Review: Last Exile: Complete Box – Range Murata Edition

Last Exile - Complete Edition (1)Der Anime Last Exile aus dem Jahr 2003 beschäftigt sich mit der Faszination des Fliegens, dem Leiden des Krieges und dem Fanatismus. Regisseur Chigira Kōichi gelingt es, in einer dystopischen Welt ganze 26 Episoden lang neue Hoffnung auf Frieden keimen zu lassen.

Last Exile - Complete Edition (2)Die Handlung von Last Exile spielt in einer vom Krieg zerrütteten Welt, in der nichts weiter als Zwietracht herrscht. Auf dem Planeten existieren die beiden Reiche Anatoray und Dysis, die nur durch den so genannten Großen Strom voneinander getrennt werden. Fernab dieser beiden Fraktionen existiert noch die Gilde, welche den Krieg diktiert und somit Zwietracht in beiden Ländern säht. Vor diesem dystopischen Hintergrund erzählt der Anime die Geschichte zweier Teenager, die schon in jungen Jahren ihre Eltern verloren haben. Insbesondere werden ihre Väter betont, da diese bereits versucht haben, den Großen Strom zu durchqueren, um der Welt den Frieden zu bringen. Klaus Valca und Lavie Head leben seit dem Verschwinden ihrer Eltern gemeinsam in der Stadt Norkia und führen das Erbe ihrer Vorfahren weiter. Sie erledigen mit ihrem Vanship, einer Art kleinem Flugzeug, Kurierdienste. Das führt sie unweigerlich ins Schlachtfeld, wo die Besatzungen riesiger Luftschiffe miteinander kämpfen. Die politischen Verhältnisse zwischen beiden Staaten sind angespannt, sodass eine friedliche Lösung kaum möglich erscheint. Trotzdem wissen Klaus und Lavie, dass sie nicht aufgeben dürfen und ihre Botschaften überbringen müssen. Hoffnung keimt auch in Form von friedlichen Flugrennen in Norkia auf, bei denen Klaus und Lavie mit dem Schicksal konfrontiert werden.

Kriegt bleibt immer gleich

Last Exile - Complete Edition (3)Sie retten die junge Alvis Hamilton, an der die Gilde ein besonderes Interesse hat, davor, entführt zu werden. Seither werden sie jedoch von der Gilde verfolgt und gejagt. Als sich dann auch noch Alex Row, der Kapitän des Luftschiffs Silvana, ins Geschehen einmischt und das Leben von Klaus und Lavie auf den Kopf stellt, wissen die beiden endgültig, dass sie sich mitten zwischen den Fronten eines unsichtbaren Kriegs befinden, der noch viel schlimmer ist, als das Kanonenfeuer, welches unermüdlich an ihrem Horizont erschallt. Last Exile schafft es vor allem in den ersten Episoden eine spannende Geschichte zu entwickeln. Der Mittelteil ist jedoch zuweilen sehr anstrengend, da vor allem zu wenig Bezug auf die politischen Verhältnisse genommen wird und mehr Nebensächlichkeiten erklärt werden. Dafür entschädigt der Anime im letzten Seriendrittel mit einer tiefgründigen, wendungsreichen und opulenten Story, die wir so nicht kommen gesehen haben. Sie ergibt ein ähnlich rundes Gesamtbild wie im Anime Trinity Blood. Die Kluft zwischen der industriellen Länder Anatoray und Dysis, sowie der futuristischen Entwicklungsstufe der Gilde, wird von Episode zu Episode größer. Anhand der Luftschiffe lässt sich ein gewisser Steampunk-Einfluss nicht abstreiten. Beim Kleidungsstil hat man sich hingegen an historischer Kleidung des 18. und 19. Jahrhunderts bedient.

Kunst von Murata Renji

Last Exile - Complete Edition (4)Optisch ist der Anime mit seinem Stil wirklich beeindruckend. Auch die dreidimensionalen Objekte, die in den Anime eingebunden wurden, sind für das Entstehungsjahr großartig. Es ist jedoch schade, dass wie bei vielen anderen Anime aus dieser Zeit ein diffuses Licht den hochauflösenden Bildern schadet, auch wenn der Stil so eine vortreffliche Note erhält. Die Musik ist hingegen großartig, da nicht nur mit orchestraler Musik, sondern auch mit Gesang gearbeitet wurde und in dieser Disziplin an Bands wie The Beatles erinnert. In puncto Synchronisation sollte man sich an die japanische Sprachfassung halten. Die deutsche Synchronisation geht zwar in Ordnung, doch viele Sprecher wirken deplatziert. Besonders die jüngeren Charaktere wirken zu alt. Wer des Japanischen nicht mächtig ist, darf selbstverständlich Untertitel hinzuschalten. Digitales Bonusmaterial sucht man in der Komplettbox vergeblich. Stattdessen liegt dem Anime ein 84-seitiges Booklet bei, welches viele Informationen über die Hintergrundgeschichte, die Vanships und die Charaktere in Textform und Illustrationen bereithält. Außerdem sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der japanische Illustrator Murata Renji sich für das Design der Verpackung verantwortlich zeigt. So dürfen sich Käufer nicht nur über einen sehr anspruchsvollen Anime, sondern auch eine wunderschön gestaltete Box in ihrem Regal freuen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nachdem ich die ersten Episoden von Last Exile gesehen habe, konnte ich schon fast nicht mehr aufhören, den Anime zu konsumieren. Allerdings hat sich der Mittelteil des Anime dermaßen gefühlt in die Länge gezogen, dass man an dieser Stelle schnell die Lust verloren habe. Allerdings habe ich durchgehalten und wer hier wirklich durchhält, wird im letzten Seriendrittel absolut zufriedengestellt. Die Handlung setzt sich von Episode zu Episode mehr zusammen und beantwortet der Reihe nach alle offenen Fragen. Außerdem gefällt mir, dass die meisten Episoden genau am Ende der vorherigen Folge ansetzen. Bei relativ kurzen Serien im Anime-Segment ist dies kein Selbstverständlichkeit und eher selten anzutreffen. Wenn man sich im Mittelteil von Last Exile mehr um die politischen Verhältnisse beider Nationen gekümmert hätte und weniger auf das Nebensächliche bedacht gewesen wäre, hätte das Werk von Chigira Kōichi noch ein ganzes Stück besser sein können. Lehnt man sich aber zurück und genießt sowohl die hübschen, aber von diffusem Licht begleiteten Bilder, zusammen mit dem wirklich tollen Soundtrack, vergeht jede Episode von Last Exile wie im Flug. 2011 erfolgte im Übrigen eine Fortsetzung der Serie, die bis heute auf eine Übersetzung ins Deutsche wartet. Ich würde mich freuen, wenn Nipponart (oder ein anderer Publisher) sich die Rechte für die Fortsetzung sichern könnte. Nach dem Abspann der letzten Episode dünkt es mich nämlich schon nach neuen Abenteuern. Das ist ein Gefühl, welches mir nicht jeder Anime schenkt und für die Qualität von Last Exile spricht.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Last Exile: Complete Box – Range Murata Edition!

© 2003 GONZO/FlyingDog

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