Review: Professor Layton und der Ruf des Phantoms

Professor Layton und der Ruf des Phantoms (1)Wenn im Jahrestakt ein neuer Teil einer bekannten Serie erscheint, verliert diese mit der Zeit oft an Qualität. Dieser Eindruck, den wir von manchen Ego-Shooter-Reihen gewinnen, macht sich leider auch im mittlerweile vierten Abenteuer von Professor Layton 2011 bemerkbar.

Professor Layton und der Ruf des Phantoms (2)Nach drei guten bis sehr guten Abenteuern mit Professor Layton und seinem selbsternannten Lehrling Luke, erreicht Professor Layton und der Ruf des Phantoms leider nicht einmal jene Qualität des ersten Spiels. Sowohl Rätsel, als Verlauf der Handlung wirken diesmal mehr als aufgesetzt. Während Professor Layton und die verlorene Zukunft den chronologisch letzten Teil darstellt, markiert die vierte Episode mit dem Zylinderträger den Auftakt der Geschichte. Im kleinen Städtchen Misthallery erscheint seit einiger Zeit des Nachts jenes Phantom, von dem im Spieltitel die Rede ist. Es verwüstet in Nebel gehüllt ganze Straßenabschnitte und versetzt die Bewohner von Misthallery in Angst und Schrecken. Eines Tages erhält Professor Layton ein Schreiben von Clark Triton, einem Freund aus Studientagen. Dieser lebt mit seiner Familie in Misthallery und bittet den Archäologen um Hilfe. Flugs packen wir unsere Sachen und machen uns auf den Weg in die Provinz. Unterwegs treffen wir auf Emmy Altava, welche dem unordentlichen Professor als neue Assistentin an die Seite gestellt wird. Obwohl sich der erst gegen die Hilfe von Emmy sträubt, raufen sich die beiden zusammen und erreichen bald ihr Ziel. In Misthallery erfahren sie, dass ein gewisses Orakel die Bewegungen des Phantoms voraussehen kann. Das Orakel entpuppt sich später als ein künftiger Freund des Professors.

Episodenformat

Professor Layton und der Ruf des Phantoms (3)Das titelgebende Phantom umfasst die Rahmenhandlung des Spiels, doch besteht die Story aus vielen weiteren Elementen. Ein sagenumwobener Garten, ein Seeungeheuer, plötzliche Tode, eine Bande voller Kinder und hinterhältige Polizisten bringen zwar Abwechslung in die Detektivgeschichte, doch hinterlassen diese Einflüsse den Eindruck, dass man nur wenig Zeit in der Entwicklungsphase hatte, die Geschichten der Charaktere ordentlich zu verknüpfen. So bedient sich der Titel ebenfalls eines neuen Erzählstils. Grundlegend wird die Story stringent bis zum Ende erzählt, doch schalten wir mit der Zeit die sogenannten Episoden frei, die wir aus dem Pausenbildschirm auswählen dürfen. Diese Episoden erzählen Geschichten, die nicht im regulären Spielverlauf vorkommen, sondern parallel oder zeitlich davor spielen. Diese Idee finden wir übrigens großartig – nur kann die Handlung diese vielschichtige Qualität nicht ganz erreichen. Auch dass wir ein ganzes Kapitel nur mit Emmy in London unterwegs sind, gefällt uns sehr und bringt ein wenig Schwung in die eher trockene Handlung. Neben Emmy Altava werden selbstverständlich weitere Charaktere vorgestellt. Mit Inspektor Grosky erhält New Scotland Yard einen übermotivierten Ermittler und Clarks Sohn Luke gesellt sich relativ früh im Spiel zu unseren Helden. Kurzum: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft!

Lösen und Raten

Professor Layton und der Ruf des Phantoms (4)Am eigentlichen Spielverlauf hat sich derweil nicht viel verändert. Nach wie vor klicken wir uns in bester Point-and-Click-Adventure-Manier durch die Spielwelt, tippen mit dem Stylus unseres Nintendo DS alles an, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und dringen immer tiefer in das Stadtleben von Misthallery ein. Wir unterhalten uns mit sehr illustren Charakteren, wie einem Jungen der zum Teil in lautmalerischer Vogelsprache spricht, einer älteren Dame, die ihre Süßigkeiten partout nicht an Emmy verkaufen möchte oder einem stocktauben Herrn, mit dem sich unsere Truppe nicht richtig verständigen kann. Jede Person hat übrigens dasselbe Problem und wer das Professor-Layton-Universum kennt, der weiß, dass während des Dialogs nicht selten Rätsel angesprochen werden. Manchmal fragen wir uns zwar, warum es nach drei Spielen die Entwickler immer noch nicht schaffen, die Rätseleinlagen besser und subtiler ins Spiel zu integrieren, doch sobald die bekannte Rätselmelodie ertönt, interessiert uns die Frage ohnehin nicht mehr. Hinter den Rätseln verstecken sich knifflige Mathematikaufgaben, einige Knobel- und Denkaufgaben, sowie Logikrätsel, die manchmal auch in Form von Schalter- und Blockschieberätseln auftreten. Die Rätsel sind vielfältig, doch die Aufgabenstellungen in einigen Fällen nicht aussagekräftig genug, was dann und wann zum puren Raten führt.

Professor Layton’s London Life

Professor Layton und der Ruf des Phantoms (5)Das ist wirklich sehr schade, denn besonders in Professor Layton und die verlorene Zukunft haben die Entwickler gezeigt, wie hochwertige Rätsel aussehen. Abwechslung vom Rätseln versprechen kleinere Minispiele. Da verlegen wir die Schienen einer Modelleisenbahn so, dass der Zug nicht mit fremden Fahrzeugen kollidieren und mit genügend Treibstoff zum Ziel kommen kann und verteilen Luftblasen in Aquarien, die unseren Fisch Adrian in eine andere Richtung sausen lassen, so dass dieser alle Münzen einsammeln kann. Außerdem erhalten wir mit der Zeit Begriffe, die wir beim Puppentheater verwenden und die Puppen anleiten dürfen. Neben den Hinweismünzen, mit denen wir Rätselhinweise kaufen können, gibt es dieses Mal auch Mäusemarken. Haben wir genug davon gesammelt, können wir auf Mäusejagd gehen. Das umfangreichste Minispiel aller Zeiten ist vermutlich Professor Layton’s London Life. Ein Minispiel, in dem wir um die einhundert Stunden verbringen könnten, wenn es das Spiel denn in die europäische Version geschafft hätte. Da der Übersetzungsaufwand angeblich zu hoch sei und das ganze Spiel dadurch wesentlich später auf den Markt kommen würde, hat sich das Traditionsunternehmen dazu entschieden, den Titel hierzulande halbfertig zu veröffentlichen. Wenigstens die fertige (englischsprachige) Lokalisation hätte noch auf die Cartridge gepasst.

Unvollendete Tatsachen

Professor Layton und der Ruf des Phantoms (6)Wer auf deutsche Texte und deutsche Sprachausgabe verzichten kann, sollte sich den Titel in dem Falle also lieber aus den Vereinigten Staaten importieren. Dort ist Professor Layton’s London Life nämlich vollständig enthalten. Obwohl manche Fans es fordern, weigert sich der Konzernriese den Titel zumindest optional im eShop von 3DS und DSi zu veröffentlichen. Uns wundert nach dem Durchspielen und Lösen von circa zweihundert Rätseln (von denen 33 nur über die Wi-Fi Connection bis zum 20. Mai 2014 heruntergeladen werden können) nicht, dass der Titel keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, obwohl der Titel mit Hinblick auf den Anime-Film, Professor Layton und die ewige Diva, zum Ende hin spannend und offen bleibt. Wer also unbedingt jedes einzelne Detail wissen möchte, sollte sich den Film nach Beenden des Spiels also unbedingt anschauen und unser Review dazu lesen. Für DS-Verhältnisse kann aber auch das Videospiel mit wunderschönen Anime-Sequenzen und schönen Hintergründen punkten, die von den kuriosen Charakteren bevölkert werden. Der Soundtrack ist ganz nett und kommt an einigen Stellen sogar über die Musik der Vorgänger hinaus. Die deutsche Synchronisation ist erträglich, doch an manchen Stellen wirkt sie komischerweise in unseren Ohren zu sehr gespielt. Unterm Strich wäre durchgehend deutlich mehr möglich gewesen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Professor Layton und der Ruf des Phantoms habe ich direkt im Anschluss von Professor Layton und die verlorene Zukunft gespielt. So überzeugt vom dritten Teil der Serie, habe ich gedacht, dass die Entwickler in der vierten Folge vielleicht noch einmal nachlegen. Dieses Ziel haben sie jedoch bei Weitem nicht erreicht. Die Handlung wirkt für mich wie ein Puzzle, in dem ein paar Teile zu viel vorliegen. Soll heißen, dass die Handlungsfäden zwar alle verständlich sind, jedoch nur lose zusammenhalten und das Drumherum interessanter erscheint, als der Plot des Spiels eigentlich ist. Ebenfalls missfällt mir, dass es die hellen Entwicklerköpfe beim mittlerweile vierten Teil gar nicht mehr versuchen, die Rätsel sinnvoll ins Spiel zu integrieren. Egal mit wem ich mich in der Spielwelt unterhalte, das anschließende Rätsel hat meist nichts mit der Person zu tun, die sie stellt. Bei einigen Rätseln kommt es mir dann auch so vor, als ob man selbst die Aufgabenstellung hingeschludert hat. Manchmal ist die Logik eines Rätsels anders aufgebaut, als in einem ähnlichen Rätsel mit fast identischer Fragestellung. Trotz dieser kleineren Mankos verstehe ich beim besten Willen nicht, warum Nintendo diesmal so engstirnig denkt, um das Spiel unter Zeitdruck in den Westen bringen. Professor Layton’s London Life wäre ein großartiges Minispiel in der europäischen Version gewesen, welches mich hundert Stunden an meinen Handheld gefesselt und die vielen kleinen Defizite des Spiels kaschiert hätte. Man kann nur hoffen, dass Nintendo Erbarmen zeigt und dieses Zusatzkapitel hierzulande früher oder später noch im eShop veröffentlichen wird.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Professor Layton und der Ruf des Phantoms!

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