetta

Als Bayonetta im Jahr 2009 erschien, war an unsere Internetpräsenz noch gar nicht zu denken. Da das Spiel zuletzt im Oktober 2022 als physische Switch-Fassung binnen weniger Sekunden in Nintendos hauseigenem Online-Shop ausverkauft war, werfen wir einen Blick zurück.

Es gibt Spiele, die mit einem interessanten Setting oder einer coolen Hauptfigur auf sich aufmerksam machen wollen. Jeder von uns kennt solche Titel, die dann meistens Nischenspiele bleiben. Bayonetta aus dem Jahr 2009 gehört definitiv dazu. So hat sich das Spiel damals auf der PlayStation 3 und der Xbox 360 zwar mehr als eine Millionen mal verkauft, aber der große Durchbruch blieb der titelgebenden Hexe verwehrt. Publisher Sega war das Risiko zu groß und wollte Entwicklerstudio Platinum Games keinen zweiten Teil finanzieren. Sony und Microsoft sträubten sich ebenso dagegen. Ausgerechnet Nintendo hat der Hexe im Jahr 2014 eine zweite und im Oktober 2022 sogar eine dritte Chance gegeben. Das dürfte abseits beinharter Fans sicherlich den einen oder anderen verwundern, so ist das Seriendebüt in unseren Augen ein eher durchschnittliches Spiel. Dies beginnt schon mit der holprig erzählten Handlung. So werden neben der an Gedächtnisverlust leidenden Hexe Bayonetta die Nebenfiguren kaum vernünftig eingeführt. Wir wissen im Grunde nur, dass Bayonetta den Clubbesitzer Rodin ins Diesseits zurückholt und vom Kleinganoven Enzo Hinweise erhält und dieser darüber hinaus Schulden bei Rodin hat. Alle weiteren Entwicklungen, wie dass es Hexenkonkurrentin Jeanne und der ganze Himmel auf uns abgesehen haben, erfahren wir im Verlauf der Story. Erst zum Ende hin löst sich die konfuse Struktur überraschend sehr, sehr angenehm.

Harte bis unfaire Kämpfe

Hauptsächlich kloppen wir uns in Bayonetta mit Engeln aus dem Himmel und in flotten wie actionreichen Kämpfen. Hierzu steht uns eine Vielzahl an Angriffskombinationen zur freien Verfügung. Die Auseinandersetzungen mit der himmlischen Armee sind jedoch alles andere als leicht. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist Bayonetta ein harter und teilweise sogar unfairer Brocken. Das liegt vor allem daran, dass manche Gegner ihre Angriffstechniken miteinander verketten und uns somit auch schon mal die halbe Gesundheitsanzeige leeren können. Außerdem können uns Gegner attackieren, die die Kamera nicht einfängt. Zu allem Übel lässt sich die Kamera auch nur schwerfällig schwenken. Zu häufig brüllen wir Fernseher und Spiel an und wollen nicht selten den Controller gegen die Wand pfeffern. Wer sich auf die erste Episode der Actionreihe einlassen will, muss sehr frustresistent sein und über genügend Sitzfleisch verfügen. Bringt ihr beiden Sachen mit, werdet ihr dafür mit einem unglaublich guten Gegnerdesign belohnt. Von kleinen Engelschergen bis hin zu gigantischen Bossgegnern ist alles dabei, was ihr euch nur wünschen könnt. Besiegte Gegner hinterlassen Heiligenscheine, die ihr in Rodins Club gegen neue Fähigkeiten eintauschen könnt. Dadurch werden die Kämpfe zwar nur bedingt fairer, aber zumindest abwechslungsreicher. So kann sich Bayonetta nicht nur mit Schlägen und Tritten zur Wehr setzen, sondern auch mit Pistolen ballern, die sie in Händen hält und in ihren Stilettos verborgen sind. Ja, Bayonetta ist ganz schön abgedreht!

Kurze, knappe und überschaubare Levels

Das liegt auch an dem teilweise irrwitzigen Leveldesign, in dem wir gelegentlich auch an den Wänden und Decken der Architektur entlanglaufen können oder sogar müssen. Obwohl die einzelnen Areale abwechslungsreich wirken, so fällt auf, dass einige Abschnitte immer und immer wieder in den unterschiedlichen Sphären mit dezenten Abwandlungen wiederverwertet werden. Ein Problem des ersten Serienteils ist darüber hinaus, dass die Areale, in denen die Action stattfindet, recht klein ausfallen. So hetzen wir lediglich von einem Kampf zum anderen, müssen dabei alle paar Schritte eine Zwischensequenz über uns ergehen lassen und wundern uns, dass das Kapitel wieder so kurz war. Die Gebiete laden also so gut wie überhaupt nicht zum Erkunden ein und das Meiste, was nicht niet- und nagelfest ist, schnappen wir uns quasi im Vorbeilaufen. Lediglich die Bonusaufgaben, die in einem instanzierten Level stattfinden, benötigen deutlich mehr Hirnschmalz. Hier erwarten uns knallharte Aufgaben, bei denen wir auf die Gegner nicht einfach nur draufhauen können. Wer Bayonettas Angriffskombinationen nicht beherrscht, wird hier kein Land sehen. Bayonetta kann also durchaus unfair wirken oder sogar sein. Zumindest bei Bayonetta 2 haben die Entwickler bei Platinum Games jedoch aus ihren Fehlern gelernt. Wer unbedingt die ganze Reihe einmal spielen will und die Serie schon beim ersten Teil abbrechen will, dem sei gesagt, dass es echt besser wird!

Lang nicht mehr gesehen und doch wiedererkannt

Optisch ist das Spiel aus dem Jahr 2009 altersbedingt keine Augenweide. Auch Ende der 2000er-Jahre haben wir auf der PlayStation 3 und der Xbox 360 schon hübschere Titel gesehen. So fällt Bayonetta heute wie damals mit Grau- und Brauntönen in den Texturen negativ auf. Zum Glück wertet das Gegnerdesign mit seinem goldenen Glanz die Kulissen halbwegs auf. Egal auf welcher Plattform ihr Bayonetta spielen wollt, müsst ihr darüber hinaus mit der einen oder anderen matschigen Textur leben. Zumindest die Xbox-360-Fassung hat zusätzlich mit Problemen bei der Bildsynchronisation zu kämpfen. Am besten sieht das Spiel in der PC-Fassung aus, weshalb Grafikfetischisten am ehesten zu dieser Version greifen sollten. Abseits der bockigen Kamerasteuerung lässt sich Bayonetta zudem recht gut steuern. Nur das Ausweichen, bei dem im richtigen Moment per Hexenzeit das Geschehen verlangsamt wird, fühlt sich über die analogen Trigger des Xbox-360-Controllers etwas mau an. Spielt ihr den Titel auf der Switch oder der Wii U, dürfte dieses Manko dank digitaler Schultertasten wegfallen. Ansonsten werden aber sämtliche Eingaben wunderbar erkannt und unverzüglich umgesetzt. Besonders beim Lauschen des tollen Soundtracks, der auch eine Coverversion von Frank Sinatras Song „Fly me to the Moon“ enthält, macht die Action gleich doppelt so viel Spaß. Actionfans, die mit den teils herben Defiziten leben können, sollten bei Bayonetta zuschlagen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Im Jahr 2009 wollte ich mir Bayonetta unbedingt zulegen, denn der Soundtrack und allgemein der Stil des Spiels hat mir damals sehr zugesagt. Gekauft habe ich das Action-Feuerwerk allerdings erst irgendwann in den folgenden Jahren und gespielt tatsächlich erst im Oktober 2022, um mich zusammen mit dem zweiten Teil auf der Wii U auf den von Fans lang erhofften dritten Teil hinzufiebern. Meine Erwartungen waren durchaus hoch, genießt das Seriendebüt heutzutage doch Kultstatus. Ich kann sehr gut verstehen, warum dies der Fall ist. Bayonetta ist durchstilisiert, bietet knackige Kämpfe und einen tollen Soundtrack. Trotzdem ist das Spiel in meinen Augen nur mittelmäßig. So fallen die einzelnen Spielabschnitte allesamt viel zu kurz aus und die Story bleibt weitgehend konfus und wird erst zum Ende richtig spannend oder zumindest besser verständlich. Technische Probleme, bei denen die übermächtige künstliche Intelligenz Angriffe verketten und ich die Kamera nicht schnell genug schwenken kann, um das ganze Schlachtfeld im Blick zu behalten, gehen mir jedoch so stark auf die Nerven, dass ich immer wieder schnell die Lust verliere. Bayonetta 2 macht all das deutlich besser und ist in meinen Augen sogar fairer und damit sogar noch spaßiger. Wer in die Reihe einsteigen will, sollte aber storytechnisch unbedingt mit dem ersten Teil anfangen und direkt danach die wirklich tolle zweite Episode spielen. Zusammen bietet die beiden Spiele ein gelungenes Gesamtbild, bis Bayonetta 3 dieses mit seltsamen Spieldesignentscheidungen zunichte macht.

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