Review: The Protector

The Protector (1)In den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts versucht Jackie Chan im US-amerikanischen Filmmarkt Fuß zu fassen. Nachdem dieses Unterfangen 1980 mit Die große Keilerei bereits fehlschlug, versuchte er es in Zusammenarbeit mit Regisseur James Glickenhaus 1985 erneut.

The Protector (2)Die Handlung von The Protector ist zu Beginn in New York City angesiedelt. In einer Nacht wird dort im Stadtteil Bronx ein Lastwagen mit einer Ladung Computerteile überfallen. Die beiden Polizisten Billy Wong und Michael Alexander kommen leider zu spät am Tatort an. Während der Fall für sie abgehakt ist, versuchen sie sich nach der langen Nacht und nach dem Dienst mit Alkohol in einer Bar zu betäuben. Kaum haben sie sich gesetzt, wird die Bar von einer Gruppe Kleinkrimineller überfallen. Bei diesem Vorfall wird Wongs Kollege Alexander tödlich verwundet. Dem Schützen gelingt es vom Ort des Geschehens zu fliehen, woraufhin Wong sofort die Verfolgung aufnimmt. Es folgt eine Jagd durch die Straßen von New York City, welche für den Todesschützen im East River tödlich endet. Daraufhin wird Wong vom Polizeichef zum Personenschutz versetzt. Während einer Modenschau wird Laura Shapiro von unbekannten Tätern entführt. Es stellt sich jedoch schnell heraus, dass hinter dem Vorfall der Drogenbaron Harold Ko steckt. Gemeinsam mit seinem neuen Partner Danny Garoni will Wong den Fall aufklären. Ihre Reise führt sie aus den Vereinigten Staaten von Amerika nach Hongkong (damals noch im Kolonialbesitz der britischen Krone). Dort erhalten sie weitere Instruktionen, wie sie vorzugehen haben. Ihre erste Anlaufstelle ist hier ein Massage-Salon.

Von New York City nach Hongkong

The Protector (3)Langsam decken die New Yorker Polizisten Wong und Garoni die Verschwörung auf. Ihr Ziel ist nicht nur die Entführung von Shapiro aufzuklären, sondern auch das Drogenkartell von Ko zu sprengen. Da sich in Hongkong Gerüchte schnell verbreiten, hat dieser schon längst vom Auftrag der beiden Polizisten erfahren. Um den Rückschlag aufzuholen, müssen sie sich mit ihren Kontaktmann im Hafen der Stadt auseinandersetzen. So und nicht anderes gelangen sie immer weiter an Informationen. Das Bild setzt sich langsam zusammen, doch die Gefahren nehmen nicht ab. So versuchen Kos Leute mehrmals, Wong und Garoni zu töten. Auch eine Bestechung wird unternommen. Wie sich die restliche Handlung entwickelt, kann man sich grundsätzlich denken, da diese sich kaum überraschend entwickelt. Trotzdem ist es spannend, die Aufklärung beider Fälle mitzuerleben. Man fiebert regelrecht mit Wong und Garoni mit, wie sie sich in der Hongkonger Unterwelt herumschlagen. The Protector legt den eigentlichen Schwerpunkt aber klar auf die Action. Dadurch, dass mit Jackie Chan und Danny Aiello zwei Schauspieler unterschiedlicher Nationalitäten mitwirken, fällt diese zudem variantenreich aus. Chan setzt auf sein Können als Martial-Arts-Künstler und Aiello lässt seine Fäuste sprechen. Zudem macht er gelegentlich Gebrauch von seiner Maschinenpistole, um Dampf abzulassen.

Uneinigkeiten

The Protector (4)Obwohl Glickenhaus’ The Protector finanziell kein Erfolg wurde, schaffte er es, eine wirklich gute Symbiose zwischen ostasiatischer Kampfkunst und brachialer Waffengewalt zu schaffen. Trotzdem ist der Film sehr US-amerikanisch inszeniert. Man merkt ständig, dass Hollywood seine Hände im Spiel hat. Die Handlung des Films ist so ernst wie sein Humor. Zwar müssen wir manchmal bei bestimmten Dialogen schmunzeln, doch in Gelächter brechen wir niemals aus. Die Synchronsprecher verrichten ihre Arbeit dennoch sehr, sehr gut. Zudem hat man für die wichtigsten Charaktere auf bekannte Sprecher zurückgegriffen. Hans-Georg Panczak, den die meisten von euch sicherlich als Stimme von Mark Hamill aus der alten Star-Wars-Trilogie kennen, leiht beispielsweise Chan seine Stimme. Das Bild liegt im 16:9-Format vor und sieht verhältnismäßig gut aus. Zumindest in der westlichen Fassung. Auf der Blu-ray Disc liegt im Bonusbereich nämlich auch noch der Jackie-Chan-Cut in einem HD-Upscale vor. Chan und Glickenhaus hatten sich beim Dreh aufgrund verschiedener Entscheidungen des Regisseurs dermaßen verkracht, dass sich Chan genötigt fühlte, den Film eigens erneut zu schneiden. Diese Version richtet sich mehr ans Hongkong-Kino-Publikum. Es lohnt sich also auch diese Fassung zu anzusehen, da hier weitere Handlungsstränge (alternativ) eingewoben worden sind.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): In der ganz ursprünglichen Glickenhaus-Version richtet sich der Film trotz gekonnter Verbindung von ostasiatischer Kampfkunst und brachialer Action-Gewalt vor allem an Fans der US-amerikanischen Action-Kinos. Das muss nichts schlechtes sein, denn in den Achtziger Jahren befand sich die Action bei den meisten Filmen auf einem noch sehr humanen Niveau. The Protector unterhält etwas mehr als neunzig Minuten wirklich gut. Man merkt jedoch, dass einige Szenen einfach nicht auf Hauptdarsteller Chan zugeschnitten sind. Beispielsweise kommt es zu ein paar Szenen im Massage-Salon, in denen viel nackte Haut bei Frauen gezeigt und sexuelle Handlungen angedeutet werden. Auch einige Action-Szenen, bei denen US-typisch herumgeballert wird, waren Chan ein Dorn im Auge. Daher sollten sich Fans des Hongkong-Kinos unbedingt auch die Chan-Schnittfassung ansehen. Hier werden die angesprochenen Szenen wegrationalisiert und teilweise durch neue Handlungsstränge ersetzt. Chan hat zurück in Hongkong nämlich gänzlich neue Szenen mit zum Teil neuen Darstellern gedreht, um das Erlebnis intensiver zu gestalten. Gelungen ist ihm das auf jeden Fall. Mir gefällt diese Fassung persönlich besser – auch wenn ich es mehr als nur schade finde, dass dadurch Danny Aiellos Figur Garoni unterpräsent erscheint und der Film stellenweise so wirkt, dass nur Chan die Hauptrolle einnehme. Egal welche Version ich mir auch anschaue: Sie haben ihre Vor- und Nachteile, unterhaltsam sind sie aber beide.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Protector!

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