Review: Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 8)

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 8 (Re-Cut) (1)London liegt in Schutt und Asche, denn die historische Stadt wird bis in die Grundpfeiler durch das irrwitzige Treiben von gleich drei Parteien erschüttert. Außerdem scheinen fast alle ihren Spaß daran zu haben, London dem Erdboden gleichzumachen.

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 8 (Re-Cut) (2)8Würde man Außenstehenden erzählen, dass es sich hier um eine Geschichte rund um Vampire und Dracula handelt, würden diese einen sicher nur belächeln. Mangaka Hirano Kōta hatte sich schon in seinem Original-Manga immer weiter Band für Band in seine eigene absurde Welt zurückgezogen und vom klassischen althergebrachten Vampirtum nur die nötigsten Grundelemente mitgenommen. Einzig und allein die totalen Übertreibungen ziehen sich durch sein gesamtes Werk. Für Erzbischof Maxwell ist es als katholischer Inquisitor eine Ehre, den vatikanischen Wahn auch oben in Angelsachsen auszuleben. Selbstredend fragwürdig, aber religiöse Motive sind immer noch bodenständiger, als die reine Freude am Kriegstreiben. Der wuchtige Major, ein Überbleibsel der deutschen Schutzstaffel, sieht hinter dem Krieg keinerlei Begründungen, als seine eigene Bespaßung – so sieht es für den Zuschauer bis jetzt zumindest aus. Nachdem diese Figur aber auch sonst so ziemlich allen bösen und niederträchtigen Klischees entspricht, können wir ihm das auch bedingungslos abkaufen. Interessanterweise gibt es Vertreter aus allen Parteien, die sich von den Ideologien der eigenen Gruppierungen immer weiter distanzieren. Das bietet die Grundlage für unabsehbare Entwicklungen der Handlungsstränge, die ein wenig Komplexität mit sich bringen.

Die Melodie des Krieges

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 8 (Re-Cut) (3)Der Auftritt unseres Lieblingsvampirs Alucard war nur eine Frage der Zeit, wer auch sonst sollte die dritte Seite in diesem Konflikt – nämlich Hellsing – beziehungsweise in dieser miserablen Situation unterstützen. Seras hat dank den ruppigen Ereignissen in den vorherigen Episoden zwar einiges dazugelernt, doch nachdem Alucard aber einmal seine Muskeln spielen lässt, wird seinen Gegner genauso wie uns rasch klar, mit welcher Übermacht das Urgestein der Blutsauger gesegnet ist. Da hilft auch alles Weihwasser, Silber und Knoblauch der Welt nichts mehr, Pater Andersen muss hier zu wesentlich drastischeren katholischen Methoden greifen, um sich diesem Ungetüm gegenüberzustellen. Endlich werden die Zuschauer auch nicht mehr mit Aufschiebungen vertröstet, sondern dürfen dem lang ersehnten Kampf zwischen Alucard und Andersen beiwohnen. Der religiöse Kontrast wird auch diesem Mal auf eine neuartige Spitze getrieben. Die japanische Leichtigkeit sollte uns natürlich davon abhalten, alle Aussagen allzu ernst zu nehmen, auch wenn in der Geschichte genug religiöse Randale betrieben wurden. Themen wie Kreuzzüge oder Austreibungen, die Hellsing aufgreift, muss die Serie zum Glück gar nicht in einen geschichtlichen Kontext stellen, nachdem das gesamte Setting abstrus genug ist.

Handgezeichnet vs. computeranimiert

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 8 (Re-Cut) (4)Dazu liegt über allen Gruppierungen immer noch die neblige Schicht des schwarzen Humors, sodass sich niemand sicher sein kann, ob eine ernste Szene nicht doch gleich wieder mit spaßigen Sprüchen durchbohrt wird. Gemeinsam erfreuen sich auch alle Figuren über ihre hochwertige Darstellung mit wahnsinnig guten Animationen. Die zeitlose Qualität resultierte aus der Zusammenarbeit der Studios Kerumadikku und Gurafinika, die den Epos auch bis Episode zehn zu Ende führen werden. Dazu gibt das Wendecover erneut Einblicke in den Produktionsprozess der Episode, diesmal dreht sie sich um den nicht zu verachtenden CGI-Anteil. Da in diesem Film besonders viele bewegte Objekte und Heerscharen von Figuren auf einmal abgebildet werden, ist es verständlich, besonders auf Computer-Animationen zu setzen. Verantwortlicher Shirai Hiroshi plaudert über Probleme mit der Modell-Anzahl, die ihre damaligen Rechner ein wenig zum Schwitzen gebracht haben. Über ein Jahr Arbeit hat er uns seine Kollegen in diese wichtige Komponente der Gestaltung investiert – das Ergebnis kann sich sehen lassen. Für die Ohren erledigen dieselben Sprecher sowohl auf Japanisch und auch natürlich auf Deutsch ihr Übriges. Die deutsche Tonspur steht der originalen in nur wenig nach. Japanisch als ausdrucksstarke Mediensprache funktioniert aber unserer Meinung nach für diese absurde Erzählung ein Fünkchen besser.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Einmal mehr begeistert mich Hellsing durch seine extrem hochwertigen Standards, die von der Qualität der Präsentation bis zur Erzählweise reicht. Der entsetzliche Kontrast zu den Inhalten wird durch die gediegene Einarbeitung von Humor und durch demonstrativer Übertreibung entkräftet. Von Episode zu Episode nehmen diese Komponenten an Intensität immer weiter zu, sodass sich das Abenteuer bis zum Finale hin sogar noch steigern kann. Fans des klassischen Horrors sowie derer stilistischer Action dürfen hier seltener Weise gleichermaßen Begeistert sein.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 8)!

© 2006 Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / WILD GEESE

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