Review: Street Fighter V

Street Fighter V (1)Mit dem Mitte 2008 erstmals veröffentlichten Street Fighter IV und seinen später publizierten Editionen erreichte die legendäre Beat-’em-up-Reihe ihren Höhepunkt. Street Fighter V kann diesen Klimax bei Weitem nicht erreichen. Das hat auch einen Grund: Es mangelt an Umfang.

Street Fighter V (2)Wie sein Vorgänger ist auch Street Fighter V in mehrere Spielmodi aufgeteilt. Die Geschichte des Spiels beziehungsweise der sechzehn enthaltenen Charaktere erleben wir im Story-Modus. In diesem Punkt ähnelt sich Street Fighter V dem direkten Vorgänger, denn auch diesmal erleben wir der Reihe nach jeweils die Story des ausgewählten Kämpfers, die sich gelegentlich mit den Handlungsbögen der anderen Protagonisten kreuzt. Allerdings lässt sich jede Story eines Charakters in jeweils circa zehn Minuten abarbeiten. Das liegt daran, dass es jeweils nur drei Kämpfe gibt, die bestritten werden wollen. Außerdem erzählen ausnahmslos sehr lahme Standbilder die Geschichte. Warum sich Capcom für diesen Schritt entschieden hat, ist uns schleierhaft. Während diese Erzählform in westlichen Spielen von einigen bereits stark verpönt wird, ist es bei japanischen Titeln umso schwerwiegender. Hier erwarten wir Anime-Sequenzen; eben auch, weil Street Fighter IV das wunderbar vorgemacht hat. Inhaltlich können die Geschichten aber auch dieses Mal keinen Blumentopf gewinnen, doch Geschichtenerzählen war seit jeher keine Stärke der Serie. Diese wirken wieder einmal sehr aufgesetzt und leben vor allem von der Faszination für die Kämpferriege. Das heißt, dass jedes kleine Detail von Fans auf die Goldwaage gelegt und anschließend bis zur Unendlichkeit glorifiziert wird.

Dünne Einzelspieler-Erfahrung

Street Fighter V (3)Dieser Prozess unterstützt uns dabei, sich mit einem der Straßenkämpfer zu identifizieren. In Street Fighter V ist dieser Vorgang vielleicht sogar bitter nötig, denn Fans der ersten Stunde werden sich wohl oder übel darüber aufregen, dass viele bekannte Gesichter einfach nicht mit von der Partie sind. Edmond Honda, Fei Long oder Crimson Viper sind nur drei der dutzenden Charaktere, die nicht in Street Fighter V auftauchen. Es ist uns zwar durchaus bewusst, dass diese Charaktere auch in einigen anderen Serienteilen nicht auftauchen, doch vergleichen wir die vorhandene Kämpferriege mit der des für Xbox 360, PlayStation 3 und PC veröffentlichten Street Fighter IV, dann ist es schon sehr erbärmlich, dass gerade einmal ein Drittel der Anzahl an Charakteren spielbar sind. Ebenso ärgerlich ist der gestrichene Arcade-Modus. Stattdessen können wir uns offline im Versus-Modus mit einem Freund die virtuellen Köpfe einschlagen – auf dem PC funktioniert dies übrigens nur mit zwei angeschlossenen Controllern. Mit einem Computergegner ist der Modus nicht spielbar. Wer trotzdem noch eine Einzelspieler-Erfahrung sucht, darf sich am Survival-Modus versuchen. Hier bekämpfen wir rundenweise Gegner und erhalten Punkte. Nach jedem Kampf dürfen wir Punkte in Booster investieren, die zum Beispiel unsere Lebensenergie wieder auffrischen. Das Ziel des Modus ist es, am Ende der Partie mit den übrigen Punkten einen neuen Highscore aufgestellt zu haben.

Street Fighter V: Unfinished Edition

Street Fighter V (4)Das Problem dabei ist jedoch, dass wir zwischen den Kämpfen den Charakter nicht wechseln dürfen und auch die Stage nicht bestimmen können. Diese Individualisierungsarmut ist der nächste Tiefschlag für das Spiel – noch vor den Herausforderungen, die wir im Spiel noch nicht angehen dürfen. Zwar taucht der Herausforderungsmodus im Menü auf, lässt sich aber nicht anwählen. Der Grund dafür ist traurigerweise denkbar einfach: Capcom hat ihn bis zum Release nicht fertigstellen können und wird deshalb später in Form von Download-Inhalten nachgereicht. Ähnlich soll es auch mit einigen Charakteren geschehen, die dann im Store zum Kauf angeboten werden. Wie die finale Preisgestaltung aussehen wird, verrät uns der Titel leider ebenfalls nicht. Ähnlich wie der Herausforderungsmodus taucht nämlich auch der ominöse Store im Menü auf, lässt sich aber ebenfalls noch nicht auswählen. Stattdessen versucht Street Fighter V eine schöne Online-Erfahrung zu bieten. So sind unter anderem Freundschaftsspiele und Liga-Matches auswählbar. Während wir bei den Freundschaftsspielen tatsächlich nur unsere Fähigkeiten miteinander messen, verdienen wir bei einem Liga-Spiel auch Punkte, um in der weltweiten Ranglisten aufzusteigen. Das Abspeichern von Wiederholungen, Merken von bestimmten Kontrahenten und eine Kampfanfrage-Option lockern den Spaß auf.

Harmonisches Ineinandergreifen

Street Fighter V (5)Beim Online-Modus fallen uns jedoch zwei Sachen negativ auf. Zum einen dauert die Suche nach einem neuen Gegner gefühlt oft zu lange und zum anderen ist es nicht möglich, unserem Gegner per Tastatur Chat-Nachrichten zu senden. Das sind zwei unumstößliche Fakten, die für ein Spiel im Jahr 2016 nicht tragbar sind. Trotzdem ist Street Fighter V durch und durch kein schlechtes Spiel, obwohl der unfertige Zustand dies vermuten lassen könnte. Nach wie vor konzentriert sich der Titel ohne großen Schnickschnack hervorragend auf die Kämpfe. Die wenigen enthaltenen Kämpfer bieten unterschiedliche und vor allem abwechslungsreiche Moves. Da werden Würfe, Schläge und Tritte miteinander kombiniert, um anschließend verheerende Spezialattacken auf den Gegner loszulassen. Außerdem gilt es den gegnerischen Attacken und Angriffskombinationen geschickt auszuweichen oder im richtigen Moment zu blocken. Die Spezialfähigkeiten, die einmal mehr über zwei verschiedene Spezialangriffsleisten ermöglicht werden, ergänzen das Spektrum an Moves eigentlich hervorragend. Nur Puristen dürften auch diesmal wieder nicht damit einverstanden sein, dass man diese Angriffe nicht abschalten kann. Wer damit leben kann, muss sich im Klaren darüber sein, teils ellenlange Tastenkombinationen auswendig zu lernen. Anfänger werden hier sicher viel Zeit investieren.

Unterlegener Serienteil

Street Fighter V (6)Optisch bietet Street Fighter V einen Comic-Stil, der selbst auf älteren Mittelklasse-Rechnern in den höchsten Einstellungen flüssig läuft. Der Stil spaltet dennoch die Gemüter, da er gewöhnungsbedürftig ist und kleinere Makel vorweist. Besonders Gestik und Mimik funktionieren nicht so, wie sie es sollten. Dafür machen die Effekte in den Kämpfen, wenn Feuerbälle oder Wirbelwinde über den Bildschirm huschen, eine sehr schöne Figur und unterstützen mit ihren Kampfgeräuschen die Atmosphäre des Spiels. Ebenso gefallen uns die Hintergründe der Stages, doch da der Titel anders wie der Vorgänger an Umfang spart, sind diese eben auch nur bedingt abwechslungsreich. Dazu gesellt sich ein passender Soundtrack, der sehr gut zu den Kämpfen passt, doch auch hier muss sich Street Fighter V dem grandiosen Vorgänger geschlagen geben. Die Dialoge des Spiels sind im Übrigen wahlweise auf Englisch oder Japanisch vertont. Während die japanische Synchronisation wirklich hervorragend ist, fällt die englische Umsetzung mittelmäßig aus. Da die Untertitel und Menütexte allesamt in Deutsch vorliegen, sollte hier tatsächlich jeder zu Gunsten der Atmosphäre zur japanischen Originalsynchronisation entscheiden. Ein Totalausfall ist Street Fighter V unterm Strich also nicht geworden, doch wird es im derzeitigen Zustand ein Beat ’em up bleiben, das ungleich viel mehr bieten könnte!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Ich bezeichne mich selbst oft und gerne als sehr großen Street-Fighter-Fan, obwohl ich nur den zweiten und den vierten Serienteil mitsamt seinen fast unzähligen Editionen dutzende Stunden lang alleine und mit Freunden gespielt habe. Dabei wurde mir auch alleine wirklich nie langweilig, denn besonders Street Fighter IV hat mich mit seinem großen Inhalt wirklich sehr begeistert und mich monatelang dazu bewegt, das Spiel immer mal wieder in meine Konsolen einzulegen – schließlich könnte ich meine Fähigkeiten mit meinen favorisieren Kämpfern noch verbessern oder einfach Zeit verbringen, nicht aus der Übung zu kommen. Genau dies ist der Casus knacksus, der mir an Street Fighter V Kopfzerbrechen beschert. Das Gameplay von Street Fighter V mag zwar in gewisser Weise durchaus funktionieren, da es ja im Grunde auch nichts großartig anders wie die Vorgänger macht und das ist auch wirklich gut so! Inhaltlich hingegen ist das Spiel der jüngsten Serientradition einfach mehr als unwürdig. Street Fighter V enthält nur ungefähr ein Drittel des Inhalts der ersten Heimkonsolenveröffentlichung von Street Fighter IV! Gerade einmal sechzehn Kämpfer und noch viel weniger Stages stehen mir im Grundpaket zur Auswahl. Ich kann wirklich nicht glauben, dass Capcom das Spiel in einem dermaßen unfertigen Zustand ausgeliefert hat und zukünftig auf Download-Inhalte setzen will, für die man wohl entweder für die Ingame-Währung oder gar für Echtgeld zur Kasse gebeten werden wird. Hier muss mir der Konzern noch zeigen, dass die finale Preisgestaltung wirklich akzeptabel ist und zum Spiel passt – auch wenn das noch lange nicht entschädigt, dass das Spiel in diesem Zustand erschienen ist. Wer irgendeine Version von Street Fighter IV nämlich bereits sein Eigen nennt, hat derzeit absolut keinen Grund, sich den neuesten Serienteil auch nur anzuschauen. Wem selbst Street Fighter IV in der Sammlung fehlt, sollte meiner Meinung nach unbedingt zum wesentlich kostengünstigeren Street Fighter IV greifen, da es nahezu alles besser macht (oder gleichwertig ist). Zumindest im jetzigen Zustand ist Street Fighter V für mich enttäuschend, weshalb ich dem Titel selbst Serienfans oder Beat-’em-up-Liebhabern momentan nicht empfehlen kann. Hier muss Capcom dieses Mal ordentlich nachbessern!

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Street Fighter V!

Ein Kommentar zu “Review: Street Fighter V

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