Review: Kill la Kill (Vol. 1)

Kill la Kill (Vol. 1) (1)Wer sich nicht einmal annähernd mit der japanischen Kultur beschäftigt, bekommt leicht den falschen Eindruck von einer angeblich total überdrehten Nation. Schaut man sich jedoch nur eine Folge des Anime Kill la Kill an, wird genau dieser falsche Eindruck schnell zur Realität.

Kill la Kill (Vol. 1) (2)Kill la Kill erzählt die Geschichte des jungen Mädchens Matoi Ryūko, die zu Beginn der Serie an die Honnōji-Akademie kommt. Sie besucht die Lehranstalt allerdings nicht, um den üblichen Schulalltag zu erleben. Ryūkos Vater wurde nämlich von einer unbekannten Person getötet und so versucht die Protagonisten an der Akademie seinen Mörder zu finden. Wie dieser aussieht oder welche Merkmale ihn am besten beschreiben würden, weiß Ryūko nicht. Ihr einziger Anhaltspunkt ist ein Teil der Waffe, mit welcher er ihren Vater ins Jenseits befördert hat. Dabei handelt es sich um eine riesige Schere, von dieser Ryūko nun selbst eine Klinge nutzt, um den Mord aufzuklären beziehungsweise die Steine zu diesem Ziel aus dem Weg zu räumen. Deshalb sucht sie an ihrer neuen Schule zunächst einmal nach der Person mit dem größten Einfluss – und diese ist in der Person von Präsidenten Kiryūin Satuski schnell gefunden. Den Mord an ihrem Vater kann Ryūko ihr aber nicht anhängen. Die Geschehnisse überschlagen sich in jenem Moment, als Ryūko ihr Zuhause aufsucht und durch eine geheime Falltür plötzlich in ihrem einstigen Keller landet, in welchem sie die Bekanntschaft mit einer sprechenden Goku-Rüstung macht, welche einst ihrem Vater gehörte. Diese Uniformen stehen jedoch eigentlich nur eben jenen Personen zu, die an der Honnōji-Akademie arbeiten.

Drei-Sterne-Akademie

Kill la Kill (Vol. 1) (3)Diese Art von Rüstung wird im Universum von Kill la Kill Kamui genannt. Der ursprünglich aus der Ainu-Sprache stammende Begriff bedeutet so viel wie Geist oder Göttlichkeit und ist den japanischen Kami nicht unähnlich. Ryūko tauft ihren neuen Freund, der sie vor jeglichen Gefahren schützen will, auf den Namen Senketsu. Das Problem mit dem redseligen Senketsu besteht aber nicht in seinem Beschützerkomplex, sondern darin, dass er dafür das Blut seines Trägers fordert. Die unglaublichen Schutzkräfte des Kamui reichen also nur so lange wie sein Träger noch Blut hat. Damit werden die Kämpfe zeitlich beschränkt. Welche Bedeutung die Goro-Uniformen in Kill la Kill haben, wollen wir an dieser Stelle nicht komplett verraten. Fakt ist jedoch, dass der Anime mehrmals in den ersten sieben Episoden auf die Entwicklung des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts eingeht – die Parallelen zum japanischen Ultranationalismus dieser Zeit werden im Anime deutlich. Je mehr man sich in der Honnōji-Akademie bemüht, desto mehr Sterne darf die eigene Uniform zieren. Mit der Anzahl der Sterne fällt und steht auch der Wohlstand, denn wer es tatsächlich schafft, einen weiteren Stern zu erhalten, kommt auch in den Genuss einer neuen Umgebung und darf von den Slums in ein wesentlich fortschrittlicheres Hochhaus ziehen.

Kluft zwischen Armut und Reichtum

Kill la Kill (Vol. 1) (4)In dieser Form wird auch die Kluft zwischen Armut und Reichtum in Japan charakterisiert. In den ersten sieben Episoden kommt es mitunter dazu, dass Ryūko selbst die Erfahrung macht, wie es ist, in beiden finanziellen Ebenen zu leben und welche Risiken damit verbunden sind. Dadurch wird auch die Freundschaft zwischen ihr und ihrer einzigen Freundin Mankanshoku Mako an der Akademie auf eine kurze, aber harte Probe gestellt. Während vordergründig vor allem der Versuch, den Mord an Ryūkos Vater aufzuklären, behandelt wird, kommt es im Hintergrund zwischen den Eliten der Honnōji-Akademie zu Spannungen. Diese sorgen dafür, dass Ryūko ständig von irgendwelchem Klubs angegriffen wird, damit diese einen neuen Stern auf ihrer Uniform tragen dürfen. Die Spannung wird also durchweg aufrechterhalten und mit einem irrwitzigen Humor unterlegt. Durch den wirren Animationsstil und der grafischen Aufbereitung passt das auch hervorragend zusammen. Unterlegt werden die Szenen oft mit klassischer Musik und werden teils wie im US-amerikanischen Kino dargestellt. Die japanische Synchronisation ist wirklich großartig, doch auch die deutsche Synchronfassung kann sich am Original messen lassen. Als Bonusmaterial liegt bei allen Episoden der japanische Audiokommentar vor. Anders wie bei den Episoden gibt es für diesen jedoch keine Untertitel.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ehrlich gesagt hat mich Kill la Kill in den ersten Episoden noch nicht so ganz vom Hocker gehauen. Die grundlegende Handlung finde ich zwar wirklich großartig, wenn man sie auch in abgewandelter Form bereits in der Populärkultur gesehen hat. Ein Alleinstellungsmerkmal besitzt Kill la Kill in diesem Bereich aber definitiv und vor allem mit seinem irrwitzigen Humor. Eine gigantische Schere als Waffe, eine sprechende Uniform, einen väterlichen Lustmolch und einen Hund, der am Tisch fröhlich sein Essen verzehrt, sind nur ein paar der Elemente, welche Kill la Kill zu etwas Besonderem im Genre machen. Dazu passt auch hervorragend der wirre Zeichenstil, der mir auf Dauer aber etwas anstrengend ist. Dadurch, dass nicht nur Ryūkos Geschichte, sondern auch ein paar weitere Erzählstränge im Hintergrund zusammengeflochten werden, bleibt es spannend und ich werde dem Anime auf jeden Fall mit den weiteren Folgen eine zweite Chance geben. Es wäre nicht das erste Mal, dass mich ein Anime erst ab der Hälfte der Serie packen würde. Das größte Manko, welches die erste Volume jedoch hat, ist in meinen Augen der japanische Audiokommentar, der nicht einmal auf der Verpackung beworben wird. Dieser liegt zwar für sämtliche Episoden vor, doch mit deutschen (geschweige denn japanischen Untertiteln) wurde er nicht ausgestattet. So bleibt er für die meisten Käufer sicherlich nutzlos. Peppermint Anime verschenkt hier reichlich Potenzial, denn Audiokommentare im Bonusmaterial gibt es bei Anime-Veröffentlichungen in Deutschland fast nie.

Vielen Dank an Peppermint Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kill la Kill (Vol. 1)!

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