Review: The Last Sword – Die Wölfe von Mibu

The Last Sword - Die Wölfe von Mibu (1)2003 entscheidet sich Yōjirō Takita den Roman Mibu Gishi Den von Jirō Asada aus dem Jahr 2000 zu verfilmen. Während der Film im Original ebenso Mibu Gishi Den heißt, hört er in der Welt auf Namen wie The Last Sword is drawn oder The Last Sword – inklusive Untertitel.

The Last Sword - Die Wölfe von Mibu (2)Für die Blu-ray-Fassung hat man sich bei 3L Film für Die Wölfe von Mibu entschieden, da dies auf den Film eher zutrifft, als Der letzte Feldzug der Samurai. Der Film thematisiert das Leben der Samurai am Ende des Tokugawa-Shōgunat, doch wird die Geschichte rückblickend aus der Sicht zweier beziehungsweise dreier Personen erzählt. An einem Abend taucht in der Stadt Edo, dem heutigen Tōkyō, ein älterer Herr mit seinem an Fieber erkranktem Enkel in der Arztpraxis von Chiaki Ono auf, da das Fieber nicht zurückgehen will. Während sich seine Frau um den Patienten kümmert, unterhält sich der Arzt mit Hajime Saitō, dem älteren Herrn. Diesem fällt ein altes Foto auf, welches einen alten Samurai abbildet. Das ältere Bild zeigt Kanichiro Yoshimura, einen gemeinsamen Bekannten von Ono und Saitō und kurzum genau das wiederkehrende Element des Films, welcher die Geschichten über Yoshimura verknüpft. An dieser Stelle macht der Film den Sprung ins Jahr 1863 und somit findet die Handlung in den Wirren des Kriegs zwischen dem Tokugawa-Shōgunat und dem Tennōtum statt. Den Shinsengumi untergeordnet, dienen sowohl Yoshimura, als auch Saitō des um die Existenz ringenden Tokugawa-Shōgunats. In diesem Aspekt stellt der Film die Verpflichtung eines Samurai gegenüber seinem Herrn dar und was es bedeutet, für diesen in den Tod zu gehen.

Zwei Gegensätze

The Last Sword - Die Wölfe von Mibu (3)Trotzdem ist The Last Sword – Die Wölfe von Mibu mehr als ein einfacher Samurai-Film, denn die Geschichte um das berufliche Leben eines Samurai wird als Fassade genutzt, um das wahre und private Leben eines Schwertkämpfers vorzustellen. Hungersnöte und Armut sind zusätzliche Themen, die am Rande vorgetragen werden und das Kriegerleben beeinflusst. Durch die äußeren Umstände entwickeln sich Yoshimura und Saitō gegensätzlich. Das wird vor allem in einem Kampf klar, in dem sich beide plötzlich bekämpfen und ihre Motivation vortragen, warum sie eigentlich töten. Saitō wird ehrenhaft und introvertiert charakterisiert, was die Szenen mit Kōichi Satō sehr kühl erscheinen lässt. Das Äquivalent zu Saitō finden wir in Yoshimura wieder. Zwar wird dieser zunächst als raffgierig dargestellt, doch im Lauf des Films wird diese Eigenschaft relativiert. Der Familienvater benötigt das Geld, um seine Familie zu ernähren. Selbst in anderen Szenen wird er als sehr mildtätig dargestellt, wenn er zum Beispiel das letzte Reisbällchen kurz vor einer Schlacht seinem Pendant Saitō abgibt. Des Weiteren tragen die Szenen mit Kiichi Nakai eine kleine Prise Humor zum sonst recht ernsten Film bei. Entsprechend sind diese Szenen zunächst heiter, doch zunehmend driften sie zum Ende hin ins Elegische ab. Die Augen des Zuschauers werden dadurch nicht verschont.

Musik von Joe Hisaishi

The Last Sword - Die Wölfe von Mibu (4)Ausgehend von den sehr nüchtern gehaltenen Szenen in der Arztpraxis, zieht das Geschehen von 1863, welches auf einer fiktiven Geschichte vor historischen Tatsachen basiert, mit den emotionalen Szenen in seinen Bann. Nicht unschuldig daran ist der Soundtrack des Films aus der Feder von Joe Hisaishi. Dieser hat mit der musikalischen Untermalung zu Chihiros Reise ins Zauberland, Prinzessin Mononoke oder Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin schon etliche Male bewiesen, dass er zu den besten Komponisten der Welt gehört. Das merken wir in The Last Sword ebenfalls, denn jegliche Szenen wirken mit seinen Markenzeichen sehr stimmig. Die Kamerafahrten basieren nicht auf hektischen Bewegungen, sondern auf ruhigen Bildern, welche die Konzentration auf die Charaktere lenkt. Selbst die wenigen Schlachten, die von den Samurai geschlagen werden, werden nicht sonderlich überreizt. Während das Bild in 1080p (1,66:1; folglich schmale schwarze Balken links und rechts) auf der Blu-ray vorliegt, kann das Tonformat mit DTS-HD Master Audio 5.1 in der deutschen und der japanischen Tonspur überzeugen. Die deutsche Synchronisation ist mit bekannten Sprechern wie Bernd Vollbrecht gut besetzt, doch das japanische Original wirkt weitaus authentischer. Der Bonus-Anteil der Blu-ray ist mit zwanzig Minuten hinter den Kulissen und dem Trailer dünn besetzt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ich erinnere mich noch an viele Bilder des Films, als ich ihn irgendwann einmal mitten in der Nacht zufällig gesehen habe. Es ist echt schade, dass solchen Filmen im Fernsehen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Emotionalität, welche die Japaner auf den Bildschirm bringen, erreicht mit The Last Sword – Die Wölfe von Mibu eine neue Ebene. Die Geschichte von Saitō und Yoshimura ist unterhaltsam und bedrückend zugleich. Auf der einen Seite gibt mir der Film einen Einblick in den privaten Alltag von den Samurai und zum anderen zeigt der Film mir die Brutalität, mit welcher die Kriegerkaste in Japan einst geherrscht hat. In Bildern kommt die Gewalt jedoch nicht über eine Enthauptung hinaus. Sie spielt sich entweder in den wenigen Schlachten oder in der Psyche der Samurai, von denen einige auch zum Seppuku, dem rituellen Selbstmord, gezwungen werden, ab. The Last Sword ist zur einen Hälfte Samurai-Film und zur anderen Hälfte ein Drama, welches sich über 138 Minuten zieht, aber keine Minute davon langweilig wird.

Vielen Dank an 3L Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Last Sword – Die Wölfe von Mibu!

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