Review: Confession of Murder – Tödliches Geständnis

Confession of Murder - Tödliches Geständnis (1)Intelligent gestrickte Filme sind selten. Confession of Murder – Tödliches Geständnis hebt den Anspruch intelligent zu sein, wird mit schwarzen Humor, Zynismus, übertriebenen Action-Szenen und einer Prise Trash jedoch zu einem vermeintlich frischen Mosaik.

Confession of Murder - Tödliches Geständnis (2)Der Film Confession of Murder von Jeong Byeong-gil dreht sich um den jungen Mann Lee Du-seok, der von sich behauptet, dass er vor fünfzehn bis siebzehn Jahren Morde an zehn Frauen begonnen hat. Da in Südkorea (zumindest laut Film) Mord nach fünfzehn Jahren verjährt, gibt sich Lee der Öffentlichkeit preis und bereut seine Taten – jedoch auf eine sehr makabere Art und Weise, denn Lee hat seine Straftaten in einem Buch festgehalten und teilt jede Einzelheit mit seinen Lesern. Durch gezielte Provokation und Ausnutzen der Medien wird das Buch zu einem Kassenschlager. Sowohl Detective Choi und die Familie eines der Opfer sind empört darüber. Besonders Han Ji-soo, Mutter eines der Opfer, schwört mit dem Auftauchen des geständigen Mörders Blutrache und setzt alles daran, von Lee den Ort zu erfahren, an dem er ihre Tochter verscharrt hat, um ihn danach umzubringen. Dieser Plan geht zunächst auf, denn der Familie gelingt es, Lee im Hotel durch Schlangengift zu lähmen, um ihn dann als Notarzt-Team zu entführen. Dadurch wird jedoch auch Detective Choi in die Sache verwickelt, da die Entführung in seinem Zuständigkeitsbereich passiert. Diese kann er nicht mehr verhindern, doch aus einem (zu diesem Zeitpunkt) nicht näher genannten Grund, deckt er die Entführer und macht sich in der folgenden Nacht auf, um Lee zu retten.

Der geheimnisvolle Dritte

Confession of Murder - Tödliches Geständnis (3)Nun könnte man argumentieren, dass Choi nur seinem Berufsethos folgt, doch so einfach ist es nicht. Confession of Murder ist, wie eingangs erwähnt, wesentlich intelligenter. Hier und da hat man zwar schon eine Vermutung, in welche Richtung sich der Film entwickeln könnte, doch nimmt das nicht weniger die Spannung aus Jeongs Werk. Den Höhepunkt erreicht die Story bei einer Fernsehdebatte, in der Choi und Lee ihre Differenzen ausdiskutieren sollten. Ein Live-Anruf eines Zuschauers ändert jedoch alles für die beiden. Nach und nach mischt sich ein Dritter ein, der noch mehr zu wissen scheint, als Choi und Lee zusammen. An dieser Stelle wäre es von uns jedoch töricht, euch mehr zu verraten. Seid jedoch gewiss, dass die Spannung bis zum Ende nicht abflachen wird und es eine Antwort auf jede Frage gibt, die man sich während der 121 Minuten stellen könnte. Hauptsächlich konzentriert sich der Film auf die Dialoge, in denen die Schauspieler Trauer, Wut, Zorn, Wahnsinn, Heiterkeit und im Falle von Jeong Jae-yeong (Detective Choi) auch Zynismus zum Ausdruck bringen können. Mit welcher Leichtigkeit ein vermeintlicher Mörder in Erscheinung treten kann, beweist uns Park Si-hoo, der in die Rolle von Lee Du-seok schlüpft. Einen Film im Stile eines I saw the Devil, wie auf der Verpackung geworben wird, kann man hier jedoch nicht erwarten.

Erinnerung an Filmklassiker

Confession of Murder - Tödliches Geständnis (4)Die Action kommt in Confession of Murder ebenfalls nicht zu kurz und hier hat Regisseur Jeong sich darauf konzentriert, abwechslungsreiche Kost zu liefern. Eine Verfolgungsjagd bei Regen durch dunkle Gassen und über die Dächer der Stadt, eine Autobahnverfolgsjagd, in der Lee und einer der Han-Angehörigen miteinander kämpfen, während sie bei einer sehr hohen Geschwindigkeit von Autodach zu Autodach springen, und eine Fluchtszene nach Infiltration eines Hauses mit Nachtsichtgerät gehören zu prägnanten Momenten, die man nicht so schnell vergisst. Wenn wir hier schon etwas bemängeln, dann ist es so mancher Spezialeffekt. In einer Szene wird beispielsweise ein Armbrustbolzen geschossen, welchem ein Ex-Sträfling schnell ausweicht – in Zeitlupe! Falls man sich hier an The Matrix orientieren wollte, ist es kräftig in die Hose gegangen und man hätte sich den Effekt ruhigen Gewissens sparen können. Szenen, die an andere Filme erinnern, gibt es in Confession of Murder auch. Im Swimmingpool wird Lee von einer Schlange angegriffen. Musik und Kamerafahrt erinnern an Der weiße Hai. Sind einem solche erinnerungswürdigen Momente egal, dann kann man als Filmfan darüber auch mal schmunzeln. Gar nicht schmunzeln können wir über das Bonusmaterial, denn diees fällt mit einem relativ kurzen Behind-the-Scenes-Anteil überraschend sparsam aus.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ein Fan des südkoreanischen Kinos bin ich und ein großer Bewunderer des Films I saw the Devil bin ich auch – umso besser, denn der Film wirbt damit, ein Psychoduell im Stile eines I saw the Devil zu liefern. So ganz stimmt das nicht, denn I saw the Devil hat einen größeren Fokus auf die Gewaltdarstellung gelegt. Diese ist in Confession of Murder nicht sonderlich hoch, denn oft, wenn es etwas gewalttätiger wird, nutzt der Film Stilmittel, um davon abzulenken. Beispielsweise wenn Choi beim Fernsehduell jemanden angreift und daraufhin einfach Werbung des (fiktiven) Senders eingespielt wird. In Confession of Murder geht es viel mehr darum, den Wahnsinn eines Mörder zu verstehen und sich zu fragen, ob man einem Mörder in einem Land, wo es anscheinend eine Verjährungsfrist für Mord gibt, nach dieser Zeit verzeihen kann, ohne dass er für seine Verbrechen sühnen muss. Dass der Film dabei nicht nur pädagogisch wirkt, beweisen glücklicherweise Zynismus und Action. Sowohl im koreanischen Originalton, als auch in der deutschen Synchronisation gefallen mir die Dialoge. Die deutsche Fassung hat jedoch den Vorteil, auf David Nathan zu setzen, der Choi seine Stimme leiht und seinen Charakter kräftig zum Ausdruck bringen kann. Confession of Murder fehlt es schlussendlich jedoch teilweise an Eigenidentifikation, was unter anderem die Szenen, die an Filmklassiker erinnern, unterstreichen. Das verwährt dem Film leider den Einstieg in die besten Filme des südkoreanischen Kinos, aber jeder, der südkoreanische Filme liebt, wird auch mit Confession of Murder zwei Stunden lang bestens unterhalten, ohne dass einem dabei langweilig wird.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Confession of Murder – Tödliches Geständnis!

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