Review: Aku no Hana – Die Blumen des Bösen (Vol. 1)

Aku no Hana (Vol. 1) (1)Geheime Lüste auszuleben und Versuchungen nachzugehen ist menschlich. Man kann sich so oft man will einreden, dass man kein Verlangen nach bestimmten Dingen im Leben hat, doch die Gier wird trotzdem bleiben. So oder so ähnlich ergeht es dem Helden von Aku no Hana.

Aku no Hana (Vol. 1) (2)Aku no Hana – Die Blumen des Bösen, wie der Anime vollständig in der deutschen Version heißt, erzählt die Geschichte des Mittelschülers Kasuga Takao, der in der kleinen japanischen Stadt Kiryū in der nördlich von Tōkyō gelegenen Präfektur Gunma lebt. Obwohl Tōkyō gleichermaßen bei Animationsstudios und Zuschauern als Handlungsort beliebt ist, ist die auf Kiryū gefallene Entscheidung für den Kontext der Serie nachvollziehbar. Die Stadt, in welcher der Manga-Zeichner von Aku no Hana, Oshimi Shūzō, geboren ist, bietet sich regelrecht für die Story an. Diese dreht sich nämlich um eine fatale Entscheidung, die Takao an einem Nachmittag trifft. Da er sich in seiner Freizeit intensiv mit Literatur beschäftigt, kann er sich natürlich nicht von seinem Lieblingsbuch Die Blumen des Bösen vom französischen und 1867 gestorbenen Lyriker und Schriftsteller Charles-Pierre Baudelaire trennen, das er versehentlich in der Schule vergessen hat. Als er sein Buch endlich wieder in den Händen hält, fällt plötzlich der Sportbeutel seiner Mitschülerin Saeki Nanako, in die er zudem heimlich verliebt ist, aus dem Regal. Eigentlich möchte er das Klassenzimmer verlassen, gibt seinem Verlangen aber schließlich nach, öffnet den Beutel und beschnuppert ihre Sportsachen. Als er jedoch plötzlich ein Geräusch vernimmt, bekommt er es mit der Angst zu tun und versteckt die Klamotten unter seiner Kleidung und verschwindet schnell aus der Schule.

Beklemmendes Verlangen

Aku no Hana (Vol. 1) (3)Er möchte Nanakos Sportkleidung zwar wieder zurücklegen, doch als am nächsten Tag bereits der Lehrer vom Verschwinden der Sachen berichtet, rückt sein geplantes Vorhaben in unerreichbare Ferne. Verkompliziert wird die Geschichte durch eine weitere Mitschülerin. Nakamura Sawa spricht ihn nach der Schule an und erklärt ihm, dass sie ihn dabei beobachtet hat, wie er Nanakos Sachen heimlich eingesteckt hat – sollte dies herauskommen, sei sein Ruf sowohl in der Schule, als auch in der Stadt, dahin. Obwohl sich Takao anfangs wehrt und er alles unternehmen will, sich bei Nanako zu entschuldigen, willigt er schließlich dennoch ein, ihren Befehlen zu gehorchen, damit sie künftig Stillschweigen bewahrt. Als nächstes möchte sie ihm beispielsweise etwas nehmen, was ihm viel bedeutet und stößt ihn gleich in Richtung Nanako, woraufhin er auf ihren Brüsten landet und eine potenzielle Beziehung nicht mehr möglich erscheint. Trotzdem kommt es dazu, dass sich die beiden in der Stadt zu einem Date verabreden und einen Tag gemeinsam verbringen. Ständig wird ihm von Nanako jedoch eingeredet, dass er ein Perverser ist und wird dazu genötigt, während dem Date der beiden Verliebten Nanakos Sportsachen zu tragen. Mehr möchten wir über die ersten sieben Episoden von Aku no Hana jedoch nicht verraten, doch wird die Geschichte um Takao, Sawa und Nanako immer beklemmender, sodass die siebte Episode gar in einer Katastrophe endet.

Enthüllungen

Aku no Hana (Vol. 1) (4)Es geht in der gesamten Handlung also grundlegend darum, dass Sawa Takaos wahre Persönlichkeit enthüllen will, ihn der Öffentlichkeit als einen Perversen vorzustellen. Dabei ist auch Sawas Persönlichkeit interessant, da hier ein besonderes Stilmittel in Form ihrer Brille genutzt wird. Während sie diese nämlich trägt, wird sie von Mitschülern nur als seltsam bezeichnet, obwohl sie sich eigentlich durchweg zurückhält und nur gelegentlich mit ihrem asozialen Verhalten auffällt, wenn sie ihre Mitmenschen mit verbalen Ausdrücken beleidigt. Nimmt sie die Brille jedoch ab, entpuppt sich auch ihr wahres Gesicht und die wahre Nähe zu Takao wird deutlich. Da der dreizehnteilige Anime durchweg mit dem Rotoskopie-Verfahren hergestellt wurde, sollen viele Emotionen aufgrund der realen Grundlage wesentlich authentischer wirken. Komplett ist dies dem Team von Regisseur Nagahama Hiroshi allerdings nicht gelungen. Das geht sogar soweit, dass in seltenen Fällen Gesichter von Figuren fehlen. Dafür wirken die Hintergründe, die durch die Rotoskopie ebenfalls einer realen Grundlage entspringen, wesentlich glaubhafter und passen zum Figurendesign. Untermalt wird das Geschehen mit beklemmender Musik, die hervorragend und passend eingesetzt wird. Die deutsche Synchronisation geht in Ordnung, bietet aber qualitativ nicht die in einigen Fällen sehr wichtigen Betonungen. Hier empfiehlt es sich also definitiv auf die japanische Tonspur auszuweichen.

Gehaltvolle Booklet-Beilage

Aku no Hana (Vol. 1) (5)Digitales Bonusmaterial sucht man auf der Disc der ersten Volume von Aku no Hana neben Trailern zu anderen Kazé-Anime-Produkten vergeblich. Stattdessen liegt dem Anime in physischer Form ein an zwei Stellen im Digipack leicht eingeklebtes Booklet bei, welches zahlreiche Informationen, Hintergründe und Erklärungen liefert. Für jede der sieben enthaltenen Episoden liegen Erläuterungen vor, die auf der einen Seite zwar liebevoll zusammengeschrieben worden sind, doch auf der anderen Seite viele überflüssige Informationen enthält. Während Erklärungen zu populärkulturellen Anmerkungen und Zitaten sicherlich für das bessere Verständnis hilfreich sind, sind Definitionserklärungen zu Sportsachen und ähnlichen Begriffen einfach deplatziert – auch wenn in vielen Punkten die Brücke zum Inhalt des Animes geschlagen wird. Ergänzt werden diese Informationen mit Interviews, bei denen der Seiyū Yoshida Hisanori, der Komiker Sankyū Tatsuo, die Synchronsprecherin Doi Mika und die Sängerin Shinosaki Asako zu Wort kommen, die ihren Berufen entsprechend verschiedene Merkmale des Animes kommentieren. Abschließend bietet das Booklet noch vier Manga-Auszüge in deutscher Sprache, die frühere oder beiläufige Geschehnisse der Handlung aus der Sichtweise von Takao, Sawa, Nanako, Masakazu und Ken zeigen. Überwiegend ergänzt das Bonusmaterial den auch so schon empfehlenswerten Anime also gehalt- und sinnvoll.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Bevor ich mich auf Aku no Hana – Die Blumen des Bösen gestürzt habe, wusste ich absolut nicht, was mich bei diesem Anime von Regisseur Nagahama Hiroshi erwartet. Die erste Episode der Anime-Serie hat sich für mich zudem etwas gezogen, doch anschließend wird die Serie mit jeder Folge interessanter und atmosphärisch beklemmender und spannender – kurzum aufsteigend besser. Man wartet regelrecht nur darauf, dass endlich die Hülle von Takao fällt und seine wahre Persönlichkeit zur Geltung kommt. Verraten möchte ich an dieser Stelle über die Handlung nichts, denn sie wird zwar recht oberflächlich geschildert, bietet aber dennoch eine tiefgründige Interpretationsmöglichkeit. Ich bin schon sehr gespannt, wie Aku no Hana fortgesetzt und zu einem Ende erzählt wird. Allerdings verstehe ich nicht, warum man sich für das Rotoskopie-Verfahren entschieden hat. Das hat Ende der Siebziger Jahre beim Zeichentrickfilm Der Herr der Ringe zwar bestens funktioniert, doch wirken viele Animationen in Aku no Hana abgehackt und wirkliche Emotionen kann man nur selten erkennen. Meiner Meinung nach wäre es wirklich besser gewesen, eine Live-Action-Serie aus dem Manga zu machen. Trotzdem können sich so auch Interessierte an Filmtechnik ein erweitertes, neues oder altes Bild von Gestaltungstechniken machen, auch wenn man sich Aku no Hana vor allem wegen der interessanten Handlung und der facettenreichen Charaktere anschauen sollte.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Aku no Hana – Die Blumen des Bösen (Vol. 1)!

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