Review: Dragon’s Dogma: Dark Arisen

Dragon's Dogma: Dark Arisen (1)Neben Dark Souls bewies auch Dragon’s Dogma, dass japanische Entwickler sehr wohl Spiele im westlichen Stil kreieren können. Nun will uns Capcom Dragon’s Dogma nach nur einem Jahr nach der Erstveröffentlichung abermals ans Herz legen.

Dragon's Dogma: Dark Arisen (2)Der Start der Handlung könnte nach dem Tutorial für unseren Charakter kaum schlechter verlaufen. Eines unschuldigen Morgens wird unser heimatliches Fischerdorf von einem gigantischen Drachen heimgesucht, der es sich natürlich nicht nehmen lässt, einiges an Unruhe zu stiften. Zu allem Überfluss streckt dieser auch noch unseren selbst benannten Helden nieder, raubt dessen Herz, frisst es und besiegelt somit eigentlich endgültig unser Schicksal. Wie das mit Fantasy-Rollenspielen aber so ist, ist der Tod meistens nicht endgültig. Wir sind nun der Erweckte, der Auserwählte, der nun wie schon im originalen Spiel aus dem Jahr 2012 auf eine abenteuerliche Reise quer durch die Spielwelt Gransys geschickt wird. Mit Dragon’s Dogma: Dark Arisen veröffentlicht Capcom das Action-Rollenspiel neu und liefert uns neben dem Hauptspiel noch eine Menge weitere Inhalte. So ist schon zu Beginn die Insel Finstergram betretbar, die mindestens zehn, wenn nicht sogar zwanzig, zusätzliche Spielstunden bereithält. Das umfangreiche Spiel bringt aber nicht nur dieses neue Areal mit sich, sondern auch zahlreiche brandneue Objekte, Waffen und Fähigkeiten. Finstergram richtet sich dabei an erfahrene Abenteuer. Die Gefahren, mit denen wir da konfrontiert werden, übersteigen ohne Probleme die der Hauptquest.

Treue Vasallen

Dragon's Dogma: Dark Arisen (3)Wie es in den meisten Rollenspielen der Fall ist, dürfen wir unseren Charakter erst einmal nach eigenen Vorstellungen zusammensetzen. Nachdem wir uns am umfangreichen Charakter-Baukasten bedient haben, wählen wir zwischen drei Laufbahnen, nämlich dem Krieger, dem Streicher und natürlichen dem Magier. Im weiteren Spielverlauf werden noch weitere Unterklassen freigeschaltet. Damit wird die Grundauslegung unseres Charakters bestimmt, die zugleich noch den Spielstil festlegt. Denn der Streicher wird zum Beispiel wie der Krieger niemals ein Schild verwenden können, darf aber mit dem Bogen auch aus großer Entfernung Schaden verursachen. Da uns Dragon’s Dogma: Dark Arisen in unserer Klasse doch sehr einschränkt, sind wir fast niemals allein auf Reisen. In unserer Rolle als Erweckter unterstehen uns alle Arten von Vasallen, die an Riftsteinen aus einer Zwischendimension beschworen werden können. Maximal drei dieser treuen Nichtspielercharaktere unterstützen uns bis zu ihrem Ableben – sie sind aber nicht nur im Kampf ausgesprochen hilfreich. Je nach Auslegung lesen sie fleißig Gegenstände vom Boden auf und stehen uns bei Missionen mit hilfreichen Kommentaren zur Seite. Vasallen, die uns enttäuscht haben, können wir jederzeit entlassen und im Rift bewerten, damit sich andere Spieler ein Bild über die Gehilfen machen können.

Voll bepackt mit tollen Sachen

Dragon's Dogma: Dark Arisen (4)Davon ist einer unser Hauptvasall, der neben dem Held als einziger konstanter Begleiter fungiert. Auch dieser darf von uns zunächst fachmännisch erstellt werden und erscheint nach dem Ableben auch wieder an den Riftsteinen. Neben der Kampfkraft ist uns an den Vasallen vor allem die Nutzung als Packesel am sinnvollsten in Erinnerung geblieben, denn die Geschwindigkeit unserer Fortbewegung wird anhand unseres Gewichts eingeschränkt. Das wäre nicht so schlimm, wenn Gransys nur nicht so unglaublich viele handliche Dinge bereitstellt, bei denen wir es uns natürlich nicht nehmen lassen können, sie einzusacken. Sammelfreunde, die in Monster Hunter 3 Ultimate schon alles gesammelt haben was nicht niet- und nagelfest war, werden sich hier praktisch sofort heimisch fühlen. Dergleichen Ausmaße erreicht Dragon’s Dogma zwar nicht, doch das Sammeln, Kombinieren und Tauschen von Heilgegenständen, Werkzeugen, Materialien, Schätzen und Waffen macht aber ein Großteil des Spiels aus. Der aktive Tag- und Nachtwechsel wird durch ein spannendes Spielelement erweitert: Einige Gewächse und Nahrungsmittel verderben mit der Zeit und müssen aufgebraucht werden. Sonst steigt die Gefahr, dass uns eine verdorbene Frucht eher vergiftet, als uns kuriert. Baten Kaitos lässt grüßen!

Rollenspiel-Rohkost

Dragon's Dogma: Dark Arisen (5)Wir werden wohl niemanden die grundlegenden Mechaniken eines normalen Action-Rollenspiels erläutern müssen. Dragon’s Dogma erfindet dabei das Rad auch nicht neu und setzt lieber auf bewährte Mittel. Gegner liefern Erfahrungspunkte und nützliches Geld, was beides unserem Charakter zugutekommt, denn für die richtig guten Ausrüstungen müssen wir auch einmal richtig tief in die Taschen greifen. Um finanziell auf dem Damm zu bleiben, können wir die Nebenmissionen erfüllen, die vergleichsweise einiges an Abwechslung bieten. Neben dem schnöden Sammeln von belanglosen Gegenständen, das erfreulicherweise nicht den Hauptteil der Quests regiert, gilt es Konflikte unter den Stadtbewohnern zu schlichten, Diebesverstecke auszurotten oder die Geheimnisse alter und verlassener Gebiete zu lüften. Um den Erweckten und den Hauptvasallen auch neben den Attributschüben durch Stufenaufstiege zu stärken, erlernen sie neue Kampffähigkeiten, dessen Einsätze im Gefecht die Ausdauer verbrauchen. Als Bogenschütze dürfen wir dann einen Pfeilhagel auf die Gegner niederprasseln lassen auch nur einen besonders präzisen und starken Schuss abfeuern. Daneben sorgen eine ganze Menge weiterer aktiver und passiver Fähigkeiten für eine noch umfangreichere und persönlichere Charaktergestaltung.

Welten bereisen, Gegner erklimmen

Dragon's Dogma: Dark Arisen (6)Wenn wir einmal die magischen Elemente und die ganzen Monster außer Acht lassen, ist Gransys ein sehr offenes und realistisches Fleckchen Erde, das ohne Weiteres ein halbes Jahrtausend altes Europa widerspiegeln könnte. Wie auch in den Gothic-Spielen ist es mehr der Inhalt, als die Spielwelt selbst, bei der Dragon’s Dogma überzeugen will, denn wirkliche Hingucker bietet die Welt nicht, dafür aber eine Menge optionale und geheime Gebiete zum Erkunden. Auch die Geschichte rund um den Erweckten konnte uns nicht bei der Stange halten. Capcom schien sich daher primär auf das Spiel- und Kampfsystem konzentriert zu haben. Davon zeugen jedenfalls die Item-Handhabung und das Vasallensystem. Eine weitere wahre Stärke spielt Dragon’s Dogma im Getümmel gegen sehr große Gegner aus. Es gibt ja wohl keinen Grund, warum sich die armen kleinen Menschen im Kampf gegen Zyklopen, Chimären oder Hydren mit zahlreichen Köpfen nicht ihre Flinkheit und Agilität zunutze machen. Die kritischen Trefferzonen, meistens die Köpfe, erreichen wir mit dem Schwert nur, wenn wir an den Gegnern empor klettern, nicht abgeworfen werden und einiges an Ausdauer bereithalten. So ein System haben wir sicherlich schon in dem einen oder anderen PlayStation-Spiel gesehen, aber sicherlich nicht in diesen freien und offenen Ausmaßen.

Separate Sprachausgabe

Dragon's Dogma: Dark Arisen (7)Schon 2012 war das ursprüngliche Spiel technisch eindeutig überholt. Bewegungsabläufe und Emotionen wirken plastisch und selbst die Ansätze einer lippensynchronen Sprachausgabe dürfen wir nicht erwarten. Viel wichtiger als der reine technische Aspekt ist aber die grafische Gesamtpräsentation, die auf alle Fälle sehr gelungen ist. Die frei zu erkundende mittelalterliche Welt schafft es auch mit ihren Einheitsfarben Grün und Braun zu überzeugen und vermittelt ein Gefühl der Lebendigkeit. Alle Texte der Nichtspielercharaktere, egal ob relevant für die Hauptquest oder nicht, wurden vertont und geben ihren eigenen kleine Teil an die Welt von Dragon’s Dogma ab. So etwas schaffen andere japanische Rollenspiele wie Final Fantasy XIII-2 nur am Rande. Nervig wird es allerdings, wenn diese Personen, vor allem Händler, nicht rechtzeitig vom Spiel geladen werden und die Verkaufsstände zunächst einige Sekunden leer bleiben, bis die Händler plötzlich aufpoppen, um unsere Anträge entgegenzunehmen. Auch die einen und anderen Gegner überraschten uns, als sie sich ohne Ankündigung vor uns materialisierten. Dafür wurden wir mit der japanischen Sprachausgabe vertröstet, die neben der anständigen englischen auf einer separaten Xbox-360-Disc bereit liegt. Das ist ein netter Bonus, der Dragon’s Dogma: Dark Arisen atmosphärisch sehr gut abrundet.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Anfangs hatte ich noch meine Probleme mit Dragon’s Dogma: Dark Arisen, was aber primär daran liegt, dass Gransys nun mal ein extrem raues Pflaster ist. Zwar übernehmen auch die Vasallen einen Großteil der Kämpfe, doch ohne genügend Erfahrungspunkte sah ich aber sehr schnell sehr alt aus. Capcoms Sammelsystem, besonders bekannt aus der Monster-Hunter-Reihe, belebt die raue Spielwelt eindeutig. Spieler, die bewusst ihren Rucksack packen und ihre Tour abstecken, sind eindeutig im Vorteil, was mir jedoch leider etwas zu spät klar wurde. Natürlich könnten wir den kiloschweren Kürbis mitschleppen, aber nur wenige Äpfel gleichen den Heilungseffekt und natürlich das Gewicht bei Weitem aus. Obwohl das Spiel aktionbetont ist, kommt es dem Itemsystem zugute, dass das Spielgeschehen jederzeit pausiert werden darf, um gemütlich im Inventar zu wühlen. Ganz besonders gefielen mir auch die spektakulären Kämpfe gegen die monströsen Gegner, die dem Spiel schon fast ein gewisses Alleinstellungsmerkmal erarbeitet haben. Es ist immer wieder putzig mitanzusehen, wenn drei bis vier kleine Gestalten mühevoll an den wilden Bestien empor kraxeln, um so viel Schaden wie möglich zu verursachen.

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dragon’s Dogma: Dark Arisen!

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