Review: Until Dawn

Until Dawn (1)Lange Zeit entwickelte sich das Survival-Horror-Spiel zu einem Überlebenskampf mit purer Waffengewalt. Nur wenige Spiele konzentrieren sich in dieser Zeit tatsächlich auf die Angst, die beim Spieler hervorgerufen werden soll. Until Dawn bereitet uns diese Angst durchweg.

Until Dawn (2)Until Dawn dreht sich um zehn Freunde, die sich mitten im Winter in den Wäldern und Bergen in einer Hütte einnisten, um eine unvergessliche Zeit zu erleben. Um sich die Zeit zu vertreiben, entschließen sie sich dazu, Hannah einen Streich zu spielen. Diese hegt nämlich romantische Gefühle für Mike und als sich dieser Hannah angeblich hingeben will, erschrecken sie Hannah und erniedrigen sie vor laufender Kamera. Sie flieht aus dem Haus hinein die die dunkle Nacht und den Schneesturm. In der Rolle von ihrer Schwester Beth folgen wir der armen Hannah, bemerken unheimliche Geräusche, erschrecken uns vor jedem Schatten und einem Mann mit einem Flammenwerfer. Wir finden zwar Beth, doch unser Schicksal scheint besiegelt. Wir stürzen gemeinsam mit unserer Schwester ab und sterben. Unsere Leichen sind allerdings unauffindbar, weshalb seit einem Jahr die polizeilichen Ermittlungen andauern. Um seinen beiden Schwestern zu gedenken, lädt Josh zwölf Monate später die sieben Freunde ein, die beim Verschwinden der beiden Mädchen dabei gewesen waren. In dieser Zeit hat sich viel verändert, denn Mike ist nicht mehr mit Emily zusammen. Während er mit Jessica flirtet, wird Emilys neuer Freund Matt ständig von ihr schikaniert. Chris hat hingegen immer noch nicht seinen Mut gefasst, um Ashley seine Liebe zu gestehen. Josh schaut sich das amüsiert an.

Gruselstimmung

Until Dawn (3)Freundschaft, Liebe und Vertrauen sind die zentralen Themen des Spiels. Greifbare Themen, die jeder von uns nachvollziehen kann. Obwohl das Spiel schon bald wie ein Teenie-Drama wirkt, kann Until Dawn glaubhaft seine Geschichte erzählen. Kurios sind hingegen die ganzen Einflüsse des Spiels, welche sich um einen entflohenen Massenmörder, einem Indianerfluch und gefährlichen Tieren drehen. Zwischen den zehn Kapiteln des Spiels wachen wir zudem immer mal wieder bei einem Psychiater auf, der eher den Begriff Psychopath verdient und von uns wissen will, vor was und in welchem Maße wir in dieser Welt eigentlich Angst haben. Lassen wir uns auf sein Spielchen ein, wirkt das Zusammentreffen der Freunde noch einmal um eine ganze Ecke gruseliger. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es in Until Dawn keine Schusswaffen – wir achten in der Dunkelheit auf jeden Schatten und jedes Geräusch. Hinter jeder Ecke könnte schließlich eine neue Bedrohung auf uns warten. In besonders gruseligen Momenten schaltet sich übrigens für wenige Sekunde unsere PlayStation-Kamera ein, die dann ein Video für uns aufnimmt, in dem dann zu sehen ist, wie wir uns vor einem Waschbär oder einer Krähe erschrecken. Aber auch wenn die Kamera nicht eingeschaltet ist, läuft uns jederzeit ein Schauer über den Rücken. Die Atmosphäre des Spiels ist hier sehr, sehr dicht.

Schmetterlingseffekt

Until Dawn (4)Until Dawn ist kein gewöhnliches Survival-Horror-Spiel, denn verkörpern wir hier nicht nur einen der Freunde, der innerhalb der zehn Stunden bis zur Morgendämmerung überleben soll, sondern gleich alle acht Charaktere. Abwechselnd spielen wir die Figuren, die entweder alleine oder im Duo die Hütte mitsamt ihrer Umgebung erkunden. Ziel des Spiels ist es, das möglichst viele Freunde überleben. Sollte jemand in dieser Nacht sterben, bleibt er tot. Jede Entscheidung, die wir mit den Charakteren treffen, verändert die Handlung mal mehr oder weniger stark. Der berühmtberüchtigte Schmetterlingseffekt, der (ausgedrückt in einer Metapher) besagt, dass ein Flügelschlag des Insekts hunderte Kilometer entfernt einen Tornado auslösen kann, wird in Until Dawn zur Lebensweisheit. Die kleinste Entscheidung kann den Ausgang der verschiedenen Handlungsstränge beeinflussen. Ein genaues Beispiel aus dem Videospiel möchten wir euch aus Spoiler-Gründen nicht verraten, aber stellt euch einmal vor, ihr wäret mit euren besten Freunden ebenfalls in solch einer Hütte während eines Schneesturms gefangen. Der Strom fällt aus und jemand muss den Generator aktivieren. Schickt ihr eure Freundin Anna in den Keller, wird sie sich zu Tode fürchten. Geht ihr selbst, werdet ihr zwar auch die Angst spüren, doch schließlich wird Anna euren Mut bewundern und sich in euch verlieben.

Quick-Time-Tode

Until Dawn (5)Je schneller die Charaktere den Tod erleiden, desto schneller endet das Spiel. Bei uns haben am Ende, weil wir zu ungeschickt, zu neugierig, zu unüberlegt und zu egoistisch gehandelt haben, nach circa sieben Spielstunden nur zwei Charaktere überlebt. Die Einmalspielzeit fällt zwar kurz aus, doch ist der Wiederspielwert enorm. Schließlich weiß man dann, wie man seine Fehlentscheidungen vermeidet, sodass jeder gerettet werden kann. Until Dawn fühlt sich stellenweise wie Heavy Rain an und verbindet es mit der beklemmenden Atmosphäre von The Evil Within. Trotzdem sollte man sich vor dem Kauf im Klaren darüber sein, dass der Titel viele (faire) Quick Time Events beinhaltet und das Erkunden der oft schlauchartigen Spielabschnitte auf ein Minimum reduziert ist. Immerhin finden wir abseits der Wege jede Menge Informationsmaterial, dass sich auch in der Form eines recht furchteinflößenden Videos immer mehr wie ein Mosaik zusammensetzt. Auf der technischen Seite ist Until Dawn ein sehr zweischneidiges Schwert. Die wunderschöne Optik mit einer meist butterweichen Bildwiederholungsrate beeindruckt uns gemeinsam mit der Soundkulisse. Dazu gesellen sich gute deutsche Sprecher, deren nicht lippensynchrone Soundfiles häufig blechern klingen. Fans von filmartigen Videospielen und des Survival-Horror-Genres müssen hier dennoch zugreifen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Bis wenige Wochen vor Release des Spiels habe ich von Until Dawn gar nichts gewusst. Erst die aggressive Werbekampagne im Fernsehen hat mich auf das Videospiel aufmerksam gemacht. Nach den ersten positiven Kritiken zu Until Dawn habe ich dann auch selbst Hand an das Spiel gelegt. Auch wenn die grundlegenden Gameplay-Mechaniken sich nur auf das Erkunden der Spielabschnitte, das Sammeln von Informationen und dem Ausführen von Quick Time Events beschränken, kann Until Dawn gerade mit seiner grandiosen Erzählweise diese Punkte ausgleichen. Zunächst erzählt das Spiel nur banale Geschichten über sämtliche Figuren, doch später fließen noch fingierte, psychotische, mythische und übernatürliche Elemente mit ein und es ist beeindruckend, wie Entwickler Supermassive Games es geschafft hat, diese Elemente miteinander zu verbinden, sodass die Handlung am Ende tatsächlich noch einen Sinn ergibt. Je länger man dazu Zeit mit den Freunden in den Bergen verbringt, desto mehr wachsen sie einem ans Herz. Genau hier spielt Until Dawn immer im richtigen Moment mit den Entscheidungen, die ich stellvertretend für die acht Charaktere treffen soll. Besonders in der zweiten Hälfte des Spiels könnte jede dieser Entscheidungen die letzte sein, welche der Charakter trifft. Wer gut überlegt und kombiniert, wird aber zumindest eine Person aus dem Albtraum befreien können – Until Dawn bleibt mit seinen Quick Time Events und Entscheidungsmöglichkeiten immer sehr fair und diesen Spagat hinzukriegen, ist wahrhaftig nicht leicht. Um den Charakteren etwas näher zu sein, habe ich das Spiel ebenfalls in einer Nacht durchgespielt – eine Nacht, die ich nicht so schnell vergessen werde.

Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Until Dawn!

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