Review: Yoshi’s New Island

CTR_Big_Egg_TS_EAP.indd1995 veröffentlicht Nintendo unter dem Titel Super Mario World 2: Yoshi’s Island das erste Jump ’n’ Run mit Dinosaurier Yoshi in der Hauptrolle. Je ein Auftritt für das Nintendo 64 und den Nintendo DS folgen, doch dann wird es wieder ruhig um den grünen Dinosaurier.

Yoshi's New Island (2)Mitunter mag es nicht an der Beliebtheit von Yoshi liegen, sondern eher daran, dass weder das mittelmäßige Yoshi’s Story, noch das eher am Original orientierte Yoshi’s Island DS an den Erfolg der Super-Nintendo-Episode anknüpfen können. Dieses legte im Jump-’n’-Run-Sektor gänzlich neue Maßstäbe und zählt bis heute zu den wichtigsten Titeln des Genres. So ist es nicht verwunderlich, dass man das Franchise trotzdem verwerten möchte und stellt noch vor der Electronic Entertainment Expo 2013 das Spiel im Rahmen einer Nintendo-Direct-Ausgabe der Öffentlichkeit vor. Der Trailer zeigt zwar mutig neue Elemente, die es auch ins fertige Spiel geschafft haben, doch orientiert sich das Spiel sehr am Seriendebüt ohne dabei Experimente einzugehen. Mutig zeigt sich auch der Storch, der Baby Mario und Baby Luigi zu seinen Eltern bringen will. Wir dachten zwar, dass der Storch sich schon beim Original am Ende nicht geirrt hat, doch um die Story weiterzuerzählen, benötigt es eben Änderungen. Der Storch erfährt, dass er die Babys vor einem falschen Haus ausgesetzt hat. Hurtig versucht er die Babys an die richtige Adresse zu liefern, kollidiert unterwegs jedoch mit Kamek. Diesem gelingt es Baby Luigi und den Storch ins Domizil von Baby Bowser zu bringen, doch Baby Mario landet stattdessen mitten im Dschungel auf der Insel der bunten Yoshis.

Von Eiern, Rieseneiern und riesigen Metalleiern

Yoshi's New Island (3)Einen Oscar gewinnt die Handlung von Yoshi’s New Island sicherlich nicht, doch ist wie so oft eine Geschichte in einem Jump ’n’ Run nur Mittel zum Zweck, um dem Gameplay einen Sinn zu geben. Uns stört es nicht, da wir so recht schnell ins erste Level gescheucht werden, wo uns altbekannte Gameplay-Mechaniken erwarten. Wir nutzen Yoshis Zunge, um Gegner wie Shy Guys zu fangen, runterzuschlucken und in Eier zu verwerten. Diese können wir dann dazu nutzen, um entweder gefräßige Piranha-Pflanzen zu beschießen oder sonst unerreichbare Objekte wie rote Münzen oder Grinseblumen einzusammeln. In den meisten Fällen lassen wir mit den Eiern jedoch kleine Wolken platzen, die danach nicht selten die Level-Architektur zu unserem Gunsten verändern. Schlüssel lassen sich auf diesem Wege ebenfalls sammeln, um dann noch im selben Level an anderer Stelle eine Tür zu weiteren Geheimnissen zu öffnen. Neu sind diesmal riesige Gegner, die an bestimmten Stellen aus gigantischen Warp-Röhren erscheinen und ebenfalls geschnappt werden wollen. Normalerweise können wir bis zu sechs Eier mit uns herumschleppen, doch ein Riese verlangt nach einem Riesenei, welches die anderen verdrängt. Diese Eier zerstören Teile der Umgebung. Das kommt nicht zwar oft vor, aber wirkt weniger aufgesetzt als beispielsweise der Maxi-Pilz in New Super Mario Bros..

Verwandlungskünstler Yoshi

Yoshi's New Island (4)Das liegt auch daran, dass das allgemeine Spieltempo relativ hoch ist und wir die Flugbahn des Eies seelenruhig verfolgen können und nicht den Spielfluss stört. Später gibt es diese Eier noch in einer Metallversion, die uns an den Grund von Seen ziehen oder Gegner plattwalzen können. Nett! Der Superstern aus dem Seriendebüt ist ebenfalls wieder mit an Bord, doch ist es hier nicht der Nachwuchsklempner allein, der durch die Gegend rast, sondern beide Helden zusammen. Das erhöht das Spieltempo ebenfalls, welches jedoch durch das Versagen bei den Spielabschnitten mit Yoshis Verwandlungen doch ein wenig relativiert wird. Das mag in der ersten Spielhälfte zum Teil stören, da man nach Möglichkeit wieder alle Objekte eines Levels einsammeln will. Später haben wir die Verwandlungen in ein U-Boot oder in eine Lore jedoch gemeistert. Hierbei unterscheidet sich die Steuerung vom Rest des Spiels, denn hier müssen wir unseren Nintendo 3DS nach links oder rechts kippen, damit sich Yoshi in Bewegung setzt – Knöpfe werden nur für Sprünge oder Torpedos benötigt. Der Tiefeneffekt des Geräts wird währenddessen automatisch abgeschaltet, weshalb es dabei auch nicht zu Bildverzerrungen kommen kann. Außerdem kommt es dann nicht zu Verwirrungen. Diese Spielpassagen sind mit etwas Gespür übrigens nahezu problemlos zu meistern.

Geringer Anspruch und mehrmalige Wiederkehr

Yoshi's New Island (5)Viele Probleme bekommen wir in Yoshi’s New Island übrigens nicht. Der Schwierigkeitsgrad ist nämlich sehr gering ausgefallen. Soll heißen, dass wir mühelos durch fast alle Levels des Spiels hetzen können ohne auch nur von einem einzigen Gegner getroffen zu werden. Somit sind knifflige Passagen absolut in der Minderzahl. Obwohl das Spiel so leicht ist, verleiht uns das Spiel beim mehrmaligen Versagen in einem Level auf Wunsch sogar Flügel, mit denen wir durch das Level fliegen können. Hier verstehen wir den Entwickler nicht, dieses Feature einzubauen und Nintendo verstehen wir nicht, dass überhaupt zu zulassen. Der Anspruch von Yoshi’s New Island ist somit viel zu gering. Trotz der leichten Spielweise, sind sammelbare Objekte verdammt gut versteckt. Beim ersten Durchspielen sind wir zwar aufmerksam durch die Levels gelaufen, doch nur in zwei von 48 regulären Levels haben wir tatsächlich auch alle Items gefunden. Das motiviert dann auch nach dem Abspann, jedes einzelne Level nochmals in Angriff zu nehmen und verlängert die Spielzeit aufgrund der meist recht kurzen Abschnitte sehr angenehm. Obwohl uns Größe, Anspruch und Schwierigkeitsgrad eines fast jeden Levels stört, wirkt die Spielwelt dann trotzdem so, als sei sie genau so konzipiert. Jede Plattform, jede versteckte Wolke und jeder Gegner wartet genau da auf uns, wo wir ihn auch erwarten.

Das Jump ’n’ Run für Einsteiger

Yoshi's New Island (6)Bei den Bossgegnern geht Entwickler Arzest jedoch in eine andere Richtung als das Original. Während 1995 noch in jeder Burg ein anderer Bossgegner auf uns wartet, trifft dies jetzt nur noch auf jeden zweiten Bossgegner zu. In der ersten Burg einer Welt wartet Kamek auf uns, der immerhin auf immer unterschiedliche Weise besiegt werden will. In der zweiten Burg ist es dann immer ein anderer Gegner, der sich uns in den Weg stellt. Ausnahmslos bis zum Endboss reicht es aus, den Bossgegner dreimal mit einem geworfenen Ei zu treffen. Schwach! Weniger schwach ist der Grafikstil. Im Vergleich zum Serienerstling zieht der Titel zwar den Kürzeren, doch trotzdem wirkt die optische Oberfläche wie aus einem Guss. Dabei verzichtet der Titel abermals weitgehend auf Bildschirmanzeigen. Während diese 1995 ins Pausenmenü ausgelagert werden, sind sie nun auf dem Touchscreen präsent, da dieser im Spielverlauf nie benötigt wird. Gepaart wird der Grafikstil mit einem netten Soundtrack, der zwar stimmig ist, aber viel zu wenige Tracks beinhaltet, um uns im Gedächtnis zu bleiben. Wenn ihr noch nie oder zumindest länger nicht ein Jump ’n’ Run gespielt habt, dann bietet Yoshi’s New Island einen guten (Wieder)einstieg, doch für fortgeschrittene Spieler oder gar Profis bietet der Titel nur wenig Neues und entwickelt sich leider sehr schnell in stumpfes Abklappern der Levels.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: In den letzten Wochen habe ich den Titel sehnsüchtig erwartet und mich an die gute alte Super-Nintendo-Zeit erinnert. Diese Erinnerungen werden beim Spielen von Yoshi’s New Island zu Beginn stärker, relativieren sich jedoch relativ schnell. Man merkt so gut wie jedem Level an, dass die Entwickler das Seriendebüt von 1995 nachahmen möchten. Das gelingt auf der einen Seite mit einem ähnlichen Spielprinzip und auf der anderen Seite mit einer Anlehnung an die grandiose Spielwelt, ohne jedoch dessen Qualität zu erreichen. Grafik und Soundtrack passen zwar gut zusammen, sind unterm Strich jedoch zu wenig, um mich persönlich zufriedenzustellen. Da der Schwierigkeitsgrad sehr dürftig ausfällt, der Anspruch dadurch sinkt, Herausforderungen überwiegend fehlen und es kaum Innovationen gibt, vergeht mir sehr schnell die Lust am Spiel. Es kann nicht sein, dass ich ohne Anstrengung am Ende des Spiels fast 150 1-ups auf meinem Konto habe und im gesamten Spiel gerade einmal 36 Yoshis verloren habe. Das einmalige Durchspielen habe ich zwar genossen, doch aufgrund der Mankos habe ich ebenso keine Lust mehr, die ganzen Levels nochmals anzugehen, um jedes einzelne Geheimnis zu lüften – auch wenn ich die Special-Welten des Spiels doch sehr gerne einmal spielen möchte. Yoshi’s New Island ist somit zwar kein schlechtes Spiel, richtet sich aber eindeutig an ein sehr junges Publikum oder an jene Spieler, die länger oder gar nie Kontakt mit einem Jump ’n’ Run hatten. In dem Falle kann man bei Yoshi’s New Island guten Gewissens zuschlagen.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Yoshi’s New Island!

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