Review: Fire Emblem: Fates – Vermächtnis

Fire Emblem Fates - Vermächtnis (1)Fire Emblem: Awakening hat 2012 wortwörtlich den Taktik-Rollenspiel-Mix aus dem Hause Intelligent Systems wiederbelebt. Dementsprechend erschien mit dem Nachfolger Fire Emblem: Fates eine konsequente Fortsetzung – und das sogar gleich im Doppelpack!

Fire Emblem Fates - Vermächtnis (2)Anstatt normal als einzelnes Spiel, erscheint Fire Emblem: Fates gleich in zwei unterschiedlichen Versionen. Intelligent Systems und Nintendo orientieren sich damit offensichtlich an erfolgreich etablierten Modellen wie der doppelten Veröffentlichung der Pokémon- oder Inazuma-Eleven-Editionen, allerdings sind die Spiele Fire Emblem: Fates – Herrschaft & Fire Emblem: Fates – Vermächtnis in mehreren Punkten eigenständiger, als sie es seien müssten. Beide Spiele beleuchten einen Krieg aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln, der mit der Erweiterung Fire Emblem: Fates – Offenbarung noch um eine dritte Perspektive bereichert wird. Unsere Figur Corrin steht zwischen den Fronten der sich im Krieg befindenden Nationen Hoshido und Nohr, während wir uns als Spieler für eine der beiden Seiten entscheiden müssen. Auf Seite der Hoshiden erleben wir die konventionelle Fire-Emblem-Erfahrung, die sich spielerisch und handlungstechnisch an Awakening orientiert. Um den Clinch der beiden Parteien entwickelt sich in der Version Vermächtnis eine klassische Geschichte, in der wir mit unserer Figur gegen den Gegner Nohr in den Krieg ziehen. Der Konflikt birgt natürlich auch das Potential, eine sehr große Portion an Drama in das Spiel zu bringen. Bevor wir uns für eine Seite entscheiden, bekommen wir nämlich erst einmal einen guten Eindruck beider Seiten spendiert, wobei uns schnell klar wird, dass hier nicht direkt in Gut und Böse unterschieden werden darf. Die den Rest des Spiels betreffende Entscheidung fällt uns nicht leicht.

Eine große Familie

Fire Emblem Fates - Vermächtnis (3)Zwar schlägt das ans europäische Mittelalter erinnernde Nohr tendenziell wesentlich rauere Töne an, als das ostasiatisch angehauchte Hoshido, doch haben beide Parteien gute Punkte und Hintergründe für ihre Geschichten. Auch die Figuren beider Seiten sind sympathisch, zumindest in den ersten Spielstunden. Leider überschreitet der grundlegende Story-Verlauf selten das Mittelmaß, im Mittelpunkt stehen zweifelsohne die Figuren, deren emotionaler Wert maßgeblich durch alle Spielsysteme von Fire Emblem gestärkt werden. Denn im Strategie-Rollenspiel sind alle Einheiten waschechte Charaktere mit Namen, Persönlichkeiten und haben im klassischen Modus auch nur ein Leben, das sie verlieren dürfen. Die Schlachten verlaufen rundenbasiert, sodass wir unsere Soldaten manuell über das Gitternetz auf der Karte ziehen und Aktionen auswählen. Während bisher das berüchtigte Waffen-Dreieck zwischen Schwert, Axt und Lanze seine Anwendung fand, um Effektivitäten im Kampf zu berechnen, hat Intelligent Systems in Fates ein wenig an diesem System geschraubt. Waffen sind nun in farbige Kategorien eingeteilt, womit auch Bögen, Magie und Dolche ihren Platz im System finden. Die neue Dreiecksbeziehung zwischen den Waffen ist zwar noch immer nicht intuitiv erlernbar, aber zumindest während der Planung der Angriffsreihenfolge immer gut einsehbar, sodass auch unerfahrene Spieler gut zurechtkommen und jeder sofort weiß, welche Aktionen doch noch einmal überdacht werden sollten.

Hart wie Kruppstahl

Fire Emblem Fates - Vermächtnis (4)Während das Waffen-System auf der einen Seite an Komplexität gewinnt, verliert es aber auf anderer Seite auch etwas an seinem Reiz. Die Waffen-Haltbarkeit, womit eine Waffe nur eine limitierte Anzahl im Kampf verwendet werden kann bevor sie zerbricht, gehört der Vergangenheit an, und damit auch ein klein wenig die Besonderheit einiger seltener Waffen. Immerhin sind die Doppelkämpfe wieder mit von der Partie. Um die Statuswerte und hauptsächlich die defensiven Eigenschaften unserer Figuren zu erhöhen, können wir sie zu einer Einheit zusammenfügen. Das lohnt sich besonders auf kleinen oder verschachtelten Maps mit wenig Freiraum, denn dann können wir auf den quadratischen Feldern auch mehr als nur vier Figuren an einem Kampf teilhaben lassen. Die Gegner machen von dieser Funktion natürlich auch Gebrauch. Neu sind sogenannte Drachenadern, die spezifische Interaktionen mit der Umwelt ermöglichen: Stellen wir eine Figur auf jenes besondere Feld, kann sich das Terrain oder sogar das Klima verändern, was bestimmte Einheiten verstärkt oder einschränkt – wichtig ist hier das Timing. Besonders gut gelungen finden wir die dynamischen Übergänge zwischen der Taktik-Ansicht und dem Kampfgeschehen. Besonders für 3DS-Verhältnisse verläuft der Übergang sehr flüssig und natürlich.

Leichen pflastern den Weg

Fire Emblem Fates - Vermächtnis (5)Wir empfehlen ausdrücklich das Spiel im Klassischen Modus zu spielen, der immerhin auch für die Fire-Emblem-Reihe steht wie kaum etwas anderes. Gefallene Kameraden bleiben bei dieser Option bis zum Abspann tot und stehen nicht am Ende des Gefechts wieder bereit, um in die Schlacht geschickt zu werden. Nachdem die Anzahl storyrelevanter Figuren, die wir freischalten, begrenzt ist, könnte zwar der Spielfortschritt in Gefahr geraten, falls wir zu viele Leute zum Sterben zurück lassen, dafür haben für uns alle Handlungen wesentlich mehr Gewicht und die Wichtigkeit der richtigen Taktik wird unterstrichen. Wer es nicht übers Herz bringen kann, den einen oder anderen Charakter sterben sehen zu lassen – was früher oder später passieren wird – kann diese Option optional auch ausschalten. Separat davon kann noch zwischen drei gewöhnlichen Schwierigkeitsgraden gewählt werden, die sich auch stark auf die Gegner-Intelligenz auswirken, womit sich im Endeffekt jeder Spieler selbst sein eigenes Spielerlebnis zusammenbasteln kann. Ein weiterer Punkt, der unserer Immersion gehörig steigert, ist das spielinterne Beziehungssystem. Im Laufe des Abenteuers entstehen wortwörtlich neue Freundschaften und Liebesbeziehungen, wobei wir die Fäden in der Hand halten, in welche Richtung sich die Romanzen entwickeln sollen. Stehen unsere Charaktere in den Kämpfen direkt nebeneinander und unterstützen sich in den Kämpfen, werden sie sich auch bald im privaten Leben nahestehen.

Feldherr und Burgherr zugleich

Fire Emblem Fates - Vermächtnis (6)Dieses System im Hinterkopf zu behalten ist mindestens genauso wichtig wie das Aufstufen der Charaktere und die richtige Ausrüstung. Figuren mit hohem Unterstützungslevel hebeln im späteren Spielverlauf nicht selten die Dreiecksbeziehungen der Waffen und andere Spielmechaniken aus. Auch wenn damit gewisse Taktiken in den Schatten treten, ist es trotzdem motivierend mit anzuschauen, wie die eigenen Spielfiguren alle Gegner mit einem Schlag aus den Socken hauen. Nach den Schlachten kehren wir in unsere Burg zurück, die als Hub fungiert. Dort entfaltet Fates in Ansätzen einen Simulationscharakter, denn wir entscheiden mit welchen Läden, Gebäuden und optischen Spielereien wir unser abgegrenztes Areal innerhalb der Schlossmauern ausbauen wollen. Die Idee klingt erstmal sehr cool, nach einer Zeit entwickelt sich dieses Element aber schnell zum immergleichen Abklappern derselben Örtlichkeiten. Burgen unserer Online-Freunde können wir auch begutachten und auch die Gebiete anderer Spieler angreifen, was ein ziemlich witziges Konzept ist. Trotzdem macht es Spaß, die eigene Burg wachsen und gedeihen zu sehen und es lohnt sich: Angeschlossene Figuren halten teilweise neue Items und Belohnungen bereit, wenn wir sie innerhalb der Mauern ansprechen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen können wir auch auf Vordermann bringen, am besten indem wir uns sympathische Figuren in unsere Gemächer einladen.

Ein Genuss für die Ohren

Fire Emblem Fates - Vermächtnis (7)An dieser Stelle kam jedoch Nintendos so langsam berühmtberüchtigte Zensur-Schere zum Einsatz. Im japanischen Original konnten die Figuren mit kleinen Streicheleinlagen aufgemuntert werden, die eindeutig sexuelle Untertöne vermitteln sollten. Diese Interaktionsmöglichkeit wurde entfernt, was in einer absurden und unnatürlich unfertig wirkenden Szene resultiert, immerhin erhalten wir zum Schluss trotzdem die Status-Verbesserungen. Wie schon in Awakening punktet Vermächtnis auf dem 3DS mit sehr schön anzusehenden computergenerierten Zwischensequenzen, die dementsprechend selten vorkommen und nur die Highlights der Geschichte unterstreichen. Daneben erzählt sich Fates wie gewohnt mit gegenüberstehenden Charakter-Portraits und Textboxen. Eine vollständige Sprachausgabe gibt es nicht, die Figuren melden sich lediglich mit einigen passenden Sprachfetzen zu Wort. Diese wurde nur ins Englische übersetzt, was hinsichtlich des geringen Umfangs der Sprachdatei etwas schade ist. Dafür fällt die musikalische Untermalung in Kämpfen besonderes stimmig aus und besonderes die typischen Fire-Emblem-Soundeffekte tragen einen großen Anteil am stimmigen Gesamtsoundtrack bei. Wer mit Awakening seinen Spaß hatte, wird auch noch einmal mit Vermächtnis seine Freude haben. Wer dagegen eine etwas größere Herausforderung sucht, sollte hingegen sein Glück mit Herrschaft versuchen. Übrigens: Wer die Limited Edition des Spiels kauft, erhält alle drei Kampagnen.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas’ Fazit (basierend auf der Vermächtnis-Version): Fire Emblem: Fates – Vermächtnis bereitet mir wie schon sein Vorgänger eine Menge Freude. Anfängliche Bedenken, dass Inhalte auf Grund der Doppelveröffentlichung von Vermächtnis und Herrschaft gekürzt wurden, haben sich glücklicherweise schnell in Luft aufgelöst. Dass es kaum Neuerungen zu verzeichnen gibt, stört mich überhaupt nicht, auch wenn ich gerne weiterhin während der Planung der nächsten Gefechte auf meine Waffen-Haltbarkeit Rücksicht genommen hätte, die nun weg eliminiert wurde. Auch die endlosen Debatten über Zensuren kann ich nachvollziehen, trotzdem handelt es sich hier wieder einmal nur um Kleinigkeiten, um die es in unserer Version des Spiels zwar schade ist, davon das generelle Spielerlebnis aber keinesfalls beeinträchtigt wird. Da sollten wir doch lieber froh sein, dass die Fire-Emblem-Reihe momentan wieder auf einem aufsteigenden Ast ist, was auch nicht selbstverständlich ist. Für einen weiteren Teil der Fire-Emblem-Serie wünsche ich mir dann aber doch eine bessere Geschichte, das Potential ist immerhin da. In kaum einer anderen Videospielserie wachsen einem die Spielfiguren so ans Herz wie in Fire Emblem, mit der richtigen Geschichte kann uns hier Großes erwarten. Bis dahin bin ich aber mit den Versionen Herrschaft und Offenbarung bestens versorgt.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fire Emblem: Fates – Vermächtnis!

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