Review: Under Control

Under Control (1)Auf dem Cover von Under Control prangert mal wieder der Name von Jackie Chan. Zwar ist der Schauspieler hier in einer Hauptrolle vertreten, doch gebührt vor allem der Darstellerin Qi Shu die Ehre, da sie den elementaren Part des Schauspielergespanns einnimmt.

Under Control (2)Der Film dreht sich nämlich voll und ganz um die junge Bu, die in einem kleinen Fischerdorf in Taiwan lebt. Sie hat zwar einen Freund, der sie auch gerne heiraten möchte, doch spürt sie in ihrem Herzen, dass sie ihn nicht wirklich liebt und eigentlich unglücklich ist. Sie kann zwar mit ihrer Mutter offen über das Problem reden, doch ist sie ihr eigentlich keine große Hilfe. In der Nähe ihres Fischerdorfes leben viele Delfine. Mit einem von ihnen freundet sie sich sogar an. Obwohl der Delfin sicherlich nicht mit ihr kommunizieren kann, findet sie bei genau den Trost, den sie bei den Menschen nicht bekommt. Eines Abends fischt sie aus dem Wasser eine Flaschenpost, die aus Hongkong abgeschickt worden ist. Sie kennt zwar nicht den Absender, doch scheint dieser genauso einsam zu sein, wie sie selbst. Kurzerhand beschließt Bu, Taiwan zu verlassen und ihr Glück in der chinesischen Hafenmetropole zu finden. Ihr gelingt es, den Absender der Flaschenpost zu finden. Allerdings gesteht Albert ihr, dass er homosexuell sei und die Flaschenpost eigentlich dazu gedacht war, seinen Exfreund zurückzugewinnen. Albert sagt ein paar verletzende Worte, woraufhin Bu zunächst sehr traurig ist. Sie streiten sich, doch genau dieser Streit macht sie zu unzertrennlichen Freunden. Da sie eine Zeit lang in der Stadt bleiben will, begleitet sie Albert bei seiner Arbeit als Visagist auf eine Yacht.

Romanze mit Jackie Chan

Under Control (3)Die andere Hälfte des Films dreht sich um den Millionär C.N. Chan, der sein Firmenimperium langsam aber stetig ausgebaut hat und jetzt mit sauberen Recycling-Geschäften seine Moneten verdient. Er beschließt am selben Tag wie Bu und Albert seine Zeit auf See zu vertreiben. Da Bu von der Arbeit ihres Freundes gelangweilt wird, beobachtet sie das Treiben auf anderen Schiffen. Dort sieht sie auch, wie Chan die Schläger eines Konkurrenten bekämpft. Als er in die Enge getrieben wird, beschließt Bu eigenhändig, ihn zu retten. Den beiden gelingt die Flucht, doch stranden sie auf einer kleinen einsamen Insel vor der Küste Hongkongs. Bu wird schnell klar, dass sie sich in Chan verliebt hat. Sie verbringen gemeinsam sehr viel Zeit, doch Chan wird durch seine Firmen dermaßen eingespannt, dass er den Blick aufs Wesentliche verliert und auch Bu für seine Geschäfte einspannen will. Enttäuscht verlässt sie Hongkong. Under Control ist durchgehend eine Liebesgeschichte mit seichten lustigen Momenten. Es bleibt dabei aber alles auf einem sehr liebevollen Niveau, denn wie man unlängst von The Protector weiß, mag es Jackie Chan nicht, wenn man zu viel nackte Haut in Filmen mit ihm in der Hauptrolle sieht. Martial-Arts-Fans dürfen sich zudem nur über ein paar Kämpfe freuen, die zudem teilweise sehr stümperhaft in die romantische Handlung eingewoben sind.

Unerfüllte Erwartungen

Under Control (4)Bitte nicht falsch verstehen. Die beiden tollen Kämpfe zwischen Jackie Chan und Bradley James Allan sind wirklich großartig inszeniert und gehören zum besten, was wir in Filmen mit der Martial-Arts-Legende bis dato gesehen haben. Während ein Kampf zumindest noch einen Sinn für die Story ergibt, ist der andere allerdings wahllos eingewebt. Das ist sehr schade und stört ein wenig das Gesamtbild. Das hätte man wesentlich besser lösen können. Was sich der Regisseur, Vincent Kok, dabei gedacht, bleibt wohl ein Geheimnis. Ein Geheimnis wird wohl auch die deutsche Schnittfassung bleiben. Under Control hat hier nämlich eine ganz eigene Leidensgeschichte hinter sich, denn der Film wurde in der deutschen Schnittfassung um circa zwanzig Minuten geschnitten, wodurch wenige Szenen, die fürs volle Verständnis wichtig wären, ursprünglich nicht aufgegriffen worden sind. Das ist zwar ärgerlich, doch seit ein paar Jahren wird der Film ebenso in der Hongkong-Fassung ausgeliefert, darunter auch die Blu-ray der Dragon Edition, die bei unserem Test vorliegt. Soll heißen, dass alle entfallenen Szenen in den Film eingewoben sind, aber nur im kantonesischen Originalton mit deutschen Untertiteln vorliegen. Dafür kann das Bonusmaterial mit einem deutsch unterlegten Making-of punkten. Zu viel darf man von Under Control aber nicht erwarten, denn die Erwartungen erfüllt er nicht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Das Schlimmste was man machen kann, bevor man sich Under Control ansehen möchte, ist, sich einen Trailer anzuschauen, der nicht auf der Hongkong-Version beruht. Hier wird nämlich ein Martial-Arts- oder Action-Film mit Kampfszenen suggeriert und das trifft auf Under Control definitiv nicht zu. Das soll absolut nicht heißen, dass es keine Kämpfe gibt. Die beiden Kämpfe zwischen Bradley James Allan und Jackie Chan gehören zum Besten, was ich je in Jackie Chans Laufbahn gesehen habe. Leider wurde nur einer der beiden Kämpfe ordentlich in die Handlung eingewebt. Der andere fühlt sich schon wie erzwungener Fanservice an. Die restliche Geschichte passt zudem auch nicht so wirklich zu einer Action-Legende wie Jackie Chan, doch spielt er die Rolle des C.N. Chan mit Bravour. Mein Lob geht aber auch an Qi Shu, welche die Rolle der viel wichtigeren Bu ebenso toll spielt. Trotzdem bieten mir beide Genre-Anleihen zu wenig, sodass sich Under Control mit der Zeit richtig zieht. Wenn man sich den Film anschauen will, sollte man sich aber auf jeden Fall die Originalfassung anschauen, denn mit den fehlenden zwanzig Minuten in der deutschen Fassung ergeben manche Zusammenhänge viel weniger Sinn. Man kann sich Under Control zwar gefahrlos ansehen, doch Action-Fans sind hier eher falsch am Platz.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Under Control!

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