Review: Speed Grapher (Collector’s Edition)

Speed Grapher - Collector's Edition (1)Speed Grapher gehört wohl zu den Anime, der zwar von vielen Fans positive Resonanz erhielt, in den letzten Jahren jedoch etwas in Vergessenheit geraten sein dürfte. Nipponart hat Erbarmen mit den Fans und veröffentlichte Ende März 2016 endlich die wohl verdiente Neuauflage.

Speed Grapher - Collector's Edition (2)In Japan wurde Speed Grapher erstmals 2005 im Fernsehen ausgestrahlt. Hierzulande musste man, für die damalige Zeit eher unüblich, nur bis Mitte 2006 warten. Bis zum Jahr 2007 wurde die Anime-Serie vom nicht mehr existenten Publisher OVA Films aufgeteilt auf sechs Volumes in Deutschland vertrieben, bevor sie erstmals im Fernsehen zu sehen war. Erst im März 2016 folgte dann die Neuveröffentlichung von Nipponart in einer Gesamtausgabe, die man als Collector’s Edition vermarktet. Der Anime spielt in der japanischen Hauptstadt Tōkyō zu Beginn des 21. Jahrhunderts und dreht sich vor allem um den Fotografen Tatsumi Saiga, der sein Geld damit verdient, wichtige Berühmtheiten zu beschatten. Bei einer Observierung landet er durch einen Zufall in einem geheimen Club unter dem Tōkyōer Viertel Roppongi. In diesem Club, in dem nur ausgewählte und für die Gesellschaft und Wirtschaft wichtige Menschen geladen sind, sollen alle geheimen Lüste erfüllt werden. Als Saiga das für ihn perfekte Motiv, eine herabschwebende und verkleidete junge Frau, auftaucht, schießt er prompt ein Foto von ihr. Obwohl er von den Wachen daraufhin zu Tode geprügelt werden soll, küsst ihn das Mädchen, wodurch er eine Euphoria-Kraft erhält. Mit dieser Kraft ist es ihm möglich, seine Wunden zu heilen und mithilfe seiner alten Kamera Objekte und Lebewesen explodieren zu lassen.

Beschützerinstinkt

Speed Grapher - Collector's Edition (3)Des Weiteren dreht sich die Geschichte von Speed Grapher um Tennōzu Kagura, eben jenes Mädchen, das im geheimen Club Saiga küsst. Bei Kagura handelt es sich um die Erbin des Tennōzu-Konzerns, die von ihrer Mutter Shinsen schlecht behandelt wird. Sie leidet sowohl an leichter Unterernährung, als auch an den Folgen sozialer Ausgrenzung in ihrer Schule. Um ihr Wohl kümmert sich angeblich Suitengū Chōji. Dieser nutzt Kagura aufgrund ihrer seltsamen Gabe allerdings nur aus, um im geheimen Club in Roppongi ausgewählten Personen die Fähigkeiten zu verleihen, um den Tennōzu-Konzern in Japan zu stärken. Im Grunde erzählt der Anime die Flucht der beiden Hauptfiguren. Dabei werden sie unter anderem von Saigas altem Freund und Arzt Ryōgoku Genba unterstützt, aber auch von anderen Personen bei ihrem Vorhaben, Suitengū aufzuhalten und eine Erklärung für ihre Fähigkeiten zu finden, aufgehalten. Ginza Hibari, eine Kriminalbeamtin, ist dafür das wohl beste Beispiel. Da sie in Saiga verliebt ist, sieht sie Kagura als Bedrohung und sorgt teilweise unabsichtlich dafür, dass Saiga und Kagura gelegentlich in Lebensgefahr schweben. Suitengū schickt während ihrer Flucht ständig neue Widersacher hinter den beiden her, die mit Euphoria-Kräften ausgestattet sind, weshalb Saiga Kagura mit dem Einsatz seiner Kamera regelmäßig beschützen muss.

Grandioses Charakterdesign

Speed Grapher - Collector's Edition (4)Das Charakterdesign von Kozaki Yūsuke ist wirklich einmalig. Der Künstler hat dafür gesorgt, dass abwechslungsreiche Feinde auf die Protagonisten warten. Eine Feindin, die Diamanten verzehren muss, um einen kristallfarbigen und harten Körper zu formen oder ein Gegner, der sich in einen Lautsprecher verwandelt und im wahrsten Sinne des Wortes die Ohren seiner Opfer bluten lässt, sind nur zwei von vielen abartigen Beispielen, die sich Kozaki hier hat einfallen lassen. Regisseur Sugishima Kunihisa ist es daher wohl sehr leicht gefallen, die Charaktere von einem Ort zum nächsten zu schicken und die Handlung durchweg spannend zu gestalten. Lediglich die sechzehnte Episode, die eigentlich nur eine Zusammenfassung inklusive einer amüsanten Kosten-Nutzen-Rechnung darstellt, hätte man sich vielleicht sparen oder zumindest kürzerfassen können. Dafür entschädigt direkt die siebzehnte Episode, die mit Flashbacks auf Ereignisse vor der Handlung zurückblickt und vor allem den durchtriebenen Suitengū wesentlich greifbarer macht. Auch wenn der Anime inhaltlich wirklich fantastisch und ideenreich ist, kann die technische Grundlage in den Bereichen Bild und Ton nicht ganz so überzeugen. Die Blu-ray-Fassung von Speed Grapher liegt nämlich leider nur durchweg in der Auflösung von 1080i vor und entspricht somit nicht ganz den heutigen Erwartungen.

Halbgare Bildqualität

Speed Grapher - Collector's Edition (5)Dadurch ist es allerdings zu verschmerzen, dass das Bild nicht immer gestochen scharf wirkt. Oft wird diffuses Licht verwendet, um das Bild in der 16:9-Auflösung geringfügig verwaschen wirken zu lassen. Da sich für Speed Grapher wie bei Last Exile und Trinity Blood das Animationsstudio Gonzo verantwortlich zeichnet, kennen wir das Stilmittel bereits. Bei Speed Grapher wirkt das Stilmittel in Verbindung mit Leuchtreklamen und anderen Lichtquellen ebenfalls gut, auch wenn die eigentliche Bildqualität etwas darunter leidet. Es gibt wirklich nur wenige Szenen, in denen das Bild der Anime-Serie wirklich überzeugt. Dafür entschädigen sowohl schöne Animationen und Effekte, als auch hervorragendes Charakterdesign, das vor allem aufgrund der abwechslungsreich gezeichneten Antagonisten überzeugen kann. Hier ist der Anime dem Entstehungsjahr 2005 definitiv würdig. Der Soundtrack zu Speed Grapher stammt aus der Feder des Komponisten Mitsumune Shinkichi und bietet zwar nur wenige, dafür aber schnell wiedererkennbare Tracks. Die markanten Stücke passen hervorragend zu den ruhigen, aufregenden und traurigen Situationen. Beim Vorspann hat man sich bei der Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum im Übrigen nicht für die japanische Fassung, die mit dem Song Girls on Film von der britischen Band Duran Duran unterlegt wird, entschieden.

Katastrophales Synchronbuch

Speed Grapher - Collector's Edition (6)Stattdessen wird das Intro mit Mitsumunes Stück Shutter Speed, das auch in der US-amerikanischen Fassung verwendet wurde, unterlegt. Unserer Meinung nach sogar die bessere Entscheidung, da der Song von Duran Duran nicht durchweg im Kontext zur Anime-Serie steht. Ärgerlich ist jedoch, dass auf der Verpackung sowohl für die deutsche, als auch für die japanische Tonspur mit dem Format DTS-HDMA 5.1 geworben wird. Im Menü jedes der vier Datenträger fällt jedoch auf, dass es sich bei der japanischen Tonspur nur um PCM Stereo handelt. Die Synchronisation von Speed Grapher ist hingegen ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite überzeugt die japanische Tonspur vor allem mit Authentizität in den Bereichen Betonung und Aussprache, doch auf der anderen Seite sind die Synchronsprecher nicht abwechslungsreich genug, um ein stimmiges Gesamtbild zu formen. Die deutsche Synchronisation, die damals von Circle of Arts angefertigt wurde, macht es genau andersherum. Mit Oliver Mink, Marieke Oeffinger, Manfred Trilling und Johannes Raspe hat man sich für die Hauptrollen zwar fantastische Stimmen ausgesucht, doch muss das Synchronbuch von Frank Preissler wohl eine einzige Katastrophe gewesen sein. So gut wie alle Sprecher sprechen fast sämtliche Namen der japanischen Figuren in mehrfacher Ausführung falsch aus!

Interessantes Bonusmaterial

Speed Grapher - Collector's Edition (7)Wie man Bösewicht Suitengū ausspricht, ist anfangs zwar noch ganz amüsant, wirkt aber spätestens nach ein paar Folgen absolut störend. Wer auf die korrekte Aussprache wert legt, muss sich den Anime definitiv im Originalton, wahlweise mit deutschen Untertiteln, anhören. In digitaler Form liegt eine fünfteilige Casting-Reihe vor, bei der die frische Synchronsprecherin Saitō Kei bei ihren ersten Gehversuchen im Business begleitet wird. Es ist durchaus ein interessanter Einblick in die Aufgaben, die japanische Synchronsprecher neben ihrer eigentlichen Tätigkeit erfüllen sollen. Das Verteilen von Flugblättern, Live-Auftritte eines aufgenommenen Songs und Diskussionen auf der Bühne stehen hier an der Tagesordnung. Das Bonusmaterial liegt in bearbeiteter Form vor. Das heißt, dass Auszüge aus der Originalversion fehlen und stattdessen Bilder eingefügt wurden, auf denen bei den geführten Interviews mit Saitō die Fragen auf Deutsch angezeigt werden. Außerdem liegen im Digipack des stabilen Schubers drei Postkarten mit Motiven zur Serie in einem Umschlag und ein knappes Booklet mit Informationen zu den Charakteren und einigen Artworks bei. Ein Episodenguide zu allen 24 Episoden hätte das Gesamtbild deutlich bereichert. Trotzdem bietet Speed stolze sechshundert Minuten lang fulminante Anime-Kost, die definitiv in keiner Anime-Sammlung fehlen darf!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Für mich kam Speed Grapher wie aus dem Nichts, denn zuvor habe ich wirklich noch nie etwas von diesem Anime gehört. Vermutlich hat mich die Anime-Serie gerade deswegen so überzeugt, denn während ich an einem Tag gerade einmal drei Episoden angeschaut habe, habe ich am darauffolgenden Tag direkt alle 21 weiteren Folgen – und zwar fast in einem Zug – verschlungen. Obwohl ich teilweise stundenlang Anime gucken kann, ist das für mich definitiv ein neuer Tagesrekord. Speed Grapher macht in vielen Punkten alles richtig. Man verzichtet bis auf eine Episode auf Zusammenfassungen bisheriger Geschehnisse, baut durchweg fast ohne Atempausen eine Geschichte auf, die stringent bis zum Finale mit einigen Wendungen überzeugen kann und schafft es mit den facetten- und abwechslungsreichen Charakteren zu unterhalten. Nebenbei nutzt man das Phänomen Fotografieren geschickt als wichtiges Story-Element und erzählt die Handlung vor einem sozial- und wirtschaftskritischen Hintergrund mehr als ein Jahrzehnt nach dem Platzen der so genannten Bubble Economy, deren Auswirkungen für Japan bis heute spürbar sind. Trotz der vielen fantasiereichen Elemente in der Anime-Serie, kann die Geschichte vor allem wegen der realen Hintergründe eine gewisse Ernsthaftigkeit aufbauen, die reichlich Spannung und Interesse bei mir erzeugt hat. Es wird definitiv nicht das letzte Mal, trotz der teilweise sehr störenden Makel in puncto Synchronisation, gewesen sein, dass ich mir Speed Grapher angeschaut habe und deswegen möchte ich den Anime wirklich jedem Anime-Fan ans Herz legen – Speed Grapher muss man unter allen Umständen einfach gesehen haben!

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Speed Grapher (Collector’s Edition)!

© 2005 GONZO (Abbildungen)

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