Review: Shimoneta (Vol. 1)

shimoneta-vol-1-1Die zwölfteilige Anime-Serie Shimoneta: A boring World where the Concept of Dirty Jokes doesn’t exist feiert mit der ersten von insgesamt vier Volumes nach nur einem Jahr der Erstveröffentlichung in Japan ihr Deutschlanddebüt und entführt uns in eine dystopische Welt.

shimoneta-vol-1-2Die Ausgangssituation von Shimoneta ist gleichermaßen schnell erklärt als verinnerlicht. Vor über einer Dekade hat die Regierung das Gesetz zur Gesundheitserziehung zur öffentlichen Ordnung und guten Sitten verabschiedet. Dahinter verbirgt sich eine wesentliche Einschneidung in die Privatsphäre der Menschen, denn Gedanken zur Sexualität dürfen in der Öffentlichkeit nicht mehr formuliert werden. Das hat zur Folge, dass entsprechende Aussagen in abstrusen Umschreibungen enden und vor allem Jugendliche nur noch ein sehr verschwommenes Bild vom Thema Liebe haben und nicht verstehen, wie Geschlechtsverkehr überhaupt erst funktioniert. Überprüft wird dieses System über so genannte Peace Makers. Diese tragen alle japanischen Bürger um ihren Hals und an ihren Armgelenken. Sollte ihnen ein „schlimmes“ Wort über die Lippen fallen, so schlägt das Halsband genauso Alarm, als würden sie mit ihren Händen „schändliche“ Aktionen wie Masturbation ausführen. Durch diese entstandenen Nachteile, unter denen vor allem Jugendliche in ihrer Entwicklung leiden, kann sich Japan mit dem Titel des Landes, dessen öffentliches Leben als moralisch am vorbildlichsten funktioniert, schmücken. Noch dazu sind in dieser Welt Werke, die auch nur leichte pornografische Inhalte bieten, verboten und werden von entsprechenden Einsatzgruppen aufgespürt und vernichtet.

Chaotischer Oberschulalltag

shimoneta-vol-1-3In diese dystopische Welt hineingeboren ist der frische Oberschüler Okuma Tanukichi. Dieser besuchte einst eine Mittelschule, auf der die meisten seiner Mitschüler nicht so moralisch wie er gewesen sind. Zudem ist Tanukichi von seinem Vater gezeichnet, der ihm bereits im zarten Kindheitsalter schmutzige Witze beigebracht hat. Während sein Vater für sein Verhalten von den Behörden als Terrorist eingestuft und schlussendlich verhaftet wurde, lernte er im Kindergarten Nishikinomiya Anna kennen. Über ein Jahrzehnt später, immer noch voller Bewunderung für ihren Anstand seit Kindheitstagen, erfährt Tanukichi, auf welche Oberschule Anna gehen wird und schafft es, in dieselbe schulische Einrichtung eintreten zu können. Der erste Tag an der neuen Schule soll jedoch sein neues Leben verändern, bevor es überhaut begonnen hat. Während einer Bahnfahrt wird er fälschlicherweise als Grabscher bezeichnet und von der Polizei verfolgt. Während seiner Flucht lernt er die Terroristin Setsugen no Ao kennen, die sich gegen das System stellt und das Gesetz mit aller Macht versucht abzuschaffen. Sie geht ebenfalls auf dieselbe Schule wie Tanukichi, sodass es ihr ein Leichtes ist, ihn zu erpressen. Damit sie ihn nicht bei der Polizei verrät, gründen die beiden neuen Freunde die Organisation SOX und versuchen, den Schulalltag mit emanzipierenden Aktionen auf den Kopf zu stellen.

Reale Parallelen

shimoneta-vol-1-4Wäre das noch nicht genug, wird das Chaos mit dem Thema Liebe verknüpft. Verschiedene Charaktere haben Gefühle füreinander – ein wenig fühlen wir uns hier an die Anime-Serie Kämpfer erinnert. Der Humor erreicht aber leider noch nicht ganz deren Qualität. Natürlich klingt der Inhalt von Shimoneta, auch ohne den Vergleich mit äquivalenten Anime-Serien, für den einen oder anderen Interessenten im ersten Moment sicherlich albern, da das Ausleben der eigenen Sexualität in der japanischen Öffentlichkeit zu alledem eher ein Nischendasein fristet. Dennoch kann dieses fiktive Gesetz selbstverständlich mit jedweder anderen Thematik ausgetauscht werden, sodass die Kritikwürdigkeit – vor allem aufgrund der Tatsache, dass Pornografie in Japan seit Jahrzehnten zensiert wird – erhalten bleibt. Man muss sich jedoch unbedingt vor Augen führen, dass die Anime-Serie womöglich eine Kritik am neuen Jugendschutzgesetz, das 2011 in Tōkyō für eben diese Präfektur verabschiedet wurde, darstellen könnte. Seit Mitte 2011 sind in Tōkyō Werke mit explizitem Inhalt nämlich nur noch in entsprechenden Erwachsenenbereichen vertreten. Aufgrund seines wertvollen Beitrags und dem Fehlen einer expliziten Darstellung, ist Shimoneta in Japan davon allerdings nicht betroffen. Deutsche Fans, die mindestens 16 Jahre alt sind, dürfen ebenso im freien Verkauf zuschlagen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Shimoneta: A boring World where the Concept of Dirty Jokes doesn’t exist ist unterm Strich eine interessante Anime-Serie geworden, die womöglich Kritik am japanischen Jugendschutzgesetz in der Präfektur Tōkyō äußern will. Ob diese Kritik berechtigt ist oder nicht, muss schlussendlich jeder Zuschauer oder Interessent für sich selbst entscheiden. Inhaltlich gehört die Serie aber wohl zu den seichtesten Ablegern ihrer Zunft. Hauptcharakter Tanukichi wird in einen Konflikt zwischen angeblichen Terroristen und der schützenden Regierung geworfen, doch tiefgründig wird die Serie selbst mit Rückblenden auf das eigentliche Geschehen oder das Zusammenleben mit Tanukichis Vater niemals. Tanukichi bleibt zudem die meiste Zeit über blass und nur die Damen in seiner Gefühlswelt können ihre Persönlichkeit, teils mit recht interessanten Stilmitteln, wirklich frei entfalten. Natürlich könnte man hier auch wieder die Angst vor dem Gefängnis oder der Züchtigung in einer dystopischen Welt als Erklärung herbeiziehen, doch selbst dann würde es sich die Anime-Serie zu einfach machen, um aus dem anfänglichen Handlungstief herauszukommen. Wirklich gespannt auf die nächsten Abenteuer von Tanukichi und Co bin ich zwar noch nicht, gebe Shimoneta aber gerne noch eine weitere Chance – es wäre nicht das erste Mal, dass mich eine Anime-Serie erst nach mehreren Episoden tatsächlich begeistern kann.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shimoneta (Vol. 1)!

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