Special: My Nintendo – sinnvoll oder überflüssig?

My Nintendo - sinnvoll oder überflüssig (1)Am 31. März 2016 startete das neue Bonusprogramm My Nintendo. Wir haben uns die Vergangenheit von Nintendos Bonusprogrammen angeschaut und durchleuchten das Angebot von My Nintendo inklusive eines obligatorischen Exkurses zur Smparthone-Applikation Miitomo.

My Nintendo - sinnvoll oder überflüssig (2)Um deutschsprachige Kunden besser und näher an sich binden zu können, startete Nintendo bereits im Jahr 1989 mit dem Club-Nintendo-Magazin eine hauseigene Zeitschrift. Dieses Magazin lag bei ausgewählten Händlern aus und durfte kostenlos mitgenommen werden. Nintendo bot allerdings an, dass man das Magazin für einen jährlichen Obolus von fast dreißig deutschen Mark abonnieren konnte. Als Prämie für das aus sechs Ausgaben bestehende jährliche Abonnement hat man beispielsweise zum Ende der Club-Nintendo-Magazin-Ära eine Soundtrack-CD zu einem bestimmten Nintendo-Titel wie The Legend of Zelda: Majora’s Mask, Pokémon Snap oder Ridge Racer 64 erhalten. Bis zum Jahr 2000 wurde das Magazin von Nintendo selbst veröffentlicht, doch dann übernahm das Szepter der Computec-Verlag, der bekannterweise seit 1997 die N-Zone herausgegeben hat. Mitte 2002 wurde der Club Nintendo im deutschsprachigen Raum geschlossen. War man Abonnent so wie der Autor dieser Zeilen, hat man für die offenen Ausgaben des Abonnements stattdessen ungefragt die N-Zone erhalten. Ein netter Zug, zumal die N-Zone damals für nur etwas mehr als drei Euro monatlich zu haben war. Trotzdem stand das Magazin zu diesem Zeitpunkt noch in Konkurrenz mit der ebenfalls beliebten Zeitschrift big.N, weshalb die Entscheidung nicht jedem Fan schmeckte.

Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche

My Nintendo - sinnvoll oder überflüssig (3)Als Nintendo am 3. Mai 2002 in Europa den Gamecube veröffentlichte, führte man etwa zur gleichen Zeit ein neues Mitgliedschaftsprogramm ein. Dieses hörte auf den Namen Nintendo VIP 24:7. Bei hauseigenen Spielen lagen Punktekarten mit unterschiedlichen Werten bei, die man online einlösen konnte. Ebenfalls erhielt man Punkte, wenn man sich täglich einloggte und Teil der Community im Forum war. Eintauschen durfte man die Punkte in physische und digitale Prämien, beispielsweise Retail-Spiele wie Wario World oder Bildschirmschoner zu anderen Titeln. Außerdem verfielen Punkte nicht, sodass man diese auch über Jahre hinweg sparen konnte. 2006 wurde Nintendo VIP 24:7 in die alte Marke Club Nintendo umbenannt. Der Fokus des Programms lag nun auf physischen Belohnungen, die man für das Einlösen der (zu den bisherigen Punkten) äquivalenten Sternepunkte erhielt. Soundtrack-CDs tauchten im so genannten Sternekatalog ebenso wie eine goldene The-Legend-of-Zelda-Figur, Hanafuda (japanische Karten mit Nintendo-Motiven), ein Nintendo DS Lite im Pokémon-Design, das Wii-Spiel Little King’s Story oder gar Super-Nintendo-Controller für die Wii auf. Später hat man Kunden in der Bundesrepublik Deutschland auch ermöglicht, die gesammelten Sterne gegen einen zugegebenermaßen fragwürdigen Wechselkurs in Wii Points einzulösen.

Einlösen in letzter Minute

My Nintendo - sinnvoll oder überflüssig (4)2008 wurde eingeführt, dass Punkte 24 Monaten nach Registrierung verfallen. Wer clever war, hat bis zum letzten Tag der Registrierungsoption gewartet und erst dann den entsprechenden Code eingelöst, um das System maximal auszunutzen. Seit dem Launch des Nintendo 3DS lagen im Übrigen sämtlichen Spielen und nicht nur den hauseigenen Produkten Sternepunkte bei, sodass man schneller ans gewünschte Ziel kam. Bei der Wii U wurde dieses Unterfangen ebenso stark durchgesetzt – hier tauchten in der Vergangenheit jedoch auch Spiele von Drittherstellern auf, die nicht im Club Nintendo registriert werden konnten. Anfang 2015 gab Nintendo of Europe schließlich bekannt, dass die Pforten des Club Nintendos abermals geschlossen werden. Man arbeite jedoch bereits an einem Nachfolgeprogramm, hieß es. Bereits im Februar 2015 lagen Spielen keine Punktekarten mehr bei, man konnte jedoch noch bis zum Schluss Punkte einlösen. Wer tatsächlich bis zum Schluss gewartet hat, konnte noch ein paar besondere Prämien, wie die Club-Nintendo-Gedenkmünze, erhaschen. In den letzten Tagen muss der Ansturm auf den Server jedoch immens gewesen sein, sodass man kaum oder gar nicht den Sternekatalog aufrufen konnte – glücklicherweise hat Nintendo das Programm wenige Tage verlängert, sodass jeder Kunde noch die Chance hatte, seine Punkte einzulösen.

Wert von Gold und Platin

My Nintendo - sinnvoll oder überflüssig (5)Obwohl das Bonusprogramm offiziell am 30. September 2015 endete und das Nachfolgeprogramm noch im gleichen Jahr starten sollte, dauerte es bis zum 31. März 2016, bis das auf den Namen My Nintendo getaufte Unterfangen startete. Fans der ersten Stunde, die sich bis zum 30. April 2016 für das Programm registrierten, erhielten als Belohnung die Software Flipnote Studio 3D gratis als Download. Einem geschenkten Gaul schaut man schließlich nicht ins Maul, doch auch an der Teilnahme des Programms winken seit Start lukrative Belohnungen, doch dazu später mehr. Anstatt einer Währung existieren im My-Nintendo-Programm nun zwei Werte, die gegen Belohnungen eingetauscht werden können. Die Rede ist von Platin- und von Goldpunkten. Platinpunkte erhält man, wenn man sich wöchentlich bei My Nintendo einloggt, den eShop besucht, das Miiverse aufruft oder Miitomo nutzt. Da es Platinpunkte fürs Erfüllen diverser freiwilliger Aufgaben gibt, ist es nicht möglich, einen Umrechungswert in Euro zu erstellen. Dieser Wert muss von jedem selbst bestimmt werden, da er mit Zeitaufwand verbunden ist. Goldpunkte hingegen erhalten fleißige Einkäufer digitaler Software ab genau fünf Euro. Wie viele Goldpunkte man erhält, hängt vom Warenwert ab. Da in Intervallen abgerechnet wird, kann man nur schätzen, dass ein Goldpunkt etwa einem Euro entspricht.

Lukrative und nicht empfehlenswerte Belohnungen

My Nintendo - sinnvoll oder überflüssig (6)Wer die Social-Network-Applikation Miitomo regelmäßig nutzt, profitiert von My Nintendo am meisten – zumindest war dies im Startzeitraum der Fall. In der Smartphone-Applikation erhält man täglich bis zu 35 Miitomo-Münzen, die jedoch den gleichen Wert wie Platinpunkte haben. Platinpunkte gibt es hier für das Lesen von Antworten eurer Freunde, das Beantworten von drei Fragen, das Wechseln des Outfits des eigenen Miis und das Erhalten von fünf Herzen und fünf Kommentaren durch Freunde, die ebenfalls Miitomo nutzen. Mit eintausend Punkten auf dem Konto konnte man sich im Startzeitraum beispielsweise My Nintendo Picross – The Legend of Zelda: Twilight Princess oder WarioWare: Touched! gönnen. Weniger lukrative und somit wesentlich günstigere Angebote findet man in Form von Spielscheinen für das Minispiel „Mii über Kopf“ in Miitomo oder Mii-Outfits für selbige Anwendung. Außerdem gibt es Rabattgutscheine für verschiedene Nintendo-Spiele. Von diesen sollten Interessierte aber die Finger lassen, da die gleichen Spiele im Einzelhandel oder bei Online-Shops selbst nach Einlösen des Gutscheins oft immer noch etwas günstiger zu haben sind. Der Mehrwert ist klar ersichtlich – solche Spiele können später über Auktionsplattformen veräußert werden, wenn man sie echt nicht mehr benötigt. Die Rabatte eignen sich also nur für absolute Digital-Käufer.

Belohnungen für die Digital-Käufer-Schicht

My Nintendo - sinnvoll oder überflüssig (7)Bei den Belohnungen für Goldpunkte sieht es wiederum interessanter aus. Hier gibt es neben Rabatten für Nintendo-Titel und Download-Inhalten auch Virtual-Console-Spiele. Wer ältere Titel nachholen will, hat hier die kostengünstige Möglichkeit, Goldpunkte zu verwenden. Wer etwa neunzig Goldpunkte aufbringt, erhält dafür den Klassiker Super Mario 64. Anhand dieses Wertes kann man errechnen, dass der Treuebonus Nintendo etwa neun Prozent wert ist. Da digitale Inhalte (nahezu) unbegrenzt zur Verfügung stehen und Nintendo gar mit Ablaufdaten arbeitet, wann ein Artikel aus dem Angebot entfernt wird, ist es für den Kunden wesentlich einfacher, mit Punkten hauszuhalten oder sie auszugeben, doch Obacht: Der Konzern kam auf die marktwirtschaftlich intelligente Idee, die Punkte nach nur sechs Monaten verfallen zu lassen. Da es Goldpunkte nur für Digitales gibt (Stand 22. April 2016), werden Käufer von Retail-Spielen doppelt vor den Kopf gestoßen. Es liegen keine Punkte zum Einlösen bei und wer kein Interesse an reinen eShop-Titeln hat, die für Prämien wie Super Mario 64 in Massen gekauft werden müssten, wird kaum eine Belohnung für Goldpunkte erhalten. Sollte Nintendo in regelmäßigen Abständen genug wechselnde und vor allem interessante Prämien für Platinpunkte anbieten, kann das Programm auch für diese Käuferschicht funktionieren.

Verlorene Zielgruppe: Langjährige Fans

My Nintendo - sinnvoll oder überflüssig (8)Nintendos Hintergedanke ist dabei, aus unserer spekulativen Sicht, klar ersichtlich: Der Konzern will den Kunden nicht nur für sich gewinnen, er will ihn auch ewig an sich binden und einen möglichen Weiterverkauf von gebrauchter Software verhindern. Würde der eShop wie Steam funktionieren, also dass man von jedem seiner Nintendo-Systeme auf seine Bibliothek zugreifen kann, wäre der Aufschrei wegen der Bindungsangst nur halb so schlimm. Obwohl Nintendo unter der Leitung von Iwata Satoru noch kurz vor dessen Tod beteuert hat, dass Spiele in digitaler, als auch in physischer Form für das Unternehmen denselben Wert haben, scheint dies anscheinend nicht für Boni geschweige denn den Kunden zu gelten. Genau hier liegt jedoch der Fehler, den Nintendo macht. Kunden, die sich eine Nintendo-Konsole zum Launch kaufen, sich jedes einzelne Spiel des Unternehmens ins Regal stellen, täglich mit dem New 3DS als Botschafter und StreetPass-Nutzer unterwegs ist und auf Missstände hinweist und Ideen vorschlägt, wird hier mit digitalen Inhalten ausgeschlossen. Die Möglichkeit, Codes für Punkte bei My Nintendo einzulösen, ist bereits vorhanden. Nintendo muss diese Option intensiv nutzen und nicht nur für Punktecodes im Newsletter anbieten. Es müssen physische Belohnungen folgen, damit My Nintendo auch für die wohl wichtigsten Kunden zukünftig attraktiv bleibt.

Geschrieben von Eric Ebelt

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