Review: Mittelerde: Mordors Schatten

Mittelerde - Mordors Schatten (1)Peter Jacksons Verfilmung von Der Herr der Ringe sorgte dafür, dass Tolkiens literarisches Meisterwerk weltweit neue Anerkennung fand. Warner Bros. Interactive nutzt diese große Lizenz jedoch für Videospiele, für die sich der Autor Tolkien im Grabe umdrehen würde.

Mittelerde - Mordors Schatten (2)Das Jahr 2942 des Dritten Zeitalters ist ein wichtiges Jahr in der Chronik von Mittelerde. In diesem Jahr kehrt nicht nur der Hobbit Bilbo Beutlin, bewaffnet mit dem Kurzschwert Stich, dem Mithril-Kettenhemd und dem Meisterring, ins Auenland zurück. Am anderen Ende von Mittelerde verlässt der dunkle Herrscher Sauron sein Versteck im Düsterwald und kehrt nach Mordor zurück, um seine Macht zurückzuerlangen. Die Handlung dreht sich aber vor allem um den Waldläufer Talion, dessen Verbündete auf dem Schwarzen Tor stationiert sind. Bei Saurons Rückeroberung wird das Schwarze Tor von Orks angegriffen, die nicht nur viele der Waldläufer töten, sondern auch Talions Frau und Sohn vor dessen Augen hinrichten. Talion fällt danach selbst einer orkischen Klinge zum Opfer und an dieser Stelle würde so manche Heldengeschichte tragisch enden. Nicht so die Geschichte von Talion, denn dieser erwacht einige Zeit später wieder. Durch eine geisterhafte Erscheinung erhält er neue Lebenskraft und das immer und immer wieder, wenn er im Kampf fällt. Aus dem Grund wird Talion auch als Grabwanderer bezeichnet. Wer sich hinter diesem Geist befindet, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten, doch ist das Schicksal jener Person mit dem von Sauron eng verbunden. Jetzt eben auch mit Talion, die gemeinsam die Macht des dunklen Herrschers ausbremsen wollen.

Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn

Mittelerde - Mordors Schatten (3)Wie die Geschichte ausgehen wird, dürfte aber jeden Fan von Tolkiens Fantasy-Welt schon im Vorfeld klar sein. Daher bleibt der große Aha-Effekt am Ende von Mittelerde: Mordors Schatten leider aus. Interessanter ist da eher, wie die Story erzählt wird. Unterwegs sind wir in den zwei spielbaren Gebieten von Mordor, genauer gesagt Udûn und Nurn. Während Udûn im Nordwesten des Landes ein sehr unwirtschaftliches Gebiet und mit kargen Felsen und Asche überzogen ist, wirkt Nurn noch richtig fröhlich. Trotzdem merkt man die Rückkehr des Bösen an, denn überall werden von den Orks neue Festungen hochgezogen, Armeen gebildet und die letzten freien Menschen in diesen Landen versklavt. Während wir in der ersten Spielhälfte in Udûn unterwegs sind, schalten wir Nurn danach frei. In beiden Gebieten dürfen wir frei durch die Landschaft wandern, schleichen oder laufen – immer zum nächsten Missionsziel. Wählen wir etwa eine Hauptmission, setzen wir die Geschichte fort. Diese befasst sich vor allem mit jenem genannten Geist. Später kommen auch noch die Kriegerin Lithariel und ihre Mutter, die Königin Marwen, dazu. Das Problem bei diesen Charakteren ist jedoch, dass sie fast komplett von berühmten fiktiven Figuren Mittelerdes abgekupfert sind. Entsprechend einfach gestrickt ist die Handlung, die nur mit sehr wenigen Höhepunkten und Überraschungen glänzen kann.

Ineinandergreifende Gameplay-Elemente

Mittelerde - Mordors Schatten (4)Das Gameplay des Spiels bietet zwar im Grunde nichts Neues, funktioniert aber eigentlich tadellos, da im Prinzip alle Elemente hervorragend ineinander übergreifen. Wir laufen durch Mordor, sehen einen Ork, schleichen uns heran, stechen ihn ab, bemerken einen weiteren Ork, der auf einer Palisade steht und bevor dieser Alarm schlagen kann, visieren wir ihn mit dem Bogen an und schießen ihn von seinem Posten. Wenige Schritte weiter stoßen wir auf einen Caragor, der ein paar Orks jagt. Wir mischen uns ein und schlachten sowohl das hundeartige Wesen und auch die Orks ab. Dafür erhalten wir Erfahrungspunkte, mit denen wir mit der Zeit Fähigkeitspunkte erlangen und diese in neue Fähigkeiten investieren. Welche wir jedoch von diesen aktivieren können, hängt davon ab, wie viel Macht wir in Mordor gesammelt haben. Machtpunkte gibt es für das Erledigen von Aufgaben, welche die Legenden unserer Waffen formen, oder wir mischen uns aktiv in den Machtkampf der Orks ein. Hauptmänner haben die Gebiete Mordors unter sich aufgeteilt und zanken sich aktiv darum. Töten wir einen der Orks, können wir sicher sein, dass die Lücke im System nicht lange bestehen bleibt. Sobald nämlich Talion von einem harmlosen Ork getötet wird, erlangt der Ork Ruhm und schleicht sich in das System, wo er quasi bis zum Häuptling aufsteigen kann, von denen es fünf an der Zahl gibt.

Fehlende Magie

Mittelerde - Mordors Schatten (5)Für getötete Orks in wichtigen Positionen erhalten wir Runen, mit denen wir unsere Waffen ausstatten können, um so zum Beispiel Lebensenergie aufzufrischen oder den Fokus längere Zeit aufrechterhalten zu können. Während wir durch die Lande streifen, erfüllen wir auch noch andere Nebenquests wie die Befreiung von Sklaven, das Töten bestimmter Monstren, das Entdecken von Artefakten oder das Aufspüren gewisser Pflanzen. Es gibt immer etwas zu tun und da wir uns sicher sein können, dass ein weiterer Ork hinter der nächsten Ecke auf uns wartet, auch immer jemanden aus dem Reich der Lebenden zu verbannen. Leerlauf gibt es in Mittelerde: Mordors Schatten absolut nicht. Ebenso wenig können wir etwas bei der Technik bemängeln. Die hochauflösenden Grafiken der PC-Fassung sehen fantastisch aus, die Musik passt wie die Faust aufs Auge zur Optik, die Synchronsprecher sind gut gewählt und auch die Steuerung über einen angestöpselten Controller ist in Windeseile verinnerlicht. Das Problem, an dem das Spiel aber nach wie vor krankt, ist, dass es mit Tolkiens vermittelten Werten in unseren Augen so gut wie nichts zu tun hat. Die Magie der idealisierten Fantasy-Welt ist zwar irgendwie leicht vorhanden, zündet aber in den wichtigen Spielmomenten nicht. Tolkien-Fans werden wohl sehr enttäuscht sein. Trotzdem ist Mittelerde: Mordors Schatten ein gutes Spiel!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Mittelerde: Mordors Schatten hatte ich seit längerer Zeit auf dem Schirm, da ich ein großer Fan von Der Herr der Ringe bin. Auf der Gamescom 2014 konnte ich mir schon ein erstes Bild vom Spiel machen, welches mich damals schon nicht umgehauen hat. Nach circa zwanzig Spielstunden, die man für das Durchspielen mit den meisten (oder gar allen) Inhalten benötigt, hat sich das Bild ein wenig geändert. Es ist nach wie vor so, dass Mittelerde: Mordors Schatten für mich nicht wirklich etwas mit der Fantasy-Welt von Tolkien zu tun hat und es zu viele fiktive Inhalte gibt, die so einfach nicht in das Universum gehören. Trotzdem habe ich nach einigen Spielstunden richtig Spaß mit dem Titel gehabt, da das Gameplay in den meisten Fällen wunderbar ineinandergreift. Diese Verzahnung der vielen Elemente funktioniert richtig gut. Einzig und allein kleinere Design-Schnitzer und (vor allem in der ersten Spielhälfte) auftretende Balancing-Schwachpunkte stören das Gesamtbild (abgesehen vom bereits genannten Manko). Man kann sehr viel Spaß mit Mittelerde: Mordors Schatten haben, doch wenn man in die Atmosphäre von Der Herr der Ringe, Der Hobbit oder Das Silmarillion eintauchen will, sollte man sich zweimal überlegen, ob er sich das Spiel zulegen sollte – das wirklich gute Gameplay kann da nämlich nicht drüber hinwegtäuschen. Es bleibt zu hoffen, dass sich Warner Bros. Interactive das nächste Mal sehr viel mehr an der Vorlage orientiert und ein genauso tolles Grundgerüst wie hier verwendet!

Vielen Dank an Warner Bros. Interactive für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mittelerde: Mordors Schatten!

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