Review: Karate Bomber

Karate Bomber (1)Als man 1980 Yī Zhāo Bàn Shì Chuǎng Jiāng Hú in den Kinos in Hongkong zeigte, wusste man noch nicht, welchen tollen Titel sich die Verantwortlichen hierzulande 1989 ausdenken würden. In der Bundesrepublik wurde der Film auf den Namen Karate Bomber getauft.

Karate Bomber (2)Das macht natürlich alles keinen Sinn, da sich der Film nicht um die Kampfsportart Karate, sondern Kung Fu dreht. Aus solchen Fehlern lernt man jedoch auch in Amerika nicht, denn wenn man nur ein paar Jahre zurückblickt, fällt einem direkt das gleichnamige Remake von Karate Kid ein. Obwohl Jackie Chan hier in einer der beiden Hauptrollen zusehen war, hat es ihn wohl nicht gestört, die eigene Kultur für eine andere, die inhaltlich absolut nichts mit dem Film zu tun hat, aufzugeben. Entsprechend dürfte Chan auch egal sein, was man hierzulande mit Half a Loaf of Kung Fu, so der englische Titel von Karate Bomber, gemacht hat. Ähnlich geht es auch dem Helden des Films, Jiang – ironischerweise gespielt von Chan. Dieser ist ein sorgloser Taugenichts und verbringt seine Zeit damit als Tagelöhner zu arbeiten. Eines Tages macht er ein Nickerchen zwischen den Ästen eines Baumes, als plötzlich der tägliche Trubel am schwarzen Brett losgeht und Jiang den Drang verspürt, dort einmal nach dem Rechten zu sehen. Es wird ein Leibwächter für einen adligen Mann gesucht. Schnell reißt Jiang das Blatt vom Aushang ab und begibt sich zum Anwesen des Herrn. Nach kurzer Überlegung wird er gleich eingestellt und in das Hausleben eingeführt. Sein Arbeitgeber beherbergt auch noch einen weiteren Hausgast, dem Jiang tunlichst aus dem Weg gehen sollte, er es aber nicht tut.

Dr. Kimble auf der Flucht

Karate Bomber (3)Gemeint ist damit eine Dame, die von allen als Erhabene angesprochen wird, hinterrücks aber einfach nur Hexe genannt wird. Direkt in der ersten Nacht schleicht sich Jiang zu ihrer Tür, um sie durch ein Guckloch zu beobachten. Sein Arbeitskollege erwischt ihn dabei, doch verrät er Jiang nicht und nutzt das Guckloch selbst, um einen Blick zu erhaschen. Blöd nur, dass die Hexe eine giftige Schlange durchs kleine Loch schickt und Jiangs Kollegen gleich tötet. Jiang flüchtet vom Anwesen und wird in den nächsten Tagen von der Erhabenen gnadenlos gejagt. Mehr durch Missgeschicke gelingt es ihm so, einen Attentäter zur Strecke zu bringen, dafür eine Belohnung einzustecken und als Held gefeiert zu werden. Während die Stadtbewohner ihn prompt verehren, gibt es einige weniger leichtgläubige Individuen, die ihn durchschauen und ihn in Frage stellen. Darunter fallen ulkige Figuren wie ein Möchtegernkämpfer, der ihm neue, aber meist nutzlose, Kampftechniken beibringt. Ebenfalls mit von der Partie ist auch ein Bettler, der Jiang mehr als einmal aus der Klemme hilft. Jiang möchte von ihm unterrichtet werden, doch der weigert sich. Erst als Jiang nicht locker lässt, bietet der Bettler ihm an, für ihn einen gefährlichen Auftrag auszuführen. Jiang willigt ein und kommt so nicht nur mit der Erhabenen, sondern auch noch mit gierigen Dieben und gefürchteten Kämpfern zusammen.

Synthesizer-Soundeffekte aus der Hölle

Karate Bomber (4)Viele Situationen werden in Karate Bomber erheiternd dargestellt und auch in der deutschen Synchronisation, in der Christian Tramitz Chan seine Stimme leiht, gibt es nette Einfälle, um ernste Momente aufzulockern. Beispielsweise reißt Chan einen seiner Gegner einen falschen Bart ab – der Bettler erkennt Jiangs Gegner zugleich als den Mann mit tausend Gesichter. Wer aber auf flotte Sprüche wie in Police Story hofft, wird wohl weniger zufrieden sein. Trotzdem werden die Dialoge nicht langweilig, auch wenn die Synchronisation zuweilen eher schnell produziert, als gut übersetzt wirkt. Dialoge machen allerdings nur in der ersten Hälfte den Großteil des Films aus. In der zweiten Filmhälfte geht es ans Eingemachte; die Kämpfe. Diese wirken für uns meist gut choreographiert, da sie weder übertrieben, noch langweilig wirken. Hin und wieder stellt sich Chan zwar ein wenig tollpatschig an, ist aber aufgrund der Rolle des Jiang nicht anders umsetzbar gewesen – Kung Fu kann Jiang nämlich so gut wie nicht, lernt im Verlauf der Handlung aber genug, um die Bösewichte im großen Finale gehörig zu verkloppen. Man merkt dem Film aufgrund so mancher Synthesizer-Soundeffekte das Alter deutlich an, denn die nerven zwischenzeitlich sehr gerne. Das Bild ist dafür umso besser gealtert und wirkt auch in der Blu-ray-Fassung wirklich alles andere als schlecht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die ersten Minuten des Films sind recht schlimm gestaltet. Hier hüpft Jackie Chan von rechts nach links und von links nach rechts durch das Bild, vollführt dabei Tricks und durch einen hippen Filmschnitt verschwindet der Kampfkünstler immer mal wieder für einen Bruchteil einer Sekunde. Nach der grauenvollen Einleitung bessert sich der Film aber durchgehend bis zum Schluss, denn ähnlich nervig wird es nur in wenigen Momenten, wo der Tontechniker wohl gerade den Synthesizer entdeckt hat und mit ihm gerade Schabernack treiben wollte. Sieht man davon ab, kann der Film dennoch Freunde gewinnen. Die Dialoge beziehungsweise lustigen Sprüche reißen keine Bäume aus, doch sind sie alles andere als langweilig in die stringente Handlung eingewebt. Aufgelockert werden die Dialoge zudem mit allerlei Kampfszenen, in denen Chan aber nur sehr nette Choreographien aufführen darf, da seine Rolle (Jiang) kaum Kung Fu beherrscht. Das große Finale, in denen Chan seine Gegner aber dennoch überwältigen kann, stellt abschließend das Highlight von Karate Bomber dar. Fans von seichten Martial-Arts-Filmen dürfen ohne Bedenken zugreifen.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Karate Bomber!

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