Review: Ghost in the Shell – Stand Alone Complex (Staffel 2)

Ghost in the Shell - Stand Alone Complex 2nd GIG (1)Die erste Staffel von Ghost in the Shell – Stand Alone Complex besteht in erster Linie aus abgeschlossenen Folgen, die sich vor allem mit kurzen Kriminalgeschichten befassen und uns in die Welt des Animes einführen. In der zweiten Staffel steigen wir gleich in die Story ein.

Ghost in the Shell - Stand Alone Complex 2nd GIG (2)Während die erste Staffel im Jahr 2030 angesiedelt ist und mit Rückblicken auch das vorherige Jahrzehnt einfängt, beschäftigt sich die zweite Staffel mit den Jahren 2031 und 2032, die in einigen Episoden aber auch Handlungen aus den drei Jahrzehnten davor aufgreift. Die beiden Staffeln unterscheiden sich vor allem in der Erzählweise. In der ersten Staffel wurde zum Beispiel großen Wert darauf gelegt, die einzelnen Aspekte des Universums zu erläutern und diese innerhalb von kurzen Kriminalgeschichten zu erklären. Die zweite Staffel verzichtet in der Regel darauf, denn der Rahmen wurde mit den 26 vorherigen Episoden gelegt und möchte nun mit neuen Inhalten gefüllt werden. Der fortlaufende Handlungsstrang in den letzten Folgen der ersten Staffel hat gezeigt, dass diese Erzählweise funktioniert und so wird in Staffel 2 gleich ein neuer Handlungsstrang aufgebaut. Dieser dreht sich um die Unabhängigen Elf, die mit ihren Idealen als terroristische Gruppierung bezeichnet werden können. Diese wollen auf die frisch gewählte Premierministerin Kayabuki Yōko einen Mordanschlag verüben, welcher von Sektion 9 in letzter Sekunde abgewehrt werden kann. Damit die Premierministerin nicht ein weiteres Mal Ziel eines solchen Anschlags wird, werden neue Akteure ins Spiel gebracht. Darunter befindet sich auch der durchtriebene Gōda Kazundo, der Sektion 9 übergestellt ist.

Folgen des Krieges

Ghost in the Shell - Stand Alone Complex 2nd GIG (3)Major Kusanagi Motoko gefällt die undurchschaubare Intervention von Gōda genauso wenig wie ihrem Vorgesetzten Chief Aramaki Daisuke. Während Gōda vordergründig mit Sektion 9 zusammenarbeiten will, verfolgt er im Hintergrund seine ganz eigenen Pläne. Im Verlauf der Ermittlung erkennt Kusanagi, dass sie einem weiteren Stand Alone Complex auf der Spur ist. Um der Handlung in der zweiten Staffel folgen zu können, muss man die fiktive Geschichte verstehen können. In der Vorgeschichte der Serie gab es sowohl einen dritten, als auch einen vierten Weltkrieg. Diese spielten sich unter anderem auf den japanischen Inseln und in Indochina, sprich Teilen Südostasiens, ab. Die Kriege führten dazu, dass Flüchtlinge in die umliegenden Länder geströmt sind. Als das nördlich gelegene China die Grenzen für Flüchtlinge geschlossen hat, flohen die Flüchtlinge auch nach Japan. Da Großstädte wie Tōkyō nicht mehr aufgebaut worden und stattdessen Mega-Metropolen wie Niihama entstanden sind, entschloss sich die Regierung dazu, eben dort Camps für Flüchtlinge zu errichten. Auf der Insel Dejima sind ebenfalls Flüchtlinge zu finden, aus denen der Terrorist Kuze Hideo hervorgeht und gemeinsam mit den Unabhängigen Elf einen souveränen Staat gründen will, da die Flüchtlinge wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Leider nimmt der Terrorismus überhand.

Parallelen zur Realität

Ghost in the Shell - Stand Alone Complex 2nd GIG (4)Ob und wie Kusanagi und ihr Team die Bedrohung, bei der sogar von Plutonium die Rede ist, abwenden können, verraten wir euch an dieser Stelle nicht. Dadurch, dass alle Episoden nun enger zusammenhängen, wird fast bis zur letzten Minute Spannung aufgebaut. Durch manche Rückblenden und durch die tiefere Einwebung von Nebencharakteren, kommen auch Figuren abseits von Kusanagi, Togusa und Batō zur Geltung. So hat auch der Charakter Ishikawa für den Ausgang der Handlung eine elementare Bedeutung. Wenn man die Anime-Serie aus dem Jahr 2015 betrachtet, so fallen einem zunächst die Parallelen zur europäischen Flüchtlingsproblematik auf. Geht man allerdings zeitlich in der Vergangenheit Japans zurück, so sind die Parallelen noch deutlicher. Beispielsweise wird in der Serie über den umstrittenen Artikel 9 der japanischen Verfassung gesprochen, der besagt, dass Japan darauf verzichtet, die Selbstverteidigungskräfte außerhalb der Landesgrenzen einzusetzen. Außerdem verläuft der Dialog zwischen Japan und den Vereinigten Staaten in Ghost in the Shell sehr schleppend, weshalb der Vertrag über gegenseitige Kooperation und Sicherheit zwischen Japan und den Vereinigten Staaten von 1960 ebenso Thema des Animes wird. Dieses Wissen wird für das Verständnis nicht vorausgesetzt, doch bereichert es die Atmosphäre in der zweiten Staffel enorm.

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nachdem sich die erste Staffel sehr viel Zeit genommen hat, um mich in die Welt von Ghost in the Shell einzuführen und die einzelnen Elemente zu erläutern, gelingt es der zweiten Staffel von vornherein einen durchgehenden und fortlaufenden Handlungsstrang aufzubauen. Trotzdem werden nebenher noch ein paar kleine Details erläutert und auf die sowohl fiktive, als auch realitätsmögliche Politik Japans seriös eingegangen. Der Stil von Ghost in the Shell – Stand Alone Complex geht auch in der zweiten Staffel nicht verloren, denn die bereits bekannten Charaktere agieren gewohnt und führen ihr Leben wie bisher fort. Die Grundlage, die Shirō Masamune 1989 mit dem Manga gelegt hat, funktioniert im Anime aus dem Jahr 2004 auch heute noch. Es wird eine fiktive und beklemmende Welt gezeigt, die aber mit realen Problemen zu kämpfen hat, die im Verlauf der Story ausführlich behandelt werden. Wer die erste Staffel bereits mochte und kein Problem damit hat, dass die Details in den Hintergrund rücken und so mehr Platz für eine durchgehende Handlung lassen, kommt um die zweite Staffel nicht herum. Sie ist wirklich empfehlenswert!

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ghost in the Shell – Stand Alone Complex: 2nd GIG!

© 2002-2005 Shirow Masamune-Production I.G/KODANSHA (Abbildungen)

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