Review: Tōkyō Marble Chocolate

Tokyo Marble Chocolate (1)Es gibt tatsächlich Anime wie Holy Knight, die gerade einmal zwei Episoden lang produziert und dann eingestellt werden. Tōkyō Marble Chocolate benötigt einzig und allein gerade einmal diese Folgenanzahl, um eine Liebesgeschichte zu einem sehr runden Ende zu führen.

Tokyo Marble Chocolate (2)Der zweiteilige Anime Tōkyō Marble Chocolate spielt in der titelgebenden und japanischen Metropole und Hauptstadt Tōkyō. Es ist Winter und Weihnachten steht vor der Tür. Obwohl der Anteil an Christen bei den in Japan verbreiteten Religionen minimal ist, ist Weihnachten dennoch ein Phänomen, welches auch im Land der aufgehenden Sonne auftaucht. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Yūdai und Chidsuru. Die beiden sind seit geraumer Zeit ein Pärchen, doch haben sie mit Problemen zu kämpfen, die sie lösen müssen, um ihre Beziehung zu retten. Yūdai wird von sich selbst und anderen als schüchtern, schwach und unfähig eingeschätzt. Durch diese angestauten Minderwertigkeitskomplexe sind alle seine Beziehungen in die Brüche gegangen. Als er jedoch Chidsuru kennengelernt hat, versucht er sich stets zu verbessern und sein Leben in neue Bahnen zu lenken. Um seiner geliebten Chidsuru seine Gefühle zu gestehen, kauft er in einer Zoohandlung ein Kaninchen, um dieses ihr als Weihnachtsgeschenk zu überreichen. Allerdings geht der Plan nicht auf, denn während er seiner Freundin das Geschenk überreichen will, unterbricht ein Telefongespräch das Geschehen. Vor der Tür erfährt Yūdai per Telefon, dass im Geschenk kein Kaninchen, sondern ein Zwergesel steckt. Als er das Lokal erneut betritt, ist der Tisch verwüstet und Chidsuru verschwunden.

Eine Geschichte, zwei Perspektiven

Tokyo Marble Chocolate (3)Während Yūdai also optimistisch an den Tag herangeht, ist Chidsuru hingegen wesentlich pessimistischer eingestellt. Sie hatte ebenfalls noch kein Glück in der Liebe, denn durch ihre Tollpatschigkeit hat sie ihren Mitmenschen unbewusst Schaden zugefügt. Sie ist gewöhnt an Beziehungen ohne Perspektiven und entsprechend an anstrengende Liebesgeschichten. Das führte unter anderem auch dazu, dass sie sich betrunken und fast schon den Glauben an die große, wahre Liebe verloren hat. Deshalb möchte sie am Weihnachtsabend mit ihrem Partner Yūdai Schluss machen. Beim Gespräch in einem Restaurant überreicht Yūdai ihr jedoch ein Geschenk, bevor es von einem Telefonanruf unterbrochen wird. Aufmerksamen Lesern dieses Reviews kommt diese Situation sicherlich bekannt vor. Das hat auch einen einfachen Grund. Tōkyō Marble Chocolate erzählt in zwei Episoden nämlich ein und dieselbe Geschichte. Es ändert sich lediglich der Blickpunkt. Während sich also Yūdais Handlungsstrang mit dessen Bemühungen beschäftigt, kann man bei Chidsuru einen tristen Alltag erleben, den sie trotz der Ausweglosigkeit versucht zu durchbrechen. Dieses Konzept ist ziemlich interessant und wir würden es begrüßen, wenn wir Elemente dieses Erzählstils öfters in anderen Anime sehen würden. Lediglich die sehr wenigen Überschneidungen in der Story können ermüdend sein.

Neuveröffentlichung mit kleinen Mängeln

Tokyo Marble Chocolate (4)Jede Episode dauert etwa 27 Minuten, sodass man sich den Anime sowohl einmal zwischendurch, als auch an verschiedenen Tagen problemlos anschauen kann. Sobald Überschneidungen auftauchen, erkennt man sie nach dem vorherigen Ansehen einer der beiden Folgen sofort. Die pastellfarbene Präsentation im 16:9-Bildformat und die weihnachtliche Atmosphäre tun ihr Übriges, damit wir die Story gut im Gedächtnis behalten. Sehr gut gelungen ist auch die deutsche Synchronisation. Sie steht der japanischen Fassung in fast nichts nach, sodass man sich den Anime ruhig zweimal in jeder Sprachfassung anschauen kann. Schließlich ist man maximal eine Stunde mit dem Anschauen beschäftigt. Altersbedingt liegen beide Tonspuren nur in Dolby Digital 2.0 vor, die deutschen oder polnischen Untertitel sind bei der japanischen Fassung nicht abschaltbar – fragwürdig! Schade ist auch, dass Tōkyō Marble Chocolate hierzulande nur auf DVD erhältlich ist, während in Japan bereits nach nur wenigen Monaten eine Blu-ray Disc veröffentlicht wurde. Da es sich bei der DVD-Fassung von 2016 um eine Neuveröffentlichung hierzulande handelt, wäre die Blu-ray Disc ein netter Zug seitens Kazé Anime gewesen. Der DVD-Box liegt zwar ein kleines Booklet bei, das mit Konzeptzeichnungen und Skizzen aufwartet, doch auf die Bonus-Disc der Urveröffentlichung hat man verzichtet.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Tōkyō Marble Chocolate ist ein schöner Anime, der das Verliebtsein zweier Personen in zwei Episoden auf zwei unterschiedlichen Wegen erläutert. Während Yūdai optimistisch an sein Vorhaben herangeht, bleibt Chidsurus Einstellung eher, wenn auch nicht gänzlich, negativ. Es ist eine Geschichte über das Gestehen von Gefühlen und den Entschluss, zu entscheiden, ob man die Partnerschaft auch von beiden Seiten aus genießt. Das macht der Anime durch den fantastischen Erzählstil, der mir zwar in beiden Episoden denselben Inhalt erzählt, aber durch die sich ergänzenden Handlungslücken ein ganz neues Bild und somit fast schon eine gänzlich neue Geschichte ergibt. Wer sich für das Thema Liebe in Anime-Form interessiert, kommt um Tōkyō Marble Chocolate definitiv nicht herum. Allerdings muss man sich dennoch dafür entscheiden, welche Version des Animes man sich zulegen möchte. Die Neuveröffentlichung von 2016 ist ziemlich abgespeckt, denn die Bonus-Disc der Urveröffentlichung ist ebenso wenig enthalten, wie eine Blu-ray Disc mit technischen Vorzügen am Markt erhältlich ist. Wer auf das Bonusmaterial Wert legt, muss auf den DVD-Gebrauchtmarkt ausweichen und Technikfanatiker, die es bei diesem Anime vermutlich weniger gibt, kommen um den Import aus dem Ausland nicht umher. Dennoch sei ein letztes Mal gesagt, dass der Anime in jeder Version des Ansehens würdig ist.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Marble Chocolate!

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